Seit über 40 Jahren erscheint wöchentlich ein neuer Roman des kosmopoliten Weltraumhelden Perry Rhodan, der Abenteuer durchlebt und Galaxien erforscht hat, von denen
Star Trek und
Star Wars nur träumen können. Vermutlich ein Grund, warum sich die Fans der genannten Science-Fiction-Phänomene nur wenig mit den Abenteuern des Groschenroman-Helden anfreunden können.
Bereits 1967, also nur ein Jahr nachdem das Raumschiff Enterprise über amerikanische Bildschirme flog, war es dann auch für die Mannschaft um Captain Rhodan Zeit, sich dem cineastischen Publikum vorzustellen. Mit Geldern aus Deutschland, Italien und Spanien wurde das nötige Budget zusammengekratzt, um die Pappmaché-Welt des Weltraumhelden auferstehen zu lassen, was (natürlich) in einem grandiosen Fiasko endete. Denn wo die Romanserie vor politischen und philosophischen Statements nur so strotzt, stolpert der Film durch einen losen Handlungsfaden aus Korruption, Spionage und einer gehörigen Portion Sex! Doch obwohl die miese Qualität des Streifens nicht schöngeredet werden kann, hat man selten derart engagierte Schauspieler gesehen, die mit Hingabe auch noch die aberwitzigsten Dialoge mit stolz geschwellter Brust vortragen.
Von ungleich besserer Qualität ist da der Soundtrack, der Beat-Musik im klassischen Sinn bietet. Die Komponisten Marcello Giombini (Antropophagus) Antón Garcia Abril (Die Nacht der reitenden Leichen) und Erwin Halletz (Das Stundenhotel Von St. Pauli) haben gar nicht erst versucht, dem Film mittels pompösem Score einen Anstrich zu verleihen, dem dieser nicht gerecht wird. Perry Rhodan - SOS aus dem dem Weltall ist mit einfacher Besetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel -- gelegentlich ein paar Bläser) entstanden und klingt überhaupt nicht nach Science Fiction -- im Gegenteil: Diese Musik könnte jedem x-beliebigen Agenten-Thriller, der zwischen 1960 und 1970 entstanden ist, untergeschoben werden, ohne dabei unangenehm aufzufallen. Verbunden werden die schmissigen Tanzboden-Kracher durch kurze Dialoge aus dem Film, die in bester Prollo-Manier auch den letzten Funken Anspruch gekonnt zerstören ("Ich habe meine letzte Zigarette vor unserem Start zum Mond geraucht -- mir pfeift der Ast!").
Als Bonbon zum regulären Soundtrack findet man Songs, die sich mal mehr, mal weniger mit Rhodan beschäftigen, allesamt aber den Weltraum zum Thema haben. Da wäre zunächst das von Sammlern gesuchte Schlager-Kleinod "Count Down/Omicron 3" ("von Männern verehrt, von Frauen begehrt, aber von keinem beneidet"), das sich auch ohne Filmzugehörigkeit mit dem Rhodan'schen Kosmos beschäftigt. Nicht weniger selten ist "Lonely In Time" für einen nie fertig gestellten Rhodan-Film, der Mitte der 60er-Jahre von einem deutschen Fan in Angriff genommen wurde. Für die offizielle Perry Rhodan Weltcon 2000 beauftragte der Moewig-Verlag unser aller Peter Thomas, ein Thema zu komponieren, das ebenfalls vorliegt und Dr. Unermüdlich einmal von einer ungewohnt modernen Seite zeigt. Mit einer Hommage an das Titelstück des einzigen Weltraum-Bond Moonraker beschließt das Sternstaub Ensemble würdig das rundum kurzweilige Album Perry Rhodan - SOS aus dem dem Weltall, das keine Easy-Listening-Wünsche unerfüllt lässt. --Daniel Hofmann