Alexandre Rockwell hat mich vor 20 Jahren mit seinem Film '"In the Soup - alles Kino"' sehr begeistert. Ein kleiner Independentfilm, in schwarz-weiß gedreht, mit dem jungen Steve Buscemi und einem verschmitzt agierenden Seymour Cassel ("'The Royal Tenenbaums'"), der mich, soweit ich mich erinnere, sehr amüsiert hat. Sowohl Buscemi als auch Cassel spielen in Rockwells Film "'Pete Smalls is Dead'" mit, darüber hinaus Tim Roth ('"Lie to me"', "'Reservoir Dogs"'), Peter Dinklage ('"Station Agent"', "'Sterben will gelernt sein"'), Mark Boone Junior ("'Sons of Anarchy"'), Rosi Perez ('"Perdita Durango"') und Lena Headey ("'The Broken"'). Ein versierter Regisseur, ein Drehbuchautor, der schon mehrmals mit Rockwell zusammengearbeitet hat und ein prominenter Cast, da sollte man doch meinen, einem 95minütigem kreativen cineastischen Ereignis entgegensehen zu können, oder? Tja, so kann man sich täuschen. "'Pete Smalls is Dead"' ist leider kaum als gelungen zu bezeichnen. Was wirklich schade ist, da die guten Ansätze und auch das handwerkliche Können des Regisseurs deutlich zu erkennen sind. Leider ist es Alexandre Rockwell diesmal nicht gelungen, einen kurzweiligen, witzigen und charmant-verschrobenen Film zu drehen. "'Pete Smalls is Dead"' ist eine wirre Ansammlung kruder Ideen, die so langatmig wie oftmals sinnbefreit umgesetzt wurden und trotz rotem Storyfaden keine Stringenz erkennen lassen. Und das geht so:
Pete Smalls (Tim Roth), ein gefeierter, aber völlig durchgeknallter Regisseur in Hollywood, ist tot. Seine Freunde Jack (Mark Boone Junior) und K.C. (Peter Dinklage) wollen ihm die letzte Ehre erweisen und an seiner Beerdigung teilnehmen. Dort jedoch stellt sich heraus, dass im Sarg lediglich eine Wachsnachbildung von Pete Smalls liegt. Smalls ist und bleibt verschwunden. Seine Freunde versuchen dennoch, aus seinem Tod Profit zu schlagen, bzw. sich ihr Eigentum zurückzuholen. Denn vor 15 Jahren hat Pete K.C. ein Drehbuch geklaut und verfilmt, ohne ihm davon etwas zu sagen. Da K.C. gerade dringend Geld braucht, weil sein Kredithai, dem er 10.000 Dollar schuldet, seinen Hund Buddha als Geisel genommen hat, versucht er mit Jack, den Film aufzutreiben. Aber der Film ist genauso schwer zu finden wie zu glauben ist, dass Pete Smalls wirklich tot ist. Auf der Suche nach dem Film und den Versuchen, irgendwie Geld für K.C.s Hund aufzutreiben, lernen Jack und K.C. unter anderem auch die Armenierin Saskia (Theresa Wayman, '"The Rules of Attraction"') und den Gangster Saco (Seymour Cassel) kennen, die ihnen nur mehr oder weniger behilflich sind, da auch sie ihre ganz eigenen Ziele verfolgen...'
Ausstattung: Die Blu Ray kann sowohl in 2D als auch in 3D angesehen werden. Mir hat die 2D-Version gereicht, ich konnte kaum Szenen erkennen, wo der Film von der 3D-Version profitiert hätte. Der Ton kommt in deutsch und englisch in DTS-HD 2.0 daher, Untertitel gibt es keine. Darüber hinaus beschämt die Ausstattung mit lediglich dem Trailer des Films sowie drei weiteren Trailern.
"'Pete Smalls is Dead"' ist ein seltsamer Film. Man sieht ihm deutlich an, wie viele Ideen der Regisseur, der auch mit am Drehbuch geschrieben hat, gehabt hat. Die Kameraführung ist ungewöhnlich und Rockwell hat so schräge wie teilweise liebenswerte Charaktere erschaffen, die mit den Widrigkeiten des Lebens sichtlich zu kämpfen haben. Nur leider ist ihm bei der Umsetzung alles ziemlich durcheinander geraten und er hat viel zu viele Nebenschauplätze und schräge Figuren kreiert, die die Handlung sabotieren und schlicht zuviel Blödsinn reden.
