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In Daniil Granins neuem, im postkommunistischen Russland angesiedelten Roman ist Stählins Ruhm als Feuerwerker längst verpufft, sein Werben um die Gunst der Zarin bleibt nur Anekdote. Stählins eigene Sammlung zu Kuriositäten aus dem Leben Peters des Großen aber hat ihm einigen Nachruhm gesichert und beiden -- Herrscher wie Biografen -- so ein Denkmal gesetzt. Dies zumindest finden fünf Historiker, die sich nach dem Untergang der Sowjetunion im ehemaligen Palais von Peter und Katharina versammeln, um über Aufstieg und Fall des ersten 'europäischen' Herrschers Russlands zu debattieren. Hier hat die ruhmreiche Vergangenheit des Landes eine (nicht immer romantische) Patina angesetzt, und hin und wieder können der Professor, der Lehrer, der Beamte, der Maler und der Fernfahrer bei ihren Diskussionen draußen vorm Fenster die Geister von Zar und Zarin durch den maroden Garten flanieren sehen.
Die Geister der Vergangenheit beschwört Daniil Granin in seinem neuen Roman ein ums andere Mal herauf, und zwar in epischer, sprachlich immer meisterlicher Manier. Dabei verwischen Dichtung und Wahrheit wie in Stählins Aufzeichnungen, und auch die Form des Anekdotischen wird souverän genutzt, nicht nur, um die Frage nach den Möglichkeiten einer literarischen Vermittlung von Geschichte neu zu stellen. So hat Granin Peter dem Großen ein immer wieder bröckelndes Monument errichtet. Und einen grandiosen historischen Roman vorgelegt, der nicht zuletzt auch seinem Autor ein wuchtiges, glänzendes Denkmal setzt. --Thomas Köster
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