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Petersburg
 
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Petersburg [Taschenbuch]

Andrej Belyj , Gabriele Leupold
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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 3 (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458170812
  • ISBN-13: 978-3458170815
  • Größe und/oder Gewicht: 20,5 x 12,9 x 4,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Andrej Belyj
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Die Zeit, 15.11.2001
In den höchsten Tönen lobt Olga Martynova den Roman Belyjs und die "kunstvolle Übersetzung" von Gabriele Leupold. Der Roman, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschrieben wurde, sei einer der bedeutensten überhaupt und zudem überaus modern. Die stärksten Elemente der russischen Literatur fänden sich in diesem Roman, in dem verschiedene symbolische und narrative Ebenen interagierten. Ein weiterer Aspekt, der der Rezensentin positiv auffällt, ist das Nachwort von Ilma Rakusa, das sehr informativ sei und dem Leser helfe, sich in den Zitaten und der Metaphorik des über 600 Seiten langen Buches zurechtzufinden.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Petersburg
OT PeterburgOA 1913/14 DE 1919 Form Roman Epoche Moderne
Petersburg von Andrej Belyj ist der erste russische Roman modernen Stils. Die realistische Erzählweise des 19. Jahrhunderts tritt zu Gunsten einer Verbindung von multiperspektivischem Bewusstseinsstrom mit Stilverfahren unterschiedlichster Genres und Künste zurück. Die Form korrespondiert mit der gleichfalls doppelt angelegten Thematik des Romans, die aus Literatur, Philosophie und Anthroposophie gespeist wird. Im Roman wird der Niedergang des Abendlandes behandelt, der schließlich in der Kulturkrise des Fin de Siècle gipfelt, die anhand der russischen revolutionären Unruhen von 1905 dargestellt wird. In der Zerstörung alter Werte liegt jedoch eine Zukunftsperspektive verborgen: die Entwicklung spiritueller Bewusstseinsfähigkeiten.
Inhalt: Die Handlung spielt in Sankt Petersburg im Herbst 1905, dem Jahr der ersten russischen Revolution. Der Sohn eines Senators hat einer terroristischen Gruppierung das Versprechen zum Mord am Vater gegeben. Ihm wird eine Zeitbombe zugespielt. Nachdem er den Zeitmechanismus ausgelöst hat, entscheidet er sich jedoch gegen den Mord. Die Bombe explodiert eines Nachts, ohne größere Zerstörung anzurichten. Dennoch erleiden die familiären Beziehungen und die psychische Konstitution des Sohns Schaden. Dieser kehrt erst nach dem Tod seiner Eltern als wandernder Weisheitssucher aus dem Ausland zurück. Zwei weitere Handlungsstränge verfolgen die Liebesbeziehung des Sohns und das Verhältnis des Terroristen, der ihm die Bombe übergibt, zum Chef der Partei.
Aufbau: Im Schauplatz Petersburg spiegelt sich der kulturelle Konflikt Russlands, symbolisiert durch die Zeitbombe. Die Problematik entspricht den philosophischen Konzepten des Dionysischen und Apollinischen nach Friedrich R Nietzsche und bestimmt die Struktur des Romans: Der Senator Apollon Apollonowitsch Ableuchow verkörpert wie der Gott Apollon Dominanz und Ordnung, während sein Gegenspieler, der terroristische Parteichef Nikolai Stepanowitsch Lippantschenko, für die Ausschweifung steht, ein Prinzip, das dem Gott Dionysos zugeschrieben wird. Indem auf latente Weise Apollon Merkmale seines Gegenspielers zugewiesen werden und umgekehrt, vermeidet Belyj nicht nur Typisierung der Figuren, sondern deutet auch die Idee einer Vereinigung der Gegensätze in einer Person an; hierin sieht der Autor das Entwicklungsziel des Menschen und Russlands.
Die Väter-Generation ist dieser Aufgabe nicht gewachsen, die deshalb ihren »Söhnen« gestellt wird: dem Sohn des Senators Nikolai Apollonowitsch und dem Lippantschenko untergebenen Dudkin. Ihre Wege werden kontrastiert: Dudkin, der das Apollinische negiert, endet im Wahnsinn. In ihm gestaltet sich Belyjs Kritik an einer Vereinseitigung des Dionysischen und ihren Vertretern wie dem späten Nietzsche und der Décadence. In Nikolai Apollonowitsch, der zu gleichen Teilen apollinisch und dionysisch angelegt ist, zeigt sich die kulturelle Zeitbombe Russlands. Die Synthese der Pole bleibt Zukunftsperspektive. An der Erzähloberfläche wird Russland scheinbar eine kulturpessimistische Diagnose gestellt. Belyj deutet aber den Weg an, der aus der Krise herausführen soll und für den Russland sich in Gestalt Nikolais prädestiniert zeigt: die Entwicklung eines höheren spirituellen Bewusstseins.
Wirkung: Die ideelle Dimension des Romans war für die zeitgenössische Diskussion von Interesse. Formal hingegen gab Petersburg der sog. Ornamentalen Schule Anregungen und hatte maßgebliche Bedeutung für die Entwicklung der modernen russischen Prosa. H. S. S.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das Buch ist ein literarisches Ereigniss, zumal es erst vor einigen Jahren für russische und kürzlich endlich für deutsche Leser verfügbar wurde.
Der Roman schildert vierundzwanzig Stunden aus dem Leben des Studenten und Kant-Adepten Nikolaj Apollonowitsch Ableuchow. Verliebt in eine verheiratete Frau lebt er 1905 bei seinem Vater, einem hohen Beamten: die Mutter ist mit einem italienischen Künstler durchgebrannt. Grotesk geht es zu, weil Nikolaj von einem einst ggebenen Versprechen eingeholt wird, das er revolutionären Kreisen gab: von denen erhält er nun den Auftrag, den eigenen Vater umzubringen. Das Ungeheure nimmt seinen Lauf - oder ist es nur ein "Hirnspiel" wie der Schauplatz Petersburg selbst, diese allerphantastischste Stadt der Welt?
Geschrieben von 1911 bis 1913 durfte der Roman erst 1981 in Russland verlegt werden. 33 Jahre alt war Belyj als "Petersburg" veröffentlicht wurde, zuerst erschien es in Berlin, wo Belyj zwei Jahre verbrachte. 1940, sechs Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, durften seine Werke in der Sowjetunion nicht mehr veröffentlicht werden.
Der Autor selbst war Moskauer, besuchte 1905 erstmals Petersburg, um die Aufführung von Wagners "Parzival" zu sehen. Die Stadt hat eine innere Spannung, die schnell zu spüren, doch schwer zu begreifen ist: zur selben Zeit brachen in der damaligen russischen Hauptstadt blutige revolutionäre Unruhen hervor. Herrlich an dem Buch sind die Dialoge, das Werk ein polyphones, von Groteske und Parodie durchzogenes Sprachkunstwerk, der Autor malt Landschaften, den "giftigen Oktober", dass man ihn tatsächlich bunt vor Augen hat.
Boris Nikolaevyj Bugaev alias Andrej Belyj (1882- 1934), den man nicht zu Unrecht mit James Joyce verglichen hat, ist bis zu diesem Buch in Deutschland weitgehend unbekannt, da sein ebenso umfangreiches Werk bislang nur punktuell und in sprachlich nicht überzeugenden Übersetzungen vermittelt worden ist. Apropos Joyce: "Petersburg" gefällt mir weitaus besser als "Ulysses", lässt sich dieses Buch doch weitaus einfacher lesen und hat meiner Meinung nach auch eine poetischere Sprache sowie überzeugendere Charakterschilderungen (auch eine interessantere Handlung). "Petersburg" - endlich in adäquater Übersetzung - ist ein wahrer Kunstgenuss für den Leser.
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8 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Petersburg 8. Juli 2003
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ein sehr interessanter Roman, der zwar recht schwer zu lesen ist, dafür aber faszinierend zum Analysieren. Vielschichtig, bezugnehmend auf Texte von Puschkin, Gogol' u.a., angefüllt mit philosophischen Gedanken...
Nicht umsonst wird dieser Roman mit Joyce's "Ulysses" verglichen.
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