Rockwell überhäuft seinen Film geradezu mit Protagonisten, die alle irgendwie einen an der Waffel haben. Rachsüchtige Ex-Frauen, dubiose Assistentinnen, verliebte Teenager, undurchsichtige Armenier, schmierige Geschäftsmänner mit ausgeprägtem Sexualtrieb, Produzenten mit seltsamen Vorlieben und bekloppten Frisuren... 'es nimmt gar kein Ende und schon nach kurzer Zeit verliert man die Übersicht, wer hier eigentlich was warum will. Trotz roten Fadens driftet die Handlung immer wieder in überflüssige Side-Plots ab, die inhaltlich mehr Schaden anrichten als sie dem Film nützen. Darüber hinaus wird in dem Film wahnsinnig viel geredet, leider macht nur Weniges davon Sinn oder ist von Interesse.
"'Pete Smalls is Dead'" möchte so cool und verwegen sein wie Tarantinos frühe Werke '"Pulp Fiction"' und "'Reservoir Dogs'", er möchte europäisches Arthousekino sein, schwarze Komödie mit intellektuellem Anspruch und so tragisch und lakonisch wie die Filme von Aki Kaurismäki. Leider verliert er darüber seine eigene Identität und wirkt nur wie eine wirre Kopie des eben Genannten. Viel zu schnell erlahmt das Interesse an K.C. und seiner Mission, die Neugier darüber, ob Pete Smalls nun wirklich tot ist oder nicht, und wenn nicht, warum nicht. Alle interessanten und durchaus kreativen Ansätze versinken in einem unausgegorenen, schräg gefilmten Plot und dessen Überbevölkerung an fragwürdigen Protagonisten. Man erkennt deutlich, dass Alexandre Rockwell was drauf hat, aber in "'Pete Smalls is Dead"' wirkt es so, als habe der Regisseur seinem Film zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt bzw. sich in abgefahrenen Ideen und zahllosen Nebendarstellern verloren, die die Story nachhaltig torpedieren. Darüber hinaus hat man das Gefühl, dass es überhaupt nicht vorangeht. Egal, was K.C. und Jack auch versuchen, immer geht es schief oder wiederholt sich schlicht. Jeder Weg, den sie einschlagen, führt über kurz oder lang wieder in eine Sackgasse, was nicht nur für die Protagonisten deprimierend ist.
Dafür hat Rockwell einen recht coolen Soundtrack zusammengestellt, der den Pseudo-Independence-Charakter des Films gekonnt unterstreicht. Und natürlich hat er einen großartigen Cast gefunden, der hier allerdings weit unter seinen Möglichkeiten bleiben muss. Wunderbare Darsteller wie Peter Dinklage oder Tim Roth werden hier in einem Film verheizt, der ihrer nicht würdig ist. Roth torkelt durch die Szenerie und redet vorwiegend wirres Zeug und Peter Dinklage wird dazu verdonnert, betrübt in die Kamera zu gucken oder genervt zu sein. Er ist der personifizierte Seufzer und guckt ähnlich bekümmert wie sein Filmhund Buddha. Die restlichen Darsteller spielen entweder sehr unterkühlt oder total überdreht, Blödsinn reden sie, bis auf Dinklage, eigentlich alle. Steve Buscemi ist unter seiner blonden Schamhaarperücke kaum zu erkennen, Mark Boone Juniors Bart sieht einfach nur widerlich verfilzt aus und was Trash-Ikone Carol Kane ("'Office Killer'") hier an Schwachsinn aufsagen muss, ist einfach nur noch peinlich.
Ergo wurde bei "Pete Smalls is Dead"' viel gewollt, aber leider nur wenig gekonnt. Die Story ist dünn, verworren und stagniert entweder oder wiederholt sich permanent. Die Charaktere sind extrem unglaubwürdig, auch wenn sie von einem souveränen Cast zum Leben erweckt werden und der ganze Film wirkt ungelenk, laienhaft und schlecht kopiert. Somit leider nicht mehr als einer von fünf Buddhas, der genauso bekümmert aus der Wäsche guckt wie der Zuschauer in die Röhre.