Dieses Buch fuellt eine Luecke. Alle anderen, die ich bisher gelesen hatte, beschrieben Vollblutpferde aus der Perspektive eines Vollblut-Insiders und totalen Enthusiasten, der nicht ueber den Koppelzaun seiner Rasse hinaus sieht. "Vollblueter" von Sibylle Luise Binder ist anders. Die Autorin mag Vollblueter - kein Zweifel ueber das. Sie ist enthusiastisch ueber ihre Schoenheit, ihren Adel und ihre Eleganz. Aber sie ist faehig, Vollblueter in der Relation zu anderen Pferden zu sehen - und genau damit ihre Staerken und Schwaechen heraus zu arbeiten.
"Vollblueter" beginnt mit einer Geschichte der Vollblutzucht. Doch wer sich davon die gaengigen Legenden verspricht, wird enttaeuscht werden. Sibylle Luise Binder bedient ihre Leser mit Fakten - allerdings nach dem neuesten Stand und keineswegs unkritisch. Sie raeumt auf mit der Geschichte von den "arabischen Stammvaetern", in dem sie Gruenderhengste genau betrachtet. Sie bleibt weg von Kindermaerchen wie das von "Lad", der nur angeblich ein "Zufallsprodukt" und nicht beachtet war. Dabei schreibt sie sehr informativ - und so unterhaltsam, dass ich Freude hatte, diesen Stoff zu lesen.
An das Kapitel ueber Geschichte schliesst sich eines ueber die grossen Vollblutgestuete in Europa und Amerika an - ganz sicher geeignet fuer dem Leser ein Ueberblick zu verschaffen.
Anschliessend kommen die deutschen Rennbahnen mit Kurzprofil und Adressen und das ist, finde ich, ein sehr guter Einstieg fuer Leser, die bisher noch nicht mit Vollblueter und Rennsport befasst waren.
Doch besonders mochte ich das Kapitel "Haltung". Als jemand, der seit vielen Jahren Vollblueter haelt und auch privat reitet, hat es mich schon immer gestoert, wenn sie als "exotisch" dargestellt werden. Das sind sie nicht - und Sibylle Luise Binder zeigt das auf. Sie erklaert, dass ein Vollblueter sehr wohl ein gutes Privatpferd sein kann, dass er fuer fast alles, was ein Freizeitreiter moechte, geeignet ist und dass er weder in der Haltung noch in der Art, wie man ihn reitet, eine Extrawurst gebraten braucht. So sehr man spuert, Sibylle Luise Binder mag und verehrt Vollblueter, so sehr laesst sie auch erkennen: Sie laesst auch die edlen Renner einfach Pferd sein.
Das mochte ich. Der einzige Mangel am Buch ist fuer mich: Es koennte im Bereich Haltung etwas ausfuehrlicher sein und ich persoenlich vermisste einige Worte zur Zucht mit Vollbluetern. Doch ansonsten fand ich das Buch sehr gelungen und kann es jedem Einsteiger, der mehr ueber Rennpferde wissen will, empfehlen.