Ich weiß nicht, ob ich überhaupt schon mal eine schlechte BBC-Verfilmung gesehen habe - und auch "Persuasion" ist da keine Ausnahme. Toll, wie es hier gelungen ist, das wichtigste aus Jane Austens Roman in (leider) nur 103 Minuten zu packen, dabei wirkt nichts gehetzt und hektisch, auch wenn man sich natürlich für jede BBC-Verfilmung eine Miniserie a la Pride and Prejudice wünschen würde :-). Ich frage mich trotzdem, warum man nicht mindestens einen Zwei-Stunden-Film draus gemacht hat.
Es ist auf alle Fälle hilfreich, vorher das Buch zu lesen (man sollte sowieso alle Austen Bücher gelesen haben, nicht wahr :-), da zwar alles wichtige im Film vorkommt, aber einiges etwas knapp behandelt wird. D.h. manchmal gibt es nur einen kurzen Dialog, der aber sehr wichtig für das weitere Verständnis ist. Z.B. der Part von Mrs. Smith fällt für meine Begriffe etwas zu spärlich aus.
Die Schauspieler sind gut ausgewählt, am meisten beeindruckt hat mich Amanda Root als Anne Elliot. Anfangs war ich regelrecht erschrocken, da sie geradezu verkniffen und verhärmt rüberkommt. Im Laufe des Films jedoch blüht sie regelrecht auf. Diese dezente, aber stetige Verwandlung ist wirklich toll gemacht, wie ich finde.
Gut besetzt auch Ciaran Hinds als Captain Wentworth, auch wenn er anfangs keine Sympathiepunkte bei mir gewinnen konnte, so wie er Anne behandelt. Das ändert sich später allerdings noch. Auch die Nebenrollen sind - wie man es von BBC Verfilmungen gewohnt ist - sehr sorgfältig besetzt worden. Hier ist besonders Sophie Thompson (tatsächlich die jüngere Schwester von Emma Thompson, wer hätte das gedacht) als Mary Musgrove zu nennen.
Alles in allem eine gutgemachte, authentische Romanverfilmung, die gerne noch ein bißchen länger hätte dauern können. Für die nicht so sehr im Englischen bewanderten helfen die englischen Untertitel sehr, aber auch sonst ist die Sprache ziemlich gut zu verstehen. Genießen Sie es im Original (glücklicherweise hat man uns bisher von einer deutschen Synchronisation verschont)!