"Ein Alter ist doch nur dann eine Gefahr, wenn er die Jungen hindert, aufzusteigen." (Kurt Tucholsky / 1925)
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*An Krankheiten zu denken, die ihm Angst machten, war weniger schlimm, als daran zu denken, wer vor der Tür auf ihn wartete. Warum waren sie nicht zufrieden mit dem, was er ihnen gegeben hatte. Warum wollten sie mehr? Warum waren sie so gierig? Beunruhigende Fragen. Ging es ihnen nur um das, was sie gefordert hatten? Sie waren gewissenlos und ohne Moral. Was waren das nur für Menschen?
Er betrachtete sich im Spiegel. Weiße Haare und Falten. Ein alter Mann. Aber einer, der nicht aufgab. Er hatte alles gemacht. Hatte Fehler, Lieblosigkeiten, Grausamkeiten begangen. Er hatte nichts ausgelassen. Aber er hatte nie aufgegeben. Darauf war er stolz ...*
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Zum Inhalt: Allein ineiner Kurklinik, bei der Genesung nach einem Schlaganfall, zieht ein älterer Herr Bilanz. Was zählt? Was ist wirklich wichtig im Leben? Was möchte er noch tun? Er fasst den Plan, noch einmal ganz neu anzufangen. Und es gelingt scheinbar. Schritt für Schritt verwirklicht er, was er sich vorgenommen hat. Er findet sein Glück. Aber er kann es nicht lange genießen. Er muss sterben, weil sein Plan die Pläne von anderen durchkreuzt.
Kommissarin Beate Stein, Ende dreißig, Single, soll seinen Tod aufklären: In einer Kirchenbank sitzend hat man ihn gefunden. Erstochen. Dem Toten waren die eigenen Kinder anscheinend egal, per Inserat hatte er sich eine neue Familie gesucht. Bei ihren Ermittlungen macht Beate Stein die Erfahrung, dass die Dinge zwischen Alten und Jungen, Eltern und Kindern komplizierter sind, als sie auf den ersten Blick scheinen. Sie kommt arg ins Schleudern, auch was den Sinn ihrer Arbeit angeht. Auswüchse von Controlling und Qualitätsmanagement in der Behörde Polizei nerven. Wenn Beate Stein diesen Fall gelöst hat, wird für sie nichts mehr so sein wie früher. Weder die Beziehung zu ihrer Mutter noch die zu ihrem Beruf.
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Fazit: Sabine Deitmer greift ein neues Tabuthema auf: Das Alter.
Ein spannender, radikaler, irritierender und trotzdem auch amüsanter Roman über den alltäglichen Wahnsinn.
Die Autorin besticht durch eine spürbare Freude am Erzählen, am Ausschmücken und Ausfeilen des Ambientes, des scheinbar Nebensächlichen, der Ränder der Geschichte - und dies alles hebt diesen Roman weit über die gängige Routine hinaus.
Ihre Romane umfassen immer das ganze Leben: Liebe & Tod, Politik, Macht, Freundschaft & Leidenschaft.
Spitzenklasse! -- meint -- Reinhard Busse