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Perpetuum. Anthologie Comicszene Österreich
 
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Perpetuum. Anthologie Comicszene Österreich [Broschiert]

Hannes Schaidreiter
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 344 Seiten
  • Verlag: Luftschacht; Auflage: 1., Aufl. (3. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3902373326
  • ISBN-13: 978-3902373328
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 16,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.903.030 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Es gibt Zeiten, da geht der Alltag mit einem durch – man verliest sich, hört etwas Falsches, stößt auf einen unleidlichen Mitmenschen, und schon hat man Mordgedanken. Andererseits kann es vorkommen, dass man sich in einer Wildwestfantasie verliert. Oder man führt Zwiegespräche mit einem Granitblock, auf dem man sich ausruht. Manchmal träumt man bloß unbrauchbares Zeug. Und manchmal passiert rein gar nichts. Alles ist möglich, denn wir sind im Reich der Comics. In Perpetuum erscheinen einschlägige Künstler der österreichischen Szene in einem so kompakten wie gewichtigen Sammelband. (…) Die Zeichen sind in Bewegung, das Komische lebt in allen möglichen Verkleidungen." (Der Standard) "[..]so jedoch bekommt man hier jede Menge/value for the money. Das Buch wird von der Lust am Zeigen getragen, und der Enthusiasmus und die Vitalität die hinter diesen Comics stehen gehen auch auf den Leser über." (The Gap)

Kurzbeschreibung

Perpetuum ist die erste umfassende Anthologie der gegenwärtigen Comic-Szene in Österreich. 14 KünstlerInnen sind hier mit einer repräsentativen Auswahl ihrer Arbeiten auf rund 350 Buchseiten vertreten.

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Den Wiener Verlag Luftschacht kennt man hauptsächlich aufgrund seiner wenig massenkompatiblen, kritisch aber wohl aufgenommenen Literaturpublikationen; unter seinen Autoren findet sich etwa der mehrfach ausgezeichnete Hanno Millesi, Teilnehmer des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2006, dessen makellose Prosa mit feinem Sinn für subtilen Humor zum Besten gehört, was österreichische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. 2008 begab sich der Verlag auf neues Terrain und brachte eine Anthologie mit Arbeiten österreichischer Comicautoren heraus: angesichts des nach wie vor niederen Stellenwerts von grafisch erzählten Geschichten in der österreichischen Kulturlandschaft ein ebenso überraschender wie wagemutiger Schritt.

Nach einem Vorwort von Thomas Wolkinger (der von »Autorenschaft« schreibt, aber »Autorschaft« meint, den Papst, Madonna und Mary Shelley sowie en passant Noam Chomsky und Scott McCloud bemüht, sich in einer »kritischen Publikation« wähnt, auf den »humanistischen Bildungshintergrund des Herausgebers« hinzuweisen sich bemüßigt fühlt, dem abgesehen davon aber beängstigend wenig Substanzielles zum gegenständlichen Buch einfällt) gehören die ersten Seiten von »Perpetuum« LAAS' »Leben mit Fritz«, der ein »Parasit« ist, der »irgendwo in meinem Bauch lebt«, und die Hauptfigur in unmögliche Situationen bringt, etwa bei Familienzusammenkünften, an katholischen Festtagen oder auch auf dem Trottoir, wo Fritz einer vorbeiflanierenden, adretten jungen Frau nachruft: »Hallo, du seile Gau!« Grafisch wenig versiert, kommt LAAS nicht über das Niveau von Fancomics hinaus.

Es folgt Nina Dietrichs und Markus Mickls »Rough Maid«, eine farbige Geschichte von mehr als 30 Seiten, die sich Westernstereotype vorknöpft und diese in Gender-Hinsicht auf den Kopf stellt. Zeichnerisch und erzählerisch noch wenig ausgereift, an ein flüchtig hingeworfenes Storyboard erinnernd, hat mich »Rough Maid« etwas ratlos hinterlassen. Die Kolorierung jedenfalls ist sehr gelungen.

Der Strip »Titania« von Klaudia Wanner schildert Begebenheiten aus dem Leben einer coolen und sich tough artikulierenden Frauenfigur (von der ich annehme, dass sie die titelgebende ist) und beweist Mut und Willen zur Pointe. Die Zeichnungen setzen auf Perspektivlosigkeit, lediglich zwei Bilder zeigen die präsumtive Titania nicht in einer Profilansicht.

Heinz Wolf präsentiert unter dem Titel »November« ein schwarz-weiß-graues Allerlei von persönlichen Erlebnissen und Eindrücken, einem grafischen Tagebuch nicht unähnlich, seinen Freunden und Verwandten sicher leichter zugänglich als mir. Die Zeichnungen sind, wie von Wolf gewohnt, sehr gekonnt ausgeführt, dynamisch und spritzig.

