Peter Lehel quartet Live At Birdland 59 Ettlingen 2004
Live At Jazz+Klassiktage Tübingen 2002
With this double live recording the jazzaward-winning German saxophonist and composer
Peter Lehel and his splendid quartet offer an interesting concept of live playing:
Two different concerts at two different places with two different approaches to modern jazz.
On the one hand wellknown jazz standards, which have been chosen by the audience as the most beloved pieces of the American songbook on the other hand original compositions by Peter Lehel, written especially for this quartet, standing in the tradition and history of the famous jazz quartets.
Playing the standards the quartet is able to keep the original thoughts of the composer as well as finding new ideas, statements, interpretation, new possibilities within the structure of the songs.
The quartet shows deep respect for this part of the jazz history.
With his own compositions Lehel gives clear structures and open places for inspired improvisations of all musicians. The listener can find much space for his own imagination and feelings.
You can find traces of Hungarian Folk Music as well as Coltrane-inspired modality.
Lehel shows a wide range of sounds, natural fluent playing, warmness and dedication with his three main instruments (tenor & soprano saxes, bassclarinet).
The quartet succeeds in finding an excellent balance between freedom and order.
All in all they are telling stories, describing the Moods of Life.
Dr. Tobias Boecker
Charakteristischer Mix zwischen Blues und Folklore
Peter Lehel Quartett spielt in der Maxburg
-Jazz mit Einflüssen von Korea bis Ungarn
-Großes Vorbild John Coltrane
nun zu hören auch auf Doppel-Live-CD
Wenn ein Tenorsaxophonist seiner Tochter den Namen einer John Coltrane-Kompostion gibt, Naima, dann liegt es auf der Hand, dass auch sein Spiel vom Geist dieses Großen beflügelt ist. Eine eigene Reflexion über Coltranes Naima stellte Peter Lehel dann auch beim Auftritt seines Quartetts in der Maxburg in Neustadt-Hambach vor: Anima heisst sie und schloss deutlich an den elegisch-balladesken Klangfrieden des Originals an. Und ebenso wie das grosse Vorbild fand Lehel dabei eine bestens ausgependelte Balance zwischen Ruhe und Intensität, zwischen epischer Breite und fein gewundener Lyrik.
Lehels Spiel transportiert Kraft, Inspiration und Dichte. Das zeigte sich auch im Weiteren, und die stärkste Wirkung entfaltete sich dann, wenn der Karlsruher Saxophonist und Bassklarinettist in den modal geprägten Nummern weiträumige Farbflächen flirren liess, wenn er die trillernden Töne und dunkel-gleissenden, repetierten Skalenläufe zu grosser Energie verdichtete. Weitausholende Linien von expressiver Hymnik liess er schmiegsam fluten und dann wieder zu grosser Farbendichte sich aufbäumen.
Coltrane fand in seinen späten Jahren in der indischen Musik einen Weg, um die meditative Kraft seines Spiels klanglich zu weiten. Lehel fand gleichfalls neue Wege in der Ferne, in Korea genauer gesagt. Dort war er auf Tournee und von dort hat er Volksmelodien mitgebracht, die die Sehnsucht nach Exotischem und harmonischer Erneuerung gleichermassen bedienen. Five in a row heisst solch ein Volkslied: Am Sopransaxophon intonierte Lehel eine ruhevolle Idylle mit einer pentatonischen Melodie, die der Pianist Ull Möck in krausen Parallelen weiterführte, harmonisch intensivierte und verschäfte. Scharfkantige Solie meisselte Möck in die Tasten, und gab dem Spiel ein gutes Mass an konturenstarker Prägnanz.
Dass sich die Folklore der Welt hervorragend in jazzige Improvisationsmodelle einbinden lässt, das weiss Lehel, dessen familiäre Wurzeln nach Ungarn reichen, sehr wohl. Eine Csárdás mit dem Titel Joska Csárdás, mitsamt einem glut- und gefühlvoll geblasenem langsamen Intro am Tenorsaxophon war ein starkes Beispiel für mitreissende Musikantenlust. Das Klavier wurde zum Hackbrett, das die Töne und arabesken mit Inbrunst tremolieren liess, Feuer und Temperament gewann das Spiel dabei schnell. Zu Herzen gingen die Rubati, Tonverzierungen, die zwischen Sehnsucht und feurigem Temperament pendelten, zündend schlugen die Gegenrhythmen auf die unbetonten Taktteile. Kontrabassist Mini Schulz gab dem Spiel des Quartetts viel an sonorer Kraft bei, prägnant und variantenreich trommelte Dieter Schumacher.
Der Klassik und Klassik-Jazz-Projekten steht Lehel gleichfalls sehr nahe, drum kamen auch die Nationalkomponisten Ungarns zu Ehren: Béla Bartók zum einen, in einem elegischen Intro auf der Bassklarinette ebenso geehrt wie mit folkloristischen Melodiemotiven im temperamentvollen Hauptteil. ?One for Kodály? hiess eine weitere Komposition, in welcher die ungarische Moll-Tonleiter zur improvisatorischen Grundlage wurde: wirbelnd und schlängelnd am Sopransaxophon in Fahrt gebracht.
Jedem der drei Instrumente die er spielt, weiss Peter Lehel je eigene charakteristische Reize abzugewinnen. Und durch solche Klangfarbenwechsel erreicht sein Spiel eine starke Einheit mit dem atmosphärischen gehalt: bald bluesig oder traditionell, bald modern, stark groovend oder ausgelassen auf folkloristischen Höhenflügen.
Rheinpfalz, 26.02.02
Rainer Köhl