Ich muss ehrlich sagen, dass ich - als glühender Bewunderer der beiden vorigen Alben - meine Enttäuschung über das neueste Keane-Werk nur schwer verbergen kann.
Wer erwartet hatte, melodisch wie stimmungstechnisch ein ähnlich berauschendes Album vorgelegt zu bekommen, der wurde ganz einfach auf ganzer Linie enttäuscht. Deswegen ist "Perfect Symmetry" kein schlechtes Album, das ist es keineswegs. Jedoch lässt es für mich als Fan der Band, ihrer gefühlvollen, ausdrucksstarken Melodien sowie der einmaligen, unter die Haut gehenden Stimme Tom Chaplins einfach ein Gefühl zurück, als habe die Band für diese Platte ihre Seele im Garderobenbereich des Tonstudios abgegeben.
Tom Chaplins Stimme ist so gut wie überhaupt nicht present. Hatte sie mir auf den früheren Platten sogar ohne instrumentale Begleitung einfach nur Empfindungsschauer verursacht, geht sie auf dieser Platte beinahe völlig in mehrstimmigen Vokalarrangements und krachigen Beats unter. Weniger ist eben im Falle dieser Band tatsächlich manchmal mehr.
Die Zusammenarbeit mit dem Madonna-Produzenten hat unübersehbar Spuren hinterlassen. Die sphärischen, oft etwas melancholisch, aber genau darum um so authentischer wirkenden Klänge der vorigen Alben, die einen sofort magisch anzogen und die Gedanken wandern ließen, sucht man hier vergeblich. Stattdessen wurde den Songs nahezu durchweg ein schmissiger Beat untergemischt, der an die Tanztempel der späten 70er und frühen 80er erinnert und für Fans der früheren Alben ganz einfach etwas störendes haben muss.
Sicher muss man der Band zugutehalten, dass sie nicht jedes Mal ein Jahrhundertwerk wie "Under the iron sea" vorlegen kann. Und natürlich richtet sich die Stimmung eines Albums primär nach der vorherrschenden Stimmung seiner Protagonisten und genau deshