Wer wissen will, auf welche Suchbewegung sich die Diakonie auf dem Sozialmarkt begibt, findet hier einen guten und verlässlichen Einblick. Diese Suchbewegung lässt sich von einer klaren theologischen Orientierung leiten: die Option für die Armen ist zentraler Ausgangspunkt der Diakonie. Mit diesem Blick nimmt sie die gesellschaftlichen und ökonomischen Wandlungsprozesse wahr und fragt nach den Folgerungen für diakonisches Handeln. Die Veränderungen sind dramatisch und treiben die Diakonie in einen Zielkonflikt zwischen betriebswirtschaftlich ausgerichteten Strategien am Sozialmarkt und dem christlich geprägten Selbstverständnis, die sozialen Dienstleistungen vorrangig am Wohlergehen der Betroffenen auszurichten. Hat der barmherzige Samariter ausgedient? Die Bedrohung des Wesenskerns der Diakonie könnte größer nicht sein, denn in der Grundtendenz steht die Ökonomisierung einer Solidarisierung von diakonisch Handelnden und Hilfebedürftigen entgegen. Helfen droht zu einer Ware zu werden, die auf dem Sozialmarkt gehandelt wird. Wäre es dann besser, wenn die Einrichtungen, die unternehmerisch agieren, von denen getrennt werden, die sich als zivilgesellschaftliche Akteure um die Armen kümmern? Die Antwort bleibt offen, doch sie muss in einem Dreieck zwischen theologischer Richtlinienkompetenz", einer Verständigung zwischen Wettbewerbslogik und kirchlichem Anspruch und einem Dienst am Menschen" ohne Gewinnerzielungsabsicht gesucht werden. Der Suchprozess ist eröffnet und lädt ein. Uwe Becker hat im Auftrag der Diakonischen Konferenz einen im wahrsten Sinn des Wortes weg-weisenden Beitrag vorgelegt, der das Grundanliegen der Diakonie nicht in der Differenz gegenüber Dritten ausmachen will, sondern vielmehr in der Möglichkeit der Umsetzung und Organisation der diakonischen Arbeit nach eigenen ethischen Kriterien. Wer über Diakonie und die soziale Arbeit der Kirche sich informieren will, erfährt differenziert und sachkundig, wie die Diakonie sich den Herausforderung der durchgreifenden Ökonomisierung des Sozialen stellt.
Prof. Dr. Franz Segbers