Mit dem Roman Das Pergament des Himmels" wendet sich Antonio Garrido, einem für die Europäische Geschichte interessanten Dokument zu. Das Pergament des Himmels" soll sowohl den neuen Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen als legitime Nachfolger des römischen Kaisers legitimieren als auch den Papst als rechtmäßigen Herrscher über Italien. Antonio Garrido will einen interessanten historischen Roman vorlegen, der nicht langweilt. Langeweile kommt in der Tat nicht auf. Das Buch ist spannend und fesselt, ohne Frage. Als Leser möchte man weiter lesen und wissen wie die Geschichte endet. Der Dichter legt in seinem Nachwort klar, dass er einen Roman schreiben wollte, weshalb es ihm nicht auf historische Genauigkeit ankommt. Die historische Recherche liefert den Dekor. Ich muss allerdings gestehen, dass mich dieses Vorgehen doch mit zunehmender Lesedauer erheblich gestört hat. Das wird plötzlich die Vulgata des Vaters der Protagonistin zu einer griechischen Bibel, obwohl jeder Theologiestudent des ersten Semesters und viele Kundige ohne Theologiestudium auch wissen das die Vulgata" die von Hieronymus, angefertigte lateinische Übersetzung des griechischen Texts ist. Eine griechische Vulgata ist ein Witz! Einer der Protagonisten Alkuin von York ist im Roman 799 noch der engste Berater Karls des Großen. Tatschlich war er bereits 796 Abt von Saint-Martin de Tours. Karl hatte ihn wegen seiner Kritik an der Kriegführung gegen die Sachsen (Tötung der Gefangenen die die Taufe verweigerten) aus seinem Beraterkreis entfernt. Der Alkuin von Antonio Garrido legitimiert das Vorgehen Karls gegen die Sachsen ebenso wie die Tötung Unschuldiger für einen guten Zweck. Das wäre dem historischen Alkuin nicht in den Sinn gekommen. Dieser wurde in ein Kloster abgeschoben weil genau dieser Praxis widersprochen hat. Kirchliche Würdenträger erscheinen im Roman allesamt jederzeit zum Mord bereit zu sein, aber auf jeden Fall auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein. Im großen Finale des Romans wird ein Scheiterhaufen errichtet auf dem jemand (ich will dem Leser niocht vorgreifen) verbrannt werden soll. Verbrennung von Ketzern oder Hexe passt nun überhaupt nicht zu Karl dem Großen, der die Verbrennung von Toten verbietet. Ebenso verbietet er das Hexenbrennen, dass die heidnischen" Sachsen praktizieren. Dann tauchen Priester in Sotanen auf, obwohl dieses Kleidungsstück im Frühmittelalter für Kleriker nicht gebräuchlich ist, erst recht nicht für Päpstliche Legaten. Während die Römer die Kleidung von Staatsbeamten bevorzugt haben (Tunika, Albe etc.), haben die Franken auf die fränkische Kleidung zurückgriffen. Die einfache Sotane gehörte jedenfalls beim Klerus nicht zur Kleidung.
Ein spannender Roman, dessen Lektüre zwar zu fesseln vermag aber leider durch m.E. zu große Freiheit im Umgang mit dem historischen Dekor", wie es der Autor nennt dann doch einen herben Nachgeschmack hat. Der Roman geht um die Konstantinischen Schenkung die erwiesener Maßen eine Fälschung war. So wie das historische Dekor der Urkunde diese als Fälschung erweist, weil viele Aspekte der angeblischen Urkunde nicht stimmen können, so ist es auch mit diesem Roman. Spannend aber eine Fälschung. Eine unterhaltsame dazu. Drei Punkte!