Wolfgang Radt, ehemaliger Chefausgräber der hellenistischen Stadt Pergamon, verfasste bereits im Jahre 1988 dieses Buch, das mittlerweile als absolutes Standardwerk für die Geschichte und Bauten der berühmten Ortschaft im Kaikos-Tal geworden ist.
Nach einer Einführung in die Landschaft, teilweise auch in die Geologie der näheren Umgebung Pergamons, widment sich Radt zunächst den Herrschern, die die Stadt aus einer zutiefst provinziellen Existenz (man kann es nicht anders sagen: Im 5. vorchristlichen Jahrhundert war Pergamon nun einmal ein elendes Kaff!) zu einer strahlenden kleinen Metropole machten, die sogar ihr eigenes Weltwunder besaß: Den Pergamon-Altar, heute im Museum in Berlin. Auch nach dem Ende der pergamenischen Unabhängigkeit beschreibt der Autor die Geschichte des Ortes noch weiter bis heute, sodass der Leser ein gründliches und mit sehr vielen Fakten angereichertes Bild der Geschehnisse bekommt. Bereits in diesem Teil des Buches sind viele Abbildungen enthalten: Bilder von Münzen oder Landschaftsaufnahmen; besonders begeistert hat mich eine Karte, die das pergamenische Staatsgebiet nach dem Friedensschluss von Apameia im Jahr 188 v. Chr. zeigt: Die immense Territorialvergrößerung ist deutlich zu sehen.
Danach geht es aber zur Sache mit harten archäologischen Fakten: Diskussion über Stadtmauerverläufe, Darstellung von Gebäuden (Wohnhäusern, Wasserleitungen, Tempeln, das gewaltige Gymnasion etc.) und schließlich, ganz am Ende, einige Kurzbiographien der wichtigsten Ausgräber und Pioniere der Pergamon-Forschung (z. B. Carl Humann, der ja unter anderem auch in Yazilikaya und Hattusa in Zentralanatolien tätig war).
Insgesamt gesehen: Ein inhaltlich perfektes, äußerlich und von seiner Aufmachung her betrachtet sehr hochwertiges Buch, das in keiner Sammlung zu hellenistischer Kultur fehlen sollte.