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Pesthauch und Blütenduft: Eine Geschichte des Geruchs [Gebundene Ausgabe]

Alain Corbin , Grete Osterwald
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

7. März 2005
Für die Leser von Süskinds Parfüm: hier ist die historische Grundlage. Eine lebendig erzählte Kulturgschichte des Geruchs, von den Anfängen der Körperpflege und öffentlichen Hygiene, der Parfümmanufakturen und der Ökologie im 19. Jahrhundert.
Die Vorgeschichte unserer Geruchsempfindlichkeit beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, als ein heute unvorstellbarer Gestank den Alltag in Stadt und Land beherrschte. Von da an ging es aufwärts: Während Robespierre das Laster ausrotten will, wird in Paris der erste Lehrstuhl für Hygiene eingerichtet, und in der Folge verschwistert sich der Geruchssinn mit der Polizeiwissenschaft, er wird zum Desinfektionswahn.
Mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft wird aber auch immer deutlicher unterschieden zwischen Gestank und Wohlgeruch: der Pöbel stinkt, der Bourgeois parfümiert sich, und so entstehen immer wieder neue Vorstellungen von Eleganz und Individualität, bis heute.
Mit dieser gebundenen Ausgabe wird ein Klassiker wieder zugänglich gemacht.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 376 Seiten
  • Verlag: Wagenbach (7. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803136180
  • ISBN-13: 978-3803136183
  • Größe und/oder Gewicht: 24,4 x 17 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 693.173 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Alain Corbin, geb. 1936, ist Professor für Geschichte an der Universität Paris I (Sorbonne). Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, vorwiegend zu geschichtlichen Themen des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf deutsch sind von ihm unter anderem Meereslust (1994), Pesthauch und Blütenduft (1994. 2. Aufl.) und Die Sprache der Glocken (1995) erschienen.

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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von A. Wolf
Wer im Zusammenhang mit dem Wort "Parfum" nicht sofort an schick designte Flakons, mit denen sich feine Duftessenzen auf Kleider und Körper sprühen lassen, sondern an bedruckte Seiten denkt, der kommt nicht umhin, den Namen Patrick Süskind zu nennen. Sein Roman um den genialischen Mörder Grenouille hat es vermocht, so manchen Leser zu betören - und das ganz ohne Amber oder Moschus.

In seinem Roman "Das Parfum" Paris in seiner ganzen pestilenzartigen Geruchsatmosphäre so derart packend und eindrucksvoll zu schildern, ist eine der großen Leistungen Süskinds.

Doch der Mann, wenn auch mit einem beträchtlichen Maß an Phantasie ausgestattet, berief sich auf eine fundierte Quelle, Alain Corbins "Pesthauch und Blütenduft". Das Werk ist, ähnlich wie Süskinds Roman, längst zu einem Klassiker avanciert und hat mit einer Auflage von bislang über 60.000 Exemplaren doch eine hohe Verbreitung erreicht.

Corbin sieht den Anbeginn der Sensibilisierung für Gerüche im 18. Jahrhundert. Man hatte einfach genug von entsetzlichem Gestank und bemühte sich um Hygiene und Desodorierung. In Paris wurde eigens ein Lehrstuhl für Hygiene ins Leben gerufen. Parellel dazu verändert sich auch die Haltung den Parfums gegenüber. Der Proletarier riecht übel, der Bourgeois parfümiert sich mit feinen Düften. Aber mit welchen? Moschus gilt bald als tierisch und ungehörig, ein zu dick aufgetragener Duft ist eher den leichten Damen in den Bordellen vorbehalten und der Mann sollte ohnehin eher nach Tabak duften.

Corbin deckt die sich wandelnden Geruchsempfindungen auf und belegt dies an vielen wissenschaftlichen Texten, aber auch zahlreichen literarischen: Casanova, De Sade, Huysmans oder Balzac, um nur einige zu nennen. Die Erotik des Duftes nimmt freilich einen nicht unwesentlichen Raum ein, denn in einer Zeit, in der man sich - vor allem körperlich - bedeckt hielt, galt es, die Indidividualität, vornehmlich die eigenen Reize, richtig herauszustellen.

