Auf der Kurzgeschichte "Mansion of the Hill" von Rick Moody (erschienen in seinem Buch "Demonology") basierend entstand 2009 der Film "Personal Effects" [1] unter der Leitung von David Hollander, der für Buch, Regie und Produktion verantwortlich zeichnete.
Walter (Ashton Kutcher, 31) verlässt das Ringer-Nationalteam und kehrt in seine Heimatstadt an der Westküste zurück, nachdem seine Zwillingsschwester brutal ermordet worden war. Mit seiner Mutter besucht er eine Therapiegruppe, wo er Linda (Michelle Pfeiffer, 50) kennenlernt, deren Mann von einem Saufkumpan in einer Bar umgebracht worden war. Lindas fast erwachsener Sohn Clay (Spencer Hudson) ist taubstumm. Zwischen Linda, Walter und Clay entwickelt sich eine tiefe Zuneigung. Doch dann kommt der Tag, an dem die Geschworenen über das Schicksal der Mordangeklagten entscheiden...
Endlich mal ein Film, der sich mit den Problemen befasst, denen Angehörige von Gewaltopfern gegenüberstehen. Alleine das macht ihn schon wertvoller und ansehenswerter als all den Gewalt-Trash, der ein krankes Publikum bedient, das insgeheim die Täter bewundert. Und man begreift schnell, dass dieses Thema auch wesentlich interessanter ist, denn es geht um richtige Menschen, nicht um Wesen, die ihre Menschlichkeit verloren haben. Liebenswerte Menschen, mit denen man sich identifizieren kann, mit denen man hofft und bangt, deren Geschichte betroffen macht. Das wird wunderbar fein und einfühlsam erzählt, bis hin zu dem ehemaligen Verlobten des Opfers, der sich ins Leben zurücktastet, eine neue Beziehung beginnt und bei Walter vorsichtig um dessen Einverständnis bittet. Und Linda, alleine ohne ihren Mann, zeichnet nur noch leere Räume - dort, wo sich Dutzende Menschen aufhalten.
Ein besonderes Highlight des Films ist auch die Thematik des hörbehinderten Clay [2], der die Erzählung auch in einer Rahmenhandlung präsentiert. Man "lernt" quasi nebenbei, wieviel in "Nicht-Hören-Können" eingeschlossen ist, wie abgesperrt solche Menschen von vielem sind, das uns Hörenden selbstverständlich erscheint. Wer eine(n) Hörbehinderte(n) kennt, weiß, wie schnell sich solche Menschen ausgeschlossen fühlen.
Als wäre das nicht schon viel, befasst sich der Film auch ganz zentral mit einem Thema, das in unserer Gesellschaft wieder große Bedeutung gewinnt: Beziehungen mit großem Altersunterschied. In früheren Gesellschaften ganz normal, waren solche Paare noch vor wenigen Jahren massiver Ächtung ausgesetzt. Toleranz ist vielen Menschen nicht gerade auf die Stirn gebrannt.
Inzwischen können Paare mit großem Altersunterschied eigentlich recht unangefochten ihr Leben leben - aber nur, wenn der Mann der Ältere ist. Im umgekehrten Fall kommen wieder die Ratten aus den Löchern. Und genau das ist das dritte Anliegen dieses großartigen Films, der uns vorlebt, wie normal eine solche Beziehung sein kann, auch wenn die Frau fast 20 Jahre älter ist als ihr Geliebter.
Ashton Kutcher ist auch im wahren Leben mit einer etwas älteren Frau liiert - seit 2005 ist er mit der 12 Jahre älteren Demi Moore verheiratet. Eine geniale Besetzung also.
Seine Partnerin Michelle Pfeiffer allerdings bildet ohne Zweifel den Mittelpunkt und auch das Highlight der "Personal Effects"; was für eine schöne Frau! Gut ausgesehen hat sie ja schon immer, man denke nur an ihren fantastischen Auftritt in "Die fabelhaften Baker Boys". Aber jetzt ist sie wahrhaft schön - ein lebendiges Gesicht voller Erfahrungen, Freude und Schmerz. Darüber hinaus zeigt sie eine ungeheure Bandbreite von Gefühlen, wie sie nur ganz wenige, begnadete Menschen auszudrücken imstande sind.
Diese Traumbesetzung war unter vielen großen Leistungen David Hollanders größte Tat - statt der Versuchung zu erliegen, eine möglichst "jugendlich" wirkende Künstlerin zu engagieren, hat er eine reife Frau gewählt, der man jedes Lebensjahr ansieht, die aber gleichzeitig jünger und lebendiger wirkt als viele, die gerade die Universität verlassen.
Mehr kann kunstvolles Kino nicht bieten. Fotografie und Musik setzen harmonisch und ohne Aufdringlichkeit Akzente. Kamera, Ton- und Bildqualität des im Original 110 Minuten langen Films lassen keine Wünsche offen. Das konventionelle Bildformat von 1,85:1 unterstützt den ruhigen Charakter des Werks. Vor allem aber entführen hervorragend geführte, vorzügliche Schauspieler jeden empfänglichen Zuschauer bereits nach wenigen Minuten in die virtuelle Realität des Geschehens.
Ein großes, tragisches Drama mit viel Menschlichkeit, Sensibilität und Herzlichkeit, aber auch mit einer immer wieder überraschenden, spannenden und ergreifenden Handlung.
film-jury 5* A0718 10.9.2011eg
[1] in Deutsch etwa: "persönliches Eigentum"
[2] weil Taube nichts hören, fällt es ihnen auch sehr schwer, sprechen zu lernen
Michelle Pfeiffer (* 29. April 1958 in Santa Ana, Kalifornien)
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1988 -* A0000 Gefährliche Liebschaften
....... R: Stephen Frears D: Glenn Close, John Malkovich, Michelle Pfeiffer
1989 5* A0358
Die fabelhaften Baker Boys - SZ Cinemathek Traumfrauen....... R: Steve Kloves D: Michelle Pfeiffer, Jeff Bridges, Beau Bridges
2009 5* A0718
Personal Effects [Blu-ray]
....... R: David Hollander D: Michelle Pfeiffer, Ashton Kutcher, Spencer Hudson