Toter Transvestit auf der Müllkippe, Sadismus auf dem Schrottplatz, Porno-Machenschaften in Großbürgervillen, blutrünstige Verfolgungsjadgen, das Ganze gespickt mit ordinärer Sprache und ein paar schalen Gags: Das ist "Perrak", auch bekannt als "Inspektor Perrak greift ein". Was die einen grottig finden, werden die anderen - und dazu zähle ich mich - als "Trash-Perle" genießen. Wer jedenfalls St. Pauli-Filmen wie "Großalarm für die Davidswache" oder "Zinksärge für die Goldjungen" etwas abgewinnen kann, wird auch an dieser gewalttätigen Räuberpistole aus dem Hamburg der beginnenden 70er Jahre seine Freude haben. Der Nachdruck eines Promo-Heftchens, das der DVD beiliegt (und damit das einzige Extra bildet), bezeichnet den Film selbst als "pulvertrockenen Sittenreißer". Im Mittelpunkt steht Perrak (Horst Tappert), ein ruppiger und desillusionierter Kriminalbeamter und alleinerziehender Vater. Der Tod eines Transvestiten führt ihn nicht nur ins dreckige "Miljö", sondern auch in die sogenannte feine Gesellschaft Hamburgs.
Exquisit ist allerdings die Besetzung - vor wie hinter der Kamera. Neben Tappert spielen Größen wie Werner Peters ("Der Untertan"), Erika Pluhar, Judy Winter sowie "Tatort"-Pionier Walter Richter als Penner. Mit Wolf Roth und Jochen Busse sind auch zwei Jung-Schauspieler dabei, deren Karriere 1970 noch am Anfang stand. Die Musik steuerte Rolf Kühn bei, Regie führte Edgar-Wallace-Experte Alfred Vohrer.
Letzterer war später Spezialist für TV-Krimis, u.a. für "Derrick". Dort zeichnete er am Anfang für die eher actionorientierten Folgen verantwortlich, darunter "Tote Vögel singen nicht" und "Schock", zwei lupenreine Reißer von 1976, die innerhalb des ZDF für eine Diskussion um Gewaltdarstellung in Krimis sorgten. In diesen beiden Episoden gibt es durchaus einige Parallelen zu "Perrak", etwa mit Blick auf die Brutalität, die Millieuschilderung und das Auftreten Tapperts als Ermittler, der ordentlich unter Dampf steht und Verdächtigen schon mal an den Kragen geht. Wenn es eine Brücke zwischen Perrak und Derrick gibt, dann an dieser Stelle.