Der Wagenbach-Verlag liefert mit dieser Kulturgeschichte des Duftes eine schöne, bibliophile und illustrierte Ausgabe des Klassikers von Corbin. Dass der Schöpfer ein Franzose war, lässt sich im Text allerdings immer wieder spüren. Bezüge zur Bedeutung des Parfums bevor es in Frankreich nicht nur "entdeckt", sondern auch ökonomisch in ganz Europa erfolgreich vermarktet wurde, wären schön gewesen. Denn so entsteht ein bisschen der Eindruck, Frankreich sei die Wiege der Parfümerie gewesen. Das ist zwar sicherlich keine falsche Behauptung, aber eine etwas differenzierte Betrachtung wäre schön gewesen. Das ist aber kein wirklicher Grund zur Kritik. Alles in allem sei dieses Buch all denen ans Herz gelegt, die auf olfaktorische Spurensuche gehen wollen. Oder die einfach wissen wollen, wie schrecklich abscheulich es im Europa des 18. Jahrhunderts wirklich gestunken hat - und was man in den Jahren darauf getan hat, um mit dem lieblichen "Lockstoff" beim anderen Geschlecht zu landen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein reines Lesevergnügen 18. Mai 2011
Von Amazon bestätigter Kauf
In Süskinds Roman "Das Parfum" lesen wir, dass der Protagonist im 18. Jahrhundert in eine extrem stinkende Welt hinein geboren wird. Über diese Welt erfahren wir hier Näheres. Der Untertitel 'Eine Geschichte des Geruchs' ist allerdings missverständlich. Das Buch befasst sich mit der Situation in Frankreich, insbesondere in Paris, ungefähr im Zeitraum von 1750 bis 1880. Also nicht eine allgemeine Geschichte, sondern zeitlich und räumlich sehr spezifisch konzentriert. Da der Verlag dies explizit als die historische Grundlage zu Süskinds 'Parfum' anpreist, muss vor einem weiteren Missverständnis gewarnt werden: Wir haben hier nicht ein Buch vor uns, das ebenso spannend und mitreissend zu lesen wäre. Ein Buch, in dem auf 300 Seiten beinahe durchgehend von Abtritten und Senkgruben, Jauche, Kadavern und Scheisse die Rede ist, ist nun mal kein reines Lesevergnügen.

Der Autor erklärt zunächst, wie Mitte des 18. Jahrhunderts die herrschenden Zustände, das heisst der allgemeine Gestank, aufgrund einer veränderten Wahrnehmung zunehmend als skandalös und gefährlich empfunden wurden. Diese Zustände sind allerdings für uns kaum mehr vorstellbar. Selbst in den Korridoren zu den königlichen Gemächern in Versailles muss es nach Fäkalien gestunken haben. Die Wissenschaft glaubte noch, Krankheiten würden durch üble Gerüche verursacht und übertragen. Also galt es, ihre Ursachen im städtischen Untergrund, in Grabstätten, Gefängnissen, Spitälern zu analysieren und zu beseitigen.

Aufgrund dieser Anstrengungen konnten sich die Bürger mit der Zeit in ein weniger stark riechendes Umfeld zurück ziehen. Starke Parfüms, Ambra und Moschus kamen ausser Mode, und für eine Zeit wurde leichten blumigen Pflanzendüften der Vorzug gegeben, was auch dem strapazierten Leser vorübergehend eine gewisse Erleichterung gewährt.

Grundsätzlich werden zwei Welten einander gegenüber gestellt: einerseits Schmutz, Armut und Gestank, andererseits Reinlichkeit, Wohlstand und Wohlgeruch. Dem Autor geht es um die sozialen Haltungen und Entwicklungen der Gesellschaft im Umgang mit diesen Elementen im Proletariat, im Bürgertum, beim Adel und in der Wissenschaft. Er stellt die geschichtlichen Wandlungen in der Haltung sowohl gegenüber dem Gestank wie dem Wohlgeruch dar.

Es ist eine summarische Darstellung. Das heisst von einzelnen Düften, individuellen Geruchs-Erfahrungen, von der Zusammensetzung und Herstellung der Parfüms ist weniger die Rede. Auch wenig von Geruchs-Erlebnissen ausserhalb des sozialen Schwarz-Weiss Schemas von hier Gestank, dort Parfüms. Natur-Erlebnisse werden höchstens herbei gezogen, um dieses Grundschema zu illustrieren.

Sicher eine wissenschaftlich verdienstvolle Arbeit, wobei der Autor manchmal zu weit geht, wenn er die Beschäftigung mit seinem Spezialgebiet verteidigt. Seiner Aussage im Schlusswort, ohne diese Darstellung sei es unmöglich, die damaligen Umwälzungen in den sozialen Vorstellungen in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen, werden wohl die Wissenschaftler anderer Fakultäten kaum gerne beistimmen wollen.
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