Ich habe sie alle auf einmal verschlungen. Ob als Konzertpianist, Nervenarzt, Dieb oder Ausbrecherkönig, diese bunte MGM- Jubiläums- Kollektion zeigt einen besonders leichten Sellers. Am Salz in der Suppe fehlt es dennoch nicht. In ***"HENRYS LIEBESLEBEN" (1964) (Panavision) (2,35:1 Breitbandformat)*** sind es zwei 14jährige Schulmädchen, die dem bekannten Komödianten und Klamauk- Spezialisten mit ihren Eskapaden und gemeinsamen Streifzügen durch Manhattan und den Central Park zeitweilig die Schau stehlen. Tom, Tom. Anlässlich eines Konzertabends verliebt sich Mel in den dilletantischen Konzertpianisten Henry Orient (Peter Sellers), der schon während des Konzerts große Unsicherheiten zeigt. So launisch wie das Leben manchmal ist, vergisst sie ihr eigenes Hausklavier darüber vollständig und sitzt mit den Schallplatten und ausgeschnittenen Fotos ihres neuen Idols verliebt auf dem Bett herum. Freundin Gil verhindert gottseidank, dass sie lethargisch wird. Wen wunderts, dass unser Anti- Held bald neue Zaungäste hat und aufs Empfindlichste in seinem Liebesleben gestört wird. In ***"WAS GIBT'S NEUES, PUSSY?" (1965) ( Technicolor) (1,77:1 Breitbandformat)*** sorgt der elegante Peter O'Toole für das Salz in der Suppe. "Screwed- up" sind dessen ungeachtet Peter Sellers und der junge Woody Allen, der das Drehbuch zu diesem Film schrieb. Der spätere Stadtneurotiker kleidet Modells ein, was ihm nicht immer geschickt und manchmal sehr umständlich gelingt. Die Nervenanfälle hat aber nicht er, sondern Peter Sellers, und das gerade dann, wenn seine Frau, die Wagnersängerin Anna, ihm eifersüchtige Szenen macht. Als Nervenarzt Dr. Popovich kommt er vor Lüsternheit und Neid auf seine Patientinnen und die "Swingin' Sixties" nahezu um. Ort des Geschehens ist nicht die Carnegie Street, sondern Paris, wo Peter O'Toole als Modejournalist eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Frauen ausübt. Seine Modells führen sich auf, als wollten sie die Gesellschaft in ein Freudenhaus verwandeln. Kein Wunder, wenn der Charmeur sich gegen die Eheschließung mit seinem "Pussykätzchen" Romy Schneider sträubt. Wie das Leben manchmal so spielt, merkt er schon bald, dass er die Rechnung ohne seine zukünftigen Schwiegereltern gemacht hat. Ein Wochenende im Hotel Chateau Chantelle, wo Woody Allen dem anderen Geschlecht in einem dunklen Kleiderschrank beim Blinde- Kuh- Spielen die Bluse zerfetzt, und eine rasante Fahrt mit dem Gocart durchs Suppengemüse am Schluss, sind das Ergebnis. In ***"JAGD DEN FUCHS" (1966) (Panavision) (2,35:1 Breitbandformat)*** ist es Victor Mature, der, am falschen Ort und zur falschen Zeit, noch einmal das Hollywood- Kino der 40ziger und 50ziger Jahre verkörpert. Mature, der in kostspieligen Monumentalfilmen wie "Samson und Delilah" oder "Sinuhe, der Ägypter" mitgespielt hat, parodiert sich hier selbst, indem er noch einmal die alte repräsentative Haltung einnimmt und damit eine bewußt antiquierte Wirkung erzielt. Regisseur und Produzent Vittorio de Sica vervollständigt den kleinen, nicht böse gemeinten Seitenhieb gegen das Monumentale und die Vorreiterrolle Amerikas. In einer Szene lässt sich de Sica von Sellers reinlegen. "Mehr Sand!" ruft dieser ihm zu. Als sich der künstliche Sandsturm legt, den sein Team erzeugt hat, muss de Sica feststellen, dass seine Filmausrüstung gestohlen worden ist. Der Dieb, Sellers, heuert den alternden amerikanischen Star- Schauspieler Tony Powell (Victor Mature) an, verpasst sich eine falsche Identität als Filmproduzent und täuscht die Arbeit an einem neo- realistischen Film vor, das alles, um im Freien auf ein Schiff mit Gold aus Ägypten Ausschau zu halten. Rafinierter Aldo. So hält er die ganze Stadt in Atem. Sogar der Polizeichef von Savalio ist dem eitlen Wahn erlegen, als Laiendarsteller bei den Dreharbeiten dabei sein zu wollen (und zu dürfen).