Wer in Jim Morrison bloß eine Ikone der sechziger Jahre sehen möchte, die man anhimmelt und von der man sich Poster an die Wand hängt, wird mit diesem Buch nichts anzufangen wissen. Wer bloß weitere skandalöse Geschichten über Alkoholexzesse, obszöne Bühnendarbietungen und pathetische Außenseiter- und Rebellionsgesten lesen möchte, wird diese in Collmers Buch nicht finden. Wer aber am Dichter Jim Morrison interessiert ist, an seinem literarischen Hintergrund, an seiner poetischen Arbeitsweise, an seiner stark mythologisch und psychologisch gefärbten Selbstsicht und Selbstinterpretation, der sollte sich auf dieses Buch einlassen. Einlassen deshalb, weil es kein Buch ist, daß man bloß so nebenbei liest, sondern ein Buch, das man studiert, und überdenkt, und nochmals studiert, und nochmals überdenkt etc. Thomas Collmers Werk liefert eine umfassende, detaillierte und profunde Straßenkarte zum Denken Morrisons (und dabei auch eine wunderbare Reise durch Philosophie, Magie, Psychologie, Literatur etc.), und es ist ganz bestimmt die Mühe wert, sich mit diesem Buch zu konfrontieren, einem Buch, dem es darum geht, zu zeigen, daß James Douglas Morrison eben nicht das Plastikabziehbild einer Pop-Ikone war, sondern ein ernstzunehmender Dichter.