Die »Allergiecomics« von Leopold Maurer entstanden, wie der einführende Text erläutert, »im Rahmen der Wissenschaftsausstellung 'die wahr/falsch inc.'.« Stilistisch an den Hervorbringungen neuerer französischer Comickunst orientiert (man denke an L'Association oder Dargauds Poisson Pilote), warten die »Allergiecomics« mit Sprechblasen auf, die etwa Folgendes enthalten: »Am Anfang jeder wissenschaftlichen Forschung steht die Hypothese ... Eine Hypothese ist eine in Worte gefasste Idee ...«

»Von belebten und unbelebten Dingen« des Herausgebers der Anthologie, Hannes Schaidreiter, bringt auf zwölf Seiten einen Dialog zwischen einem Wanderer und einem Granitblock. Mit Einsichten wie: »Beine machen unabhängig. Von Eiszeiten zum Beispiel.«

Um ihre Momentaufnahmen aus dem Leben von Kindern zu illustrieren, bedient sich VerenaW. in »Sagn ma« eines infantil-naiven Zeichenstils, der zum Teil in hartem Kontrast zu den geschilderten Vorkommnissen wie sexuellem Übergriff oder Einsamkeit und Isolation steht.

Als »META Comics« bezeichnet TOMMi seine Arbeiten, obwohl es sich weder um Comics noch um eine darüber eingezogene Metaebene handelt. Vielmehr variiert der Künstler US-amerikanische Comic-Book-Umschlagbilder grafisch gekonnt nach seinen persönlichen Vorstellungen, wobei seine besondere Vorliebe EC-Comics-Covers vom Ende der 1940er-Jahre bis zur Einführung des infamen Comics Code 1954 gilt.

In »Space Love« setzt Michaela Konrad hauptsächlich ganzseitige Illustrationen im so genannten realistischen Comic-Book-Stil ein. Die sehr gelungene Episode »The Vacuum Cleaner« kontrastiert die existenziellen Reflexionen einer weiblichen Reinigungskraft auf einer Raumstation oder in einem Raumschiff mit den von ihr ausgeführten Putztätigkeiten, die in den jeweiligen Bildern dargestellt sind. »A Cosmic Phenomenon« erzählt von einer fehlgeschlagenen sexuellen Annäherung im Weltraum. Botticellis Venus, mit kürzeren Haaren und Schlüpfschuhen an den Füßen, trifft in »Imaginary Figures« auf einen (Silver) Surfer im Raumanzug. Die beiden umkreisen sich und verharren im letzten Bild in abwartender Pose, sich anblickend. Der begleitende Text spekuliert dabei über die möglichen Auswirkungen der Existenz höherer Dimensionen.

Kriebaums »Kleiner Tod« bringt in genreperfekter Grafik und ohne Text sieben Episoden mit meist letalem Ausgang. Seine Titelfigur in Blues-Brothers-Gewandung ist ein widerwärtiger Winzling, dem nur Schwerhörige und schon Tote entrinnen.

Nicolas Mahlers Beitrag »Ich, das sind die anderen« fällt leider sehr knapp aus. Lediglich drei zweiseitige Episoden des erfolgreichsten österreichischen Comickünstlers sind in »Perpetuum« enthalten. Warum Mahler bei Verlagen wie Reprodukt, der Edition Moderne, L'Association oder Top Shelf auf Deutsch, Französisch und Englisch veröffentlicht wird, machen aber auch diese sechs Seiten klar: Grafisch ausgeklügelt, sprachlich gewandt, hat er zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Idiom gefunden, Dinge und Menschen in Comicform abzubilden.

»BLAD« von Borretsch ist eine, wie ich annehme, autobiografische Erzählung, in deren Zentrum die Auseinandersetzung mit Essstörungen steht. Die statisch in jeweils vier Bilder aufgeteilten Seiten beeindrucken durch ihre expressive Schwarz-Weiß-Grafik.

Den Abschluss von »Perpetuum« machen die eigenwilligen, aufs Grundlegende reduzierten Strips von Christoph Abbrederis unter dem Titel »Somnambulia«, die oft den Übergang vom Traum- zum Wachzustand darstellen; so etwa »Ruhm und Ressentiments«: Traumbild eins zeigt eine leere Bühne mit Vorhang; Text aus dem Off: »Applaus für ein ausgesprochenes Talent!« Traumbild zwei: Der Abbrederis'sche Protagonist betritt winkend und grinsend diese Bühne. Traumbild drei: Protagonist steht still, Off-Sprechblase: »Ein KÜNSTLER mit HERZ und« Panel vier: Protagonist mit zusammengebissenen Zähnen im Bett; Sprechblase aus dem Off: »WITZ!« Fünftes und letztes Bild: Protagonist im Bett, vom Betrachter abgewandt; seine Denkblase: »3 Uhr Früh und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab ...«

Auf die »Perpetuum«-Zusammenschau ließ Luftschacht bereits zwei weitere Comicbücher folgen: Leopold Maurers »Miller & Pynchon« sowie »Molch« von Nicolas Mahler und Heinz Wolf.
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