Welcher SMer kennt das nicht: Da liest man von irgendwelchen gräßlichen Gefangenenlagern, von "Umerziehung", von Gehirnwäsche, von skrupellosen Mädchenhändlern - und auf einmal schlägt die Abscheu in Geilheit um, und man träumt sich, je nach persönlichen Vorlieben, in die Rolle der Bewacher oder der Häftlinge hinein ...
Solche Gefängnisphantasien bedient der Roman vorzüglich. Die Heldin macht Urlaub in einem Land, das mich irgendwie an den Balkan erinnert, und auf einmal findet sie sich in einem Umerziehungscamp von Mädchenhändlern wieder, die sie - und die anderen Insassinnen - zur perfekten Sklavin formen wollen, und das anscheinend mit Erfolg, denn die schon länger einsitzenden Frauen haben kaum noch eine Erinnerung an ihr früheres Leben, obwohl das nur wenige Monate zurückliegt.
Der Autor scheint sich mit den Methoden psychischer Beeinflussung recht gut auszukennen; man kann das Erstaunen der Protagonistin nachvollziehen, ihr Horror, als sie erkennt, wie sehr ihre Mithäftlinge gehirngewaschen wurden und werden: Nach wenigen Wochen schon beginnt ihre Erinnerung an ihre eigentliche Existenz zu verblassen, sie bilden sich ein, es gebe absolut keine Hoffnung auf Rettung, sind passiv und widerstandslos und haben nur mehr den Wunsch, eine willige, gute, angepaßte Sklavin zu werden ... Mit größter Anstrengung widersteht die Protagonistin dem Vergessen und der inneren Anpassung, und am Schluß siegt dann doch noch das Gute, so wie im Western gerade noch rechtzeitig die rettenden Kavallerie herangaloppiert - und in der Zwischenzeit hat sich der Leser hervorragend gegruselt und unterhalten.