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Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und seine Wirkung. Ullstein Materialien TB Nr. 35094. Sauberes Exemplar. - 123 S. (pages)
  
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Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und seine Wirkung. Ullstein Materialien TB Nr. 35094. Sauberes Exemplar. - 123 S. (pages) [Taschenbuch]

Erich Fromm
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  • Taschenbuch
  • Verlag: Ullstein,Frankfurt /M.- Berlin - Wien 1981.; Auflage: Kunst & Architektur (1981)
  • ASIN: B002HQX2BO
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Von M. Thomas TOP 1000 REZENSENT
Zwei Menschen inspirierten Erich Fromms wissenschaftliches Denken: Sigmund Freud und Karl Marx. Es erstaunt deshalb nicht, dass seine Werke stark von den Ideen der beiden Vordenker geprägt wurden. Gleichwohl entwickelte sich Fromm nicht zum Epigonen, der Vorgedachtes stumpf nachplapperte, sondern er bewahrte sich zeitlebens eine kritische Einstellung und suchte nach Schwachstellen, die es zu verbessern galt. Diese kritische Einstellung Fromms, gepaart mit seinem Optimismus und Humanismus, erinnert an Raimund Popper.

Über Sigmund Freud veröffentliche Fromm gleich zwei Biographien: 1959 das Werk ,Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und seine Wirkung' und zwanzig Jahre später das Buch ,Sigmunds Freuds Psychoanalyse - Größe und Grenzen'. In dem vorliegenden Werk konzentriert sich Fromm - wie der Titel schon andeutet - auf die Person Freud und seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Auseinandersetzung mit Freuds psychoanalytischer Methode war der zweiten Biographie vorbehalten.

Obwohl Erich Fromm den Schöpfer der Psychoanalyse nie persönlich kennenlernte, gelang ihm auf Basis der Werke Freuds sowie der kurz zuvor veröffentlichten Korrespondenz Freunds und aufgrund seiner jahrelangen psychoanalytischen Praxis eine sehr charakteristische Zeichnung. Verunglimpfung und Vergötterung versucht er nach eigenen Worten bewusst zu vermeiden. Den Schlüssel zur Psychoanalyse glaubt Fromm in Freuds Persönlichkeit zu entdecken.

In seiner Einleitung betont Fromm die Leistungen und Errungenschaften der Psychoanalyse und lobt Freuds intellektuelle Begabung und Vitalität: "Die auffallendste und wahrscheinlich stärkste emotionale Kraft in Freud war seine Leidenschaft für Wahrheit und sein kompromissloser Glaube an die Vernunft. Für ihn war die Vernunft die einzige menschliche Fähigkeit, die dazu beitragen kann, das Problem der Existenz zu lösen oder zumindest das dem menschlichen Leben innewohnende Leid zu lindern ... Um es zu vervollständigen (Freuds Bild), müssen wir gleichzeitig eine seiner hervorragendsten Qualitäten erwähnen: seinen Mut".

Sigmund Freud war das Lieblingskind seiner Mutter und verehrte sie bis zu ihrem Tod. Von einer "außergewöhnlich intensiven Mutterbindung" spricht Erich Fromm, die "Freud nicht nur vor anderen verborgen (hatte), sondern allem Anschein nach auch vor sich selbst". Die intensive Bindung stärkte einerseits das Selbstvertrauen des Sohns, führte aber andererseits zu einer permanenten Abhängigkeit: "Fehlte es ihm an Liebe und Bewunderung, so stellten sich Ängste und Depressionen ein."

Das Weltbild Freuds wurde vom Bürgertum des 19. Jahrhunderts geprägt. Zwar rebellierte er ebenso gegen die überkommene Sexualmoral wie gegen bestehende Autoritäten, Fromm bezeichnet ihn aber keinesfalls als Revolutionär, da er sich nicht gegen das autoritäre System als solches auflehnte.

An der klassischen Rollenverteilung der Geschlechter und der Unterordnung der Frau unter den überlegenen Mann nahm Freud keinen Anstoß. Die Frau wird zum Eroberungsobjekt des Mannes. Freud war kein sehr liebevoller Ehemann. Fromm schreibt: "Suchen wir aber nach noch persönlicheren Elementen in Freuds Charakter, die seine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit erklären können, so stoßen wir auf ein negatives Element in seinem Charakter: seinen Mangel an emotionaler Wärme und menschlicher Nähe, an Liebe und darüber hinaus an Lebensfreude ... Er hat die Liebe zum Objekt der Wissenschaft gemacht, aber in seinem Leben blieb sie trocken und leblos. Seine wissenschaftlichen und intellektuellen Interessen waren mächtiger als sein Eros. Sie haben den Eros erdrückt und sind Freud zum Ersatz für die Erfahrung von Liebe geworden."

Die mütterliche Rolle übertrug Freud auf seine Freunde und Anhänger. Die psychoanalytische Bewegung wurde mit zunehmender Dauer zu einem eingeschworenen Kreis, einem dogmatischen Zirkel, einer "quasi religiösen Bewegung", deren Veröffentlichungen einer Zensur unterlagen. Sobald die Freunde ihm jedoch die absolute Treue versagten, brach er die Freundschaft ab: "Freud, der Kritik nie sehr freundlich aufnahm, konnte diese Art Einwand am wenigsten von einem Freund akzeptieren."

Neben Freuds autoritärer Haltung und seinem Fanatismus missfällt Erich Fromm, die Verdrängung des eigenen Ehrgeizes und des "messianischen Erlösungsideals". Es klingt kurios, aber glauben wir Fromms Analyse, dann wendete Freud die von ihm entwickelte Theorie nicht an sich selbst an.

Den Unterschied zwischen Sigmund Freud und Karl Marx beschreibt Erich Fromm folgendermaßen: "Die Freudianer sahen das Unbewusste des einzelnen, waren aber blind gegenüber dem Unbewussten der Gesellschaft; umgekehrt durchschauten die orthodoxen Marxisten die unbewussten Faktoren im gesellschaftlichen Verhalten, waren aber erstaunlich blind in der Beurteilung der im einzelnen wirkenden Motive".

Zusammenfassend stellt Fromm fest: "Freud war kein Mensch, der liebte. Er war egozentrisch, von der Idee seiner Mission besessen und darauf aus, dass andere ihm folgten, ihm dienten, ihm Unabhängigkeit und intellektuelle Freiheit opferten. Die Welt war für ihn eine Bühne, auf der das Drama der psychoanalytischen Bewegung und seiner Mission spielten ... Er lebte das Leben in steter Angst, das zu verlieren, was ihn freute ... Freud war ein einsamer Mensch. Sobald ihn seine Entdeckungen und seine quasi-politischen Ziele nicht vollauf in Anspruch nahmen, war er unglücklich."
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