Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, Platten erst endgültig zu beurteilen, nach dem sie sich einige Monate in meinem Besitz befinden, denn zu oft gingen mir Songs, die sofort im Ohr blieben, bereits nach drei Tagen auf den Sack und auf die anfängliche Euphorie folgte schnell die totale Ernüchterung.
Nicht so bei dieser Scheibe! Wenn es ein Album schafft mich nach wie vor aus dem Sitz zu reißen und mein Wohnzimmer in einen Moshpit zu verwandeln, dann "Perseverance". Jedes Stück ein Burner, jeder Text eine Hymne, die Drums treten zielgenau in den Allerwertesten, die Gitarrenwände ziehen dir einen neuen Scheitel und die Produktion von Zeuss sollte das Maß aller Dinge im Hardcore/Metalbereich sein. Über all dem thront Jamey Jastas unvergleichliches Shouting (wer hier meint dies sei nur stumpfes Gebrüll, sollte mal versuchen ein Stück nachzusingen; viel Spaß dabei!) und macht diese Scheibe endgültig zu einem Meilenstein, der in jede halbwegs ernst zu nehmende Hartwurstsammlung gehört.
Es gibt Leute, die Abwechslung mit irgendwelchen massenkompatiblen Ballädchen, oder doch mindestens einer Coverversion gleichsetzen, und es gibt Menschen, die einer Band, sobald sie mehr als zehn Tonträger absetzt, nichts mehr abgewinnen können, weil ja der ach so coole Independentstatus weg ist.
Wer sich die "Mühe" macht, die Platte wirklich mehrmals durchzuhören, wird schnell feststellen, wie clever und durchdacht viele Songs arrangiert sind (kleiner Tip an die Zeitgenossen, die "St. Anger" für einen großen Wurf halten), auch wenn sie nicht irgendwelche Posersoli oder Frickelorgien enthalten. Hier wird ganz auf die Durchschlagskraft von Rhytmus und Melodie gesetzt und mit offenem Visier ohne Umwege nach vorn geprügelt und genau das erwarte ich verdammt noch mal von harter Musik. Den anderen sei gesagt, dass es mir persönlich herzlich wenig bringt, ein schlecht produziertes Demo in der heimischen Anlage durchklirren zu lassen, weils ja ach so cool ist, dass nur ich und drei andere die Truppe da kennen. Es ist sowieso ein Unding und zeugt von der Fachkunde in unserer Musiklandschaft, dass "Perseverance" noch nicht einmal einen deutschen Vertrieb hat.
Also vergesst den unsäglichen Nu-Metal-Abfall, mit dem man euch die letzten Jahre gequält hat, vergesst die Enttäuschung über die Helden von einst, die sich entweder aufgelöst (Pantera), oder verkauft (Metallica) haben, vergesst die gehypten Weichspülercombos (Linkin Park) und holt euch das Teil! Anspieltipps? "Perseverance" und "I will be heard" und "A call for blood" und "Healing to suffer again" und "Final prayer" und "Hollow ground" und "You`re never alone" und...