Im hart umkämpften Markt der Stellensuch-, Bewerbungs- und Jobwechslerratgeber ist es ziemlich schwierig, sich mit einem eigenständigen Ansatz positionieren zu können. Eine Möglichkeit wäre, von der These auszugehen, dass unsere Verhaltensmuster zum größten Teil vom Unbewussten gesteuert werden und wir daher kaum auf gute Ratschläge und einleuchtende Appelle reagieren. Diplompsychologe Hans-Georg Willmann hat sich für das klassische Vorgehen entschieden, seinen Lesern 10 Merksätze auf den Weg zum neuen Job mitzugeben und die Gültigkeit dieser Sätze ausführlich zu begründen. Zahlreiche Beispiele aus der eigenen Praxis verhindern, dass die Beweisführungen nicht langweilig werden. Wenig spannend fand ich nur die Eigenbeschreibung seines eigenen Leistungsausweises am Schluss des Buches.
Der Autor sieht sein Buch als "Verbindungsglied zwischen den Ratgebern zur inhaltlich beruflichen Neuorientierung und den vielen Bewerbungsbüchern mit Tipps zum Anschreiben, zum Vorstellungsgespräch und zu anderen Einzelaspekten einer Bewerbung." Diese Einschätzung kann ich zwar teilen, finde aber nicht, dass solche Doppelfunktionen sehr sinnvoll sind. Denn durch die Seitenzahl eingeschränkt, leidet entweder der eine oder der andere Teil unter erzwungenen Verkürzungen. Und da ich der Meinung bin, dass ernsthaft Suchende auch gewillt sind, etwas für den Erfolg zu investieren, bin ich ein Anhänger themenspezifischer Ratgeber. Es wäre zu schade, wenn man die Richtung gefunden hat und den Zieldurchlauf wegen einer Durchschnittsbewerbung verpasst. Oder anders gesagt, ich schätze es, wenn Autoren solcher Gesamtwerke ihre Leser ausführlich über hilfreiche Zusatzinstrumente orientieren. Doch dazu bräuchte es mehr als eine Literaturliste mit sechs Titeln und sieben Links.
Nicht ganz zufällig ist der Titel des ersten Kapitels gleich eine Aufforderung. "Machen Sie es sich leicht, einen neuen Job zu finden." Obwohl es dem Leser gefallen mag, wenn der Aufstieg zum Gipfel als leicht begehbar beschrieben wird, finde ich den Inhalt dieser Botschaft problematisch. Denn seine Lebensvorstellungen auf den Punkt zu bringen, die biografischen Problemzonen einzukreisen, Misserfolge zu analysieren, den offenen und verdeckten Arbeitsmarkt zu erkunden, eigenen Stärken zu verkaufen und herausragende Bewerbungsunterlagen zu erstellen ist harte Arbeit. Und die wird auch nicht leichter, indem ich immer wieder höre, was ich tun oder lassen soll. Ein Jobwechsel im Erwachsenenalter ist zudem etwas völlig anderes als während der Studienzeit von Job zu Job zu hopsen, um Finanzierungslücken zu füllen.
Wenn der Autor seine Leser dazu ermuntert, die Hilfen eines Headhunters oder Coaches in Anspruch zu nehmen, finde ich das im Sinne von Eigenwerbung durchaus legitim. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Hans-Georg Willmann dann ein anderes Vorgehen wählt als das im Buch beschriebene. Aber nach allem, was ich in über zwanzig Jahren zum Thema Selbstmanagement und Stellensuche erfahren habe, glaube ich nicht, dass die Lektüre solcher Gebrauchsanweisungen den erhofften Erfolg bringt. Auch wenn die Formulierungen verständlich, die Ordnung übersichtlich, die Merksätze nachvollziehbar und die Beispiele einleuchtend sind.
Mein Fazit: Nach dem klassischen Ansatz der meisten Ratgeberbücher zeigt der Autor auf, was man zur Zielerreichung machen sollte und welche Instrumente am nützlichsten sind. Wer allerdings dem Untertitel allzu viel Vertrauen schenkt, wird bald merken, dass es nicht ganz so einfach ist, wie ihm versprochen wurde.