Als Vorbote der neuen Remixbox diesmal "Personal Jesus" in neuen Kleidern. Spielte diese Rolle vor sieben Jahren noch das seit langem unvermeidliche (ursprünglich Anfang 1990 nach dem furiosen "Personal Jesus" ausgekoppelte) "Enjoy The Silence", das einen auf das Erscheinen neuer Remixe (und den Kauf jeder Menge alter Remixe) einstimmen sollte, ist es diesmal - für mich erstaunlich - eben "Personal Jesus", die seit 1989 vielleicht beste Depeche-Mode-Single überhaupt. Und wie alt das Original tatsächlich schon ist, aus einer wie fernen Zeit dieses Lied auch schon stammt, zeigt der Text selbst: "Lift Up the Receiver"? Als noch Telefonhörer von Gabeln abgenommen wurden, das ist wirklich verdammt lang her. :-)
Die Remixe auf BONG43 sind modern und eher minimal und greifen leider kaum das Original - oder die originalen Remixe - auf! Lauter verpasste Chancen! Das Original wird in den neuen Mixen mehr als weniger aufgelöst, was wirklich schade ist. Dabei sind die neuen Fassungen aber gar nicht mal schlecht. "Personal Jesus 2011" ist eine tanzbare Reminiszenz an eine der druckvollsten, beeindruckendsten, innovativsten DM-Single-Auskopplungen überhaupt. Jetzt wieder in Erinnerung gerufen und neu hörbar mit unabgedudeltem, aufgefrischtem, nur leider relativ uninspiriertem Klangbild. Dabei ist die Modernität der Stücke völlig in Ordnung so. Es wäre nur schön gewesen, wenn noch ein gutes Stück mehr Erkennbares von dem, was das Original und die seinerzeit bereits hervorragenden Remixe von 1989 ausgemacht haben, durch die neuen Remixe schimmern könnte. Das Potential ist gewaltig und liegt offen - daher hätte man sich jetzt noch mehr erhofft.
Dennoch darf man sich als Fan bei aller Kritik an der Beliebigkeit und Eintönigkeit vieler Remixe ja vor allem über neues Material freuen.
Tatsächlich gehen seit "Exciter" (teils schon seit "Ultra") Remixe mehr und mehr in Richtung Beliebgkeit, von vielen gerade für Depeche Mode legendären Maxi-Versionen der 80er und auch noch 90er ist nicht viel übrig geblieben: Seit Jahren gibt es vermehrt housegespülte Kost, bei denen kaum noch etwas vom Original zu hören ist - ein bedauerlicher Trend. Dennoch gab es zwischendurch immer wieder mal grandiose, moderne und trotzdem nicht das Original verleugnende Remixe, als Beispiel sei "Boys Noize Rework" zu "Personal Jesus" von 2006 genannt. So machen Remixe weiterhin Spaß!
Bei dieser Maxi ist der Spaß vor allem, dass die Band überhaupt noch am Leben gehalten wird. Eine neue Single: hurra! Fünf Stücke auf einer Maxi-CD, und auf Vinyl identischer Inhalt - der Fan wird bei dieser Auskopplung für Depeche-Mode-Maßstäbe erstaunlich wenig gemolken. Das ist doch auch mal ein Lob wert und allemal begrüßenswert. Allerdings wird der Fan ja bei der passenden
Remixes 2: 81-11 (3 CD-Box) zu dieser Maxi auch wieder kräftig für alte Stücke zur Kasse gebeten ... und mehr oder weniger gerne wird man bereit dazu sein, man freut sich ja vor allem auf die neuen Remixe, die es eben nur zusammen mit schon bekannten Stücken geben wird.