Für mich ist das Kennzeichen eines gutes Buch, dass ich es mit Freude und Gewinn lese und am Ende traurig bin, dass es nicht weiter geht.
Anna Pavords Wie die Pflanzen zu ihren Namen kamen" fällt genau in diese Kategorie.
Kurz zusammengefasst geht es darum auf welche Art und Weise die Menschen von Theophrastus (320 v.Chr.) bis zu Linné (1753) die Pflanzen betrachtet bzw. eingeordnet haben.
Theophrast, ein Schüler von Aristoteles, kannte ca. 500 Pflanzen. Er ist der Erste, der die Pflanzen nicht nach dem Nutzwert für den Menschen bewertet, sondern die Frage stellte Wie unterscheiden wir zwischen den Dingen?".
Seiner Meinung nach haben die Pflanzen auch eine Seele und zwar genau an der Verbindungsstelle zwischen Wurzel und Stamm.
In der Folgezeit wird der Blick auf die Pflanzen eingeschränkt: Dioskurides schreibt 77 n.Chr. sein Buch De materia medica". Verbreitung und Ökologie werden zur Nebensache und nur die medizinische Wirkung der Pflanzen interessiert.
In den nächsten 1.500 Jahren wird sich daran nichts ändern! Amüsant die Geschichte, die Pavord erzählt: im Jahre 1934 sammeln englische Pflanzenliebhaber am Berg Athos Pflanzen und treffen in der Umgebung des Klosters auf einen griechisch-orthodoxen Priester und Apotheker, der Bilsenkraut sammelt. Mit dabei hat er handgeschriebene Blätter aus dem Kräuterbuch des Dioskurides!
512 n.Chr. erscheint Julianas Buch, das erste illustrierte Pflanzenbuch mit 383 Pflanzenillustrationen .
Übergehen wir das Mittelalter und kommen direkt in die Renaissauce, hier findet eine erstaunliche Entwicklung statt: die Pflanzenmalerei wird hyper realistisch - z.B. das grandiose Dürrer Bild (1503) Das große Rasenstück" - aber der Text der Autoren entwickelt sich nicht weiter.
Erst mit dem Auftreten der Väter der Botanik", Otto Brunfels und Leonhart Fuchs, wird die Pflanze wieder selber betrachtet und nicht Abgeschriebenes der Vorgänger repetiert. Sie sind auch die Ersten, die ein binäres Bezeichnungssystem einführen - allerdings nicht konsequent.
Im Weiteren kommen neue Ideen wie man die Pflanzen einordnen kann dazu. Cobelius wählt die Blattform, Cesalpino Samen und Frucht und Tournefort, 1695, schlägt die Zahl und relative Symmetrie der Blüten vor.
Das Ende von Pavords Buch ist Linnés Species Plantarum", allerdings gewährt sie uns noch einen kleinen Ausblick auf die aktuellen Arbeiten von Chase, der mit molekularbiologischen Methoden versucht, die Pflanzen zu klassifizieren.
Pavords Buch ist toll und spannend geschrieben. Die vielen Abbildungen ergänzen den Text aufs Beste. Neben den Beschreibungen der einzelnen Protagonisten streut sie immer wieder auch Anekdoten von selbst Erlebten ein.
In ihrem Buch geht es nicht nur um Pflanzen, sondern um Menschen und ihre Eigenheiten, um Religion, um den richtigen Zeitpunkt (ein Buch zu veröffentlichen mit dem richtigen" Inhalt, um Kunst etc.