Stewart und Joines legen mit diesem Buch ein weiteres grandioses Werk vor! Bekannt sind sie bereits spätestens durch das Buch: 'Die Transaktionsanalyse', das bis heute zu den absoluten Standardwerken für jeden gehört, der sich tiefer gehend mit dem Thema Transaktionsanalyse beschäftigt, allein die deutsche Übersetzung war in weiten Teilen lausig.
Schon bei diesem vorgenanten Buch gelang es den beiden Autoren den komplexen Gesamtzusammenhang der Transaktionsanalyse absolut umfassend und verständlich zu vermitteln, das nun vorliegende Werk 'Persönlichkeitsstile' ist wiederum ein kongenialer Wurf. Dieses Buch ist ein praktischer Leitfaden, um Persönlichkeiten zu verstehen. Vornehmlich für Psychotherapeuten und Berater geschrieben haben, ist es tatsächlich auch für Laien interessant, die etwas über Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsgestaltung erfahren wollen
Dies gilt nicht nur in Bezug auf eine verständliche Sprache sondern auch für den Aufbau des Buches.
Im Mittelpunkt steht das Modell der Persönlichkeitsstile, die anhand von sechs Typen vorgestellt werden. Die sechs Typen, die sich auch in der zugrunde liegenden DSM-IV-TR-Klassifikation finden, werden im Detail beschrieben, genauso wie die Grundlagen, wie jeder Typ entsteht. Im Vergleich zur ICD-10, die eine ähnliche Beschreibung dieser sonst als Persönlichkeitsstörungen benannten Phänomene aufzeigt, ist die ursprünglich aus den USA stammende DSM-Klassifikation weniger kompromissbehaftet und eindeutiger, da es überwiegend im psychotherapeutischen Bereich genutzt wird, und weniger unter allgemeinmedizinischen und weltumspannenden Gesichtspunkten verfasst wurde wie die ICD-10.
Die Autoren beschreiben, wie der Persönlichkeitsstil einer Person erfasst werden kann, indem bestimmte Verhaltensmuster beobachtet werden in Bezug auf das in der Transaktionsanalyse beschriebene Antreiberverhalten als Grundmodell.
Es gelingt den Autoren dabei sehr nachvollziehbar aufzuzeigen:
- die typische Art und Weise, wie eine Person Kontakt mit anderen aufnimmt
- wie sie Probleme löst - proaktiv oder reaktiv
- den Kommunikationsstil, auf den die Person wahrscheinlich anspricht (fordernd, fragend, fürsorglich, spielerisch)
- die bevorzugte Form der Kontaktaufnahme (Denken, Fühlen, Verhalten) und wie Sie von einem Gebiet zum anderen wechseln können, um den Rapport aufrechtzuhalten und optimale Ergebnisse in der Therapie zu erreichen
- die typischen "Lebensmuster", die sich bei dieser Person zeigen werden, sowohl kurz- als auch langfristig
- die Hauptthemen, die voraussichtlich für die Person auftauchen werden, wenn sie sich verändert bzw. verändern will
- die Art und Weise, wie Sie sehr effektiv mit Menschen arbeiten können, damit diese die Veränderungen erreichen, die sie sich wünschen.
Auch wenn der transaktionsanalytische Grundansatz (TA) überall erkennbar ist, setzt das vorgestellte Modell keinen speziellen psychotherapeutischen Ansatz zwingend voraus! Damit können tatsächlich auch Vertreter anderer Beratungsansätze dieses Modell nutzen und von diesem Buch profitieren. Das ist eine seltene Kunst und zeugt von respektabler Bescheidenheit der Autoren, die eigene therapeutische Disziplin nicht zum Maß der Dinge zu machen! Wobei die Autoren die Grundlagen der Transaktionsanalyse in den Anfangskapiteln als Basis des Modells eingehend beschreiben. Auch wer Neuling in der TA unterwegs ist, wird von den Autoren 'abgeholt'.
In meiner persönlichen Erfahrung als Supervisor, Coach und Berater gehören die Persönlichkeitsstörungen zu den meist unterschätzten Grundkonstitutionen in Beratungskontexten. Bisherige Ausbildungen in diesen Bereichen beschäftigen sich entweder überhaupt nicht oder nur peripher mit den Persönlichkeitsstörungen, die quantitativ in der Summe aber einen erheblichen Anteil in der Gesamtbevölkerung ausmachen. Rainer Sachse und Peter Fiedler gehören meines Erachtens nach zu den Autoren, die hier die weitestgehende Aufklärungsarbeit für Menschen im Beratungskontext geleistet haben. Doch bei allen Büchern in diesem Bereich bleibt für den interessierten Berater das Problem, wie es nach der Identifizierung einer Persönlichkeitsstörung weitergehen kann. Die Phänomenologie ist das eine, die Therapie oder weitere Handlungsansätze sind etwas anderes. Hier bleiben bisherige Veröffentlichungen in meiner Wahrnehmung erstaunlich wenig hilfreich. Und es gibt reichlich Literatur, die sich phänomenlogisch den Persönlichkeitsstörungen widmen, aber erstaunlich wenig Bücher, die Wege aufzeichnen, mit diesen Störungen hilfreich zu arbeiten!
Hier ist es allein schon ein Titel der wohl tut! Die Autoren schreiben nicht von Störungen im Titel, sie reden von Stilen. Diese vorsichtige Form des Umgangs mit dem Thema wird durchgehalten. Es geht nicht um die Beschreibungen von Krankheiten und Störungen, sondern um Prägungen, deren Ursprung und den Umgang damit.
Letztlich ist dieses Buch so umfassend, so im positiven Sinne erschlagend, dass ich es persönlich als eine 'Bibel' beschreibe, ein Buch aus dem ich immer wieder schöpfen kann und immer wieder neu erstaunt, die Tiefe, die Weite wahrnehme, die die Autoren dem Leser anbieten. So ist allein eine kurze Übersicht des Inhalts nicht kurz möglich:
Einführung in die sechs Persönlichkeitsstile
Der Ursprung des Modells
Die sechs Persönlichkeitsstile
Typische Merkmale der sechs Persönlichkeitsstile
Die Evaluierungs-Matrix
Kurzporträts der sechs Persönlichkeitsstile
Wo finden sich die sechs Persönlichkeitsstile in der Matrix?
Die Persönlichkeitsstile identifizieren
Was hat das Modell mit der Wirklichkeit zu tun?
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