Als ehemaliger "Schrauber" fand ich mich durch den Perscheidtitel mehr als angesprochen. Ich schätzte Perscheids Humor sehr und erfreue mich regelmässig an seinen Einbildgeschichten, die unserer mittelbayrischprovinziellen Tageszeitung etwas an Leben einhaucht. Perscheid war mir bis dato durch seine geschlechtspezifischen Cartoons bekannt, in denen er sehr sensibel und feinsinnig die jeweiligen Charaktereigenschaften cartoonesk auf den Punkt brachte. Ich wusste nicht, daß er auch Fachliteratur herausgibt.
Das 2008 erschienene Büchlein ist aus technischer Sicht betrachtet zunächst erstmal Murks. Der fürs Layout verantwortliche Mensch hat sich als Gag ein mit zwei Schrauben verschraubtes Büchlein einfallen lassen. Das mag der Stimmigkeit des Gesammtkunstwerks zwar zuträglich sein, allerdings kann das den Zugang zum Künstler und seinem Werk dann doch ganz erheblich erschweren. Bei mir geschah das durch einen Grat an einem der Gewindegänge der beiden Schrauben, die sich so nicht lösen wollte. Meine anfängliche Euphorie über das erwartete Stück Weltliteratur begann zu schwinden. Es brauchte meine ganze Schrauberroutine, um mit geeignetem Werkzeug aus der Koch- und Keramikabteilung das Buch zu "entschlüsseln" und die festgefressene Schraube zu öffnen.
Das Büchlein selbst ist in tristem Schraubergrauschwarz gehalten und lässt schon vom Einbandlayout tiefenpsychologisch abgründig blicken. Mit "Alles zusammengebaut und eine Mutter bleibt übrig", bearbeitet der Autor schon coverseitig seine Schraubererfahrungen. Im Buch greift Perscheid die szenetypischen Schubladen auf um seine Cartoonsammlung zu kapitelisieren. Vor allem die Chopperfahrer und die Racer bekommen ihr Fett weg. Aber auch die Polizei, bzw. die Motorradpolizisten im Besonderen, scheint ein von Perscheid gern genommener Strahl für seine Geschichten zu sein. Dem Autor hier eine Abneigung gegen unsere Gesetzershüter zu unterstellen, würde aber dann doch zu weit gehen. Letztendlich haut mich das von Perscheid cartoonisierte aber nicht vom Hocker. Was vermutlich auch an den vom Autor bevorzugten Motorradmarken liegen mag. Gut gefallen haben mir hingegen die griffigen Text-Ausführungen des Autors. Allerdings ist das bei Perscheid eben nur die halbe Miete und entspricht so einer "Blindvertonung".
Die eimerbewaffnete, putzende Frau auf dem Space Shuttle als "erste Frau im All" zu bezeichnen, hat mich als Schrauber und Motorradmacho damals eher angesprochen. Aber auch das ist Geschmacksache. Meine Perscheidfavoriten bleiben:
Nun, das will ich mal gelten lassen: Abgründige Cartoons und
Männer am Abgrund: Abgründige Cartoons .
Mein Fazit: Unterhaltsam gut mit haarsträubenden Mängeln in der Verarbeitung. Motorradfahrergruß Herr Perscheid.