Anders als die anderen Rezensenten muss ich potentiellen Käufern zur Vorsicht raten. Der Titel führt meines Erachtens in die Irre: Hier findet derjenige Anregungen, der gerade seine ersten Akkorde schlagen kann und sich allmählich an Liedbegleitungen herantasten möchte. Für einen solchen ist es auch sicherlich zu empfehlen, zumal es einen kleinen theoretischen Überbau sowie einen netten Überblick über die wichtigsten Grundtechniken bietet.
Von einem Buch, das den Anspruch hat, das "perfekte" Begleiten von Songs zu lehren, erwarte ich aber mehr als Zupfmuster und Schlagtechniken, die man sich in wenigen Minuten selbst zusammen basteln kann, eine Grifftabelle, die man in dreifachem Umfang auf mehreren Internetseiten findet, und Basis-Einführungen zum Dämpfen und zu Barréegriffen.
Ich würde mich selbst nun wahrlich nicht als fortgeschrittenen Gitarrenspieler bezeichnen (ich scheitere immer noch regelmäßig an eben jenen Barréegriffen, leider konnte mir das Buch da auch nicht weiterhelfen - von meinen quasi nicht vorhandenen Fähigkeiten im Melodiespiel gar nicht zu reden). Trotzdem konnte ich aus nicht einem der acht Kapitel wirklich etwas mitnehmen, das mich in irgendeiner Form meinem Ziel, ein besserer Liedbegleiter zu werden, nähergebracht hätte. Erwartet hätte ich mindestens deutlich mehr Worte und Übungen zur Gestaltung einer unabhängigen Bassstimme, überhaupt habe ich Anregungen und Übungen zum Fingerpicking mit unabhängiger Bass- und Diskantstimme vermisst - geboten werden nur Standardzupfmuster ohne wirklich unabhängigen Bass, auf die man wie gesagt auch schnell selbst kommt. Gefehlt haben mir auch Ideen für Intro- und Outrogestaltung sowie die harmonische Anreicherung von Liedern mit zusätzlichen Akkorden. Außerdem ist, wie ein anderer Rezensent bereits bemerkte, die stilistische Bandbreite eher gering.
Vielleicht würde ich das Buch nicht so hart bewerten, wenn es nicht erstens 25 Euro kostete (was für ein Buch, das bloß im Internet Verfügbares mit durch etwas Herumspielen selbst zu Entdeckendem kombiniert, viel zu viel ist) und ich nicht zeitgleich den Gitarrenkurs "Blues you can use" für fünf Euro weniger erworben hätte, mit dem ich mittlerweile fast täglich arbeite und der mich spürbar voranbringt.
Fazit:
Für den kaum fortgeschrittenen Anfänger geeignet. Denen, die sich bereits ein wenig Songbegleitung beigebracht haben, sei von diesem Buch abgeraten. Den zweiten Stern gibt es für die zugegebenermaßen übersichtliche und strukturierte Aufbereitung.