Das Buch ist eines der besseren Bücher über den Iran, dennoch verspielt es an zahlreichen Punkten die Chance, ein exakteres Verständnis des heutigen Iran zu gewinnen, was gerade in der gegenwärtigen politischen Lage sehr wichtig wäre.
Blamabel ist beispielsweise die auf den ersten Seiten stereotyp in jedem Gespräch eingeflochtene Aussage "Teheran war eine schöne Stadt - unter dem Shah". Hier wird eine Nostalgie nach dem Shah suggeriert, die ich im Iran nur bei der kleinen Minderheit geteilt wird. Der gefürchtete Geheimdienst des Shah, die Unterdrückung jeglicher Opposition, das Bewußtsein, dass der Shah von seiner Einsetzung über die Beseitigung der demokratischen Regierung Mossadeq mit Hilfe von CIA und britischem Geheimdienst bis zu iranischen Ölpreissenkungen in der Ölkrise der 70erJahre als Marionette des Westens agiert hat, ist den meisten Iranern sehr wohl bewusst. Man lese dazu das viel bessere Buch der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Abadi. Wer nicht versteht, dass der Iran im 20. Jahrhundert einer Einmischung und Demütigung nach der anderen durch den Westen (einschlisslich Rußlands) ausgesetzt war, kann die Politik dieses LAndes nicht verstehen. Keine UN-Resolution verurteilte den Überfall des Irak auf den Iran im 1. Golfkrieg.
seltsam berührt es, dass Jason Elliot Ali Shariati, den intellektuellen Vordenker einer etwas anderen iranischen revolution als der, die dann gekommen ist, als "rätselhaften reisenden Doktor" (S. 25) bezeichnet und sich darüber wundert, dass eine der grosse Starssen in Teheran nach ihm benannt wurde. Schliesslich fehlt jede Aussage darüber, dass die iranische Verfassung freie Wahlen kennt und Elemente von Demokratie und Gewaltenteilung realisiert hat.