Mit Band 16 endet die so genannte 2. Staffel von Perry Rhodan NEO. Und wie es sich für einen Abschlussband gehört, werden viele Fäden miteinander verknüpft, auch solche, bei denen ich mich, als ich vor dem Lesen den "aktuellen Stand" Revue passieren ließ, fragte: "Wie wollen die denn DAS wieder einfangen?"
Nun, sie haben "es getan". Band 16 könnte auch den Alternativtitel "Action unter fremder Sonne" tragen, denn Christian Montillon hetzt den Leser schon fast atemlos von einer handlungsbetonten Szene zur nächsten.
Ob die Auseinandersetzungen auf der Erde, die immer noch von den Fantan geplündert wird (hier hat der überlebende Goratschin-Bruder eine "zündende" Idee), die Knopfdruck-Piraten in der Unterwasser-Basis bei den Azoren (beim "Sesam, öffne Dich" des alten Arkoniden-Raumers gilt alles andere als das Prinzip "eine ruhige Kugel schieben"), die Guerilla-Truppe um Tako Kakuta und Darja Morosowa auf Pigell (hier spielt man erst "Fang' die Echs'", dann "Catch me if you can"), oder bei Perry Rhodan himself, der nach diesem Roman den Spitznamen Poker-Perry bekommen könnte: Es geht unglaublich was ab!
Ich persönlich wurde an die Choreographie der jüngeren Star Wars-Filme erinnert, bei denen an verschiedenen Schauplätzen gerannt, gekämpft, geflogen und geplaudert wird, und immer im spannendsten Moment wurde umgeblendet. Das kostet einerseits Nerven, macht andererseits enormen Spaß!
Kommen wir zum "aber", das es auch hier gibt:
Im vorherigen Band 15 haben wir noch einige Seiten lang etwas darüber erfahren, wie es Reginald Bull, Sid, Sue und Konsorten (inklusive Gucky) an Bord des Fantan-Schiffes geht, das sie (ähem!) zur Mitreise motiviert hat. Im aktuellen Band
-' Spoileralarm ein '-
lesen wir nichts von dieser Truppe, bis es zum ultimativen Showdown an Bord des topsidischen Flaggschiffes kommt. Und DA treten dann die Mutanten auf wie Kai aus der Kiste und retten den Tag.
'- Spoileralarm aus '-.
Toll geschrieben, Überraschung gelungen. Und nach Logik fragt dann schon keiner mehr. Oder?
160 Seiten Taschenheft sind mehr als 64 Seiten Romanheft, und zwar, so rechnen die Autoren vor, etwa 1,5 mal so viel Text. Für all die hier beschriebenen Wendungen, Erkenntnisse und Ereignisse wiederum sind 160 Seiten sehr wenig. Ich hätte mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, auch wenn dieser auf Kosten des Tempos gegangen wäre.
Ich muss noch mal spoilern:
Dass man beim Start der TOSOMA so rabiat vorgeht (Sachzwänge??? Das kennen wir doch aus anderem, leidvollen Kontext), dass ein Tsunami entsteht und Menschenleben verloren gehen, finde ich bei aller "Action" unfassbar! Und dass dies nicht zu massiven Reaktionen durch betroffene Staaten (Portugal, EU) oder Großmächte bzw. supranationale Organisationen wie die UNO führt, glaube ich nicht.
Besonders kritisch sehe ich allerdings das Gesamttempo der bisherigen Reihe: Seit der Landung der STARDUST auf dem Mond sind gerade mal zwei Monate vergangen. Die politische und gesellschaftliche Landkarte der Erde ist (logo!) unverändert. Trotzdem kommt es nicht zum 3. Weltkrieg, während die Fantan nach Gutdünken auf der Erde unterwegs sind (ist NORAD bis 2036 wegrationalisiert worden oder macht man dort gerade einen längeren Betriebsausflug?), die Freaks und Spinner in der Wüste Gobi werden in Ruhe gelassen, keine Geheimdienste unterwandern Rhodans Team, um an das Know-how der Arkoniden zu gelangen. Ziemlich unglaubwürdig!
Junge Erwachsene ohne einschlägige Vorerfahrung (Tifflor, Harnahan, Orsons) sind imstande, ein außerirdisches Flugobjekt ebenso leicht zum Titan und zurück zur Sonne zu steuern, wie unsereins einen Autoscooter auf dem Rummelplatz, eine irdische Besatzung (woher rekrutiert? Wodurch qualifiziert?)
-' Dritter und letzter Spoiler '-
übernimmt binnen weniger Stunden einen 800-Meter-Raumer, lenkt diesen erst nach Terrania, dann zur Wega und übersteht sogar eine Raumschlacht.
-' Spoiler 3 Ende '-
Aha. So sieht das also aus, wenn RICHTIG smarte Computersysteme in solchen Flugkörpern verbaut werden. Man sagt denen einfach, wo's langgehen soll, der Rest geht wie von selbst...
Es ist toll, dass Außerirdische wie die echsenartigen Topsider hier nicht als Kanonenfutter für edle Menschen dienen, sondern vielschichtig beschrieben werden. Mir gefällt, dass Perry Rhodan nicht daher kommt, wie eine Mischung aus Chuck Norris und Gary Kasparov. Er hat seinen Part, denkt vor, lenkt, führt... aber kämpft nicht an vorderster Front, übersteht nicht wie durch ein Wunder ein Gefecht mit -zig Impulsblastern, muss auch mal den Kopf einziehen, wenn's um ihn herum kracht. Das alles ist viel besser als bei der Vorlage aus den 1960erjahren.
Dennoch: die Autoren haben ein gewaltiges Stück Arbeit vor sich, um die vielen ungelösten Fragen zu beantworten, ohne dass uns Lesern dabei allzu starker Tobak serviert wird. Ob das gelingen kann, wenn man weiß, dass der Folgeband "Der Administrator" heißen wird und es darum gehen soll, einen terranischen "Häuptling" zu wählen? Ich habe da noch meine Zweifel. Immerhin: Unterhalten habe ich mich bisher blendend.
Mein Wunsch zum Schluss: Schluss mit diesen 8-Band-Staffeln. So ein enges Korsett hat dieser insgesamt ideenreiche und charmante "Reboot" nicht länger verdient. Er scheint ja sogar Geld ins Haus (des Verlags) zu bringen...