Ich wage einen Vergleich:
Als ich dieses Konzert entdeckte, stellte mir ein Freund Stings "Live in Berlin" vor, wo
Sting ebenfalls sein Songs mit Orchester interpretiert.
Bei Sting klingt es, als ob ein Orchester Songs von Sting spielt.
Bei Peter Gabriel klingt es, als habe Peter Gabriel Songs fürs Orchester geschrieben,
und sein Leben auch nie was anderes getan.
Seine Stücke und die Cover sind hervorragend arrangiert, wofür Gabriel sich ja auch oft während des Konzertes beim Arrangeur John Metcalfe bedankt.
Man staunt fast, dass diese Stücke Popsongs sind.
Das wird bei den Covern besonders deutlich: Die Coverversionen sind so sehr auf den Punkt gebracht, dass man glauben möchte, dass Paul Simon (Boy in the Bubble) oder Regina Spektor (Aprés moi) die Message ihrer Stücke selber nie geschnallt haben.
Und was Gabriels Kompositionen anbelangt:
Man darf nicht vergessen, dass schon die frühen Genesis mit Gabriel starke Anleihen an klassischer Musik gemacht haben, damals war der Moog das Orchester. Und auch seine Soloalben haben haben immer eine epische, bebildernde Songstruktur gehabt, und er hat auch Filmmusik geschrieben. Von daher ist "New" Blood nur konsequent, und keiner der üblichen Orchester-spielt-Pop Aufgüsse.
Interessant auch der Einfluss moderner Komponisten:
"San Jacinto" könte von der Orchestrierung auch von Steve Reich stammen.
"The Nest that sailed in the Sky" erinnert stark an John Adams "Common Tones in Simple Time"
Ich bin alleine von der Interpretation so begeistert, dass die DVD wie eine "normale CD" in meiner Anlage läuft. Ich habe bisher kein Stück komplett auf der Glotze gesehen, Augenschliessen reicht...