In ihrem Buch "Persepolis" hat Marjane Satrapi ihre Kindheit zur Zeit der islamischen Revolution im Iran nachgezeichnet und damit ein Meisterwerk geschaffen. Der Comic ist nicht nur anrührend und teils umwerfend komisch, zugleich erzählt er eine verstörende, hoch spannende und herzzereißende Geschichte.
Bereits der minimalistische Zeichenstil begeistert. Die Autorin bringt die Emotionen der Figuren mit wenigen Strichen so prägnant aufs Papier, das man sofort mitfühlt und in die Geschichte hineingezogen wird. Bild für Bild bringt sie die Sache auf den Punkt: bereits das zweite Bild im Comic zeigt vier identisch aussehende Mädchen mit strengem schwarzen Kopftuch. Dazu der Text "Und das ist ein Klassenfoto. Ich sitze am linken Rand, darum sieht man mich nicht. Von links nach rechts: Gounaz, Mashid, Narine, Minna". Dieser Ton, humorvoll, von entwaffnender Klarheit und weder bitter noch nachtragend, trägt sich durch das ganze Buch.
"Ich erzähle", so Satrapi, "die große Geschichte anhand der kleinen Gechichte." Dazu greift sie alltägliche Situationen heraus, die ein vielsagendes Licht auf die Ereignisse werfen. Dadurch bekommt jede Anekdote vielschichtige Perspektiven. Neben den teilweise schrecklichen Vorgängen (Revolution, Krieg, Folter) an sich, erleben wir die Sorgen der Eltern und rührende kindliche Phantasien. So möchte das Mädchen Prophetin werden, "weil das Dienstmädchen nicht mit uns am Tisch ass, weil Vater einen Cadillac fuhr...und vor allem, weil Grossmutter immer Schmerzen im Knie hatte."
Neben der Schilderung alltäglichen Lebens begegnet man auch echten Helden. "Ich will auch nicht, dass jene Iranerinnen und Iraner vergessen werden, die für die Freiheit gekämpft haben und im Gefängnis gestorben sind, die ihr Leben im Krieg gegen den Irak verloren und unter den verschiedenen repressiven Systemen gelitten haben oder gezwungen waren zu fliehen. Man kann vergeben, aber man soll niemals vergessen."
Ein toller Comic! Das beste, was ich seit langem gelesen habe.