Hans Pfitzners Oper bezieht sich auf die menschlichen Verhaltensweisen eines epochebestimmenden
Kirchenmusikers, der sich durch persönliches Unglück, schöpferische Krise, Glaubensverlust und
Amtsenthebung, seiner Welt durch Selbstmord entziehen will. Durchbricht dann aber den Gedanken
einer freiwilligen Isolation und stellt sich letztendlich gegen sich selbst, überwindet jegliche
Depression und findet schließlich, zu alter Schöpferkraft zurück.
Die Uraufführung des Palestrina, fand in München im Jahr 1917 unter Bruno Walter, statt.
Ich selber hatte das Vergnügen, diese Oper am 17.Januar 1988 an der Berliner Staatsoper unter
Otmar Suitner zu sehen, die Titelpartie sang Peter Schreier.
Jetzt liegt Pfitzners Oper in einer hervorragender Inszenierung aus dem Nationaltheater München,
aus dem Jahre 2009, vor.
Christian Stückl(Regie) und Stefan Hageneiner(Bühne/Kostüme) lassen die Erfahrungen, die sie
während ihrer Tätigkeit bei den Passionsspielen/Oberammergau erworben haben, nun auch in diese
Aufführung - mit seinen skurrilsten Farbgebungen, einfließen.
Mit Christopher Ventris(Palestrina), Michael Volle(Morone), John Daszak(Novagerio), Falk Struckmann
(Barromeo), Wolfgang Koch(Graf Luna) sowie Christiane Karg(Ighino) - um nur ein paar der zahlreichen
Personen zu nennen, die in Pfitzners monumentalem Werk zu sehen und hören sind, stehen dieser Inszenierung
überzeugend agierende Sänger zur Verfügung. Ebenfalls sauber fügt sich der Chor in dieses Ensemble ein
und lässt sich - wie alle anderen - souverän vom Dirigat Simone Youngs, leiten.
Pfitzners Musiksprache ist deutlich von Richard Wagner geprägt. Das Orchester klingt zeitweise spirituell
und innig(lässt an Parsifal und Meistersinger denken), dann fällt es wieder sehr klar in des Komponisten
Orginalität und verbindet Tradition mit Modernem. Simone Young nimmt diese Partitur sinnlich und transparent, hebt doch in besonderem Maße die meditative Seite hervor und unterstreicht die Bühnenwirksamkeit, die in der
Musik Hans Pfitzners - durch seine Inanspruchnahme der Leitmotvik -,klar zum Ausdruck kommt.
Auch in den drei Vorspielen dominieren Klangschönheit wie Dynamik und suggerieren ein sehr belebendes Gefühl.
Die Aufmachung dieser Doppel-DVD ist gut: Tonformat, Dolby Digital 5.0, PCM Stereo, Bild, 16:9, Booklet ist
informativ, Bonus, Making of, Untertitel, Deutsch zuschaltbar.
Es ist schwierig Pfitzners Schaffen einzuordnen. War er der "letzte Träumer?" oder stand er auf den "festen
Boden" der Tradition. - Egal, es war sehr wichtig, dieses Ausnahme Werk zu neuem Leben zu erwecken und es so,
in einer wunderbaren Qualität, zu veröffentlichen.