Vorerst einmal möchte ich betonen, dass meine Rezension sich auf die englische Version des Buches bezieht, da ich nicht weiß, ob es zur deutschen Version Unterschiede gibt.
Dieses Buch ist einfach herrlich. Als ich es in die Hände bekommen habe, konnte ich es kaum mehr weglegen (war innerhalb von 2 Tagen damit fertig...). Michael Moore nimmt die Gesellschaft, und vor allem die Regierung des Landes der (angeblich) "unendlichen Freiheit", das Land in dem die Mehrzahl der, ich zitiere: "pathetisch dummen weißen Menschen (daher der Titel :-)) lebt", mal genau unter die Lupe, und sagt endlich mal, mit viel schwarzen Humor, was alles nicht stimmt.
Besonders für Europäer betrachte ich diese Lektüre fast als ein Muss, denn die Vorstellungen, die sehr viele von uns Europäern von den USA haben, stammen aus amerikanischen Selbstverherrlichungsfilmen, und hier bekommt man mal einen wirklichen, objektiven Insiderblick. So ist Moore kein Antiamerikaner, er bezeichnet sich gerade als amerikanischen Patriot, dessen Pflicht es ist, die Probleme und Misstände anzusprechen.
Zunächst einmal kritisiert Moore heftig die Präsidentschaftswahlen, den "Coup" (Wahlbetrug), wie er ihn bezeichnet. Er erklärt wie die Bush, sein Bruder der Gouverneur von Florida und die Richter des obersten Gerichtshofs, die Pappi ernannt hatte, die Wahl so manipuliert haben, dass es doch noch zum "happy ending" kam und Schorsch doch noch ins Weiße Haus einziehen durfte, obwohl er weniger Stimmen hatte.
So schreibt er einen offenen Brief an "Dear George" in dem er unter anderem, zugegebenermaßen zum Teil unter der Gürtelinie, dessen angeblichen Analphabetismus, seine früheren Alkoholprobleme, seine Wahlkampagne usw. mit angeblich fürsorglichen Absichten anspricht. Hinzu kommen noch ein paar "Hintergrundinformationen" über die Mitglieder von Bushs Regierung und die Sponsoren dessen Wahlkampagne, die man wissen sollte.
Danach spricht er, mit zum Teil derbem Humor, verschiedene Probleme an, wie das amerikanische Schulsystem, Schusswaffen, Rassismus, und verschiedene Konfliktfälle an.
Irgendwie könnte man Moore gar als Visionär betrachten (das Buch wurde noch vor dem 11.09.01 geschrieben, die Veröffentlichung hat sich dann allerdings stark hinausgezogen), denn jeder Kritikpunkt, den er an der Bushregierung äußert, wurde durch die Ereignisse der vergangenen Monate bestätigt. Man könnte fast meinen, Bush & Co. hätten das Buch gelesen und wollten den netten Herrn nicht als Märchenerzähler erscheinen lassen, also haben sie alles schön brav gemacht, wie es Moore befürchtet hat :-).
Dennoch finde ich gut, dass er nicht NUR, die Republikaner veräppelt, sondern auch die Demokraten, und besonders Bushs Vorbewohner im Weißen Haus, nicht verschont.
Durch seinen äußerst lockeren und humorvollen, ja zum Teil sogar lächerlichen Schreibstil, schafft es Moore, den Leser zu fesseln, und doch auf viele erschreckende Tatsachen aufmerksam zu machen. Gegner der Bushregierung und allgemein Antiamerikaner werden sich in ihrer Einstellung bestätigt fühlen, während allerdings auch überzeugte Amerikanophile mit Sicherheit ihre Ansichten etwas ändern werden (und das mit Recht).
Negativ fand ich, dass Moore nicht nur Sinnvolles, sondern leider auch so manchen Schwachsinn schreibt. So finde ich seine Lösungsvorschläge für die Konflikte dieser Welt zum Teil fast bedauernswert (z.B Zwangsbekehrungen für Protestanten in Nordirland; den Rat an schwarze Autofahrer, weiße Gummipuppen auf ihre Rückbänke zu stellen, um als Chauffeur zu gelten und so zu vermeiden, von rassistischen weißen Polizisten angehalten zu werden...). So sehr ich über diese Vorschläge beim erstmaligen Lesen gelacht habe, so sind die angesprochenen Probleme doch viel zu ernst, als dass man sie so lächerlich behandeln könnte. Denn zu diesen Fällen bietet Moore (so gut wie) keine ernsthaft umsetzbare Vorschläge. Deswegen nur 4 Sterne.
Aber trotzdem ist das Buch äußerst informativ, witzig, und dürfte selbst politisch nicht interessierte Menschen fesseln. Also mich als, nicht wirklich Antiamerikaner, sondern Amerikakritiker, hat das Buch einfach fasziniert und mich in meinem Gefühl bestätigt, dass wir es im "alten Europa" doch sehr sehr gut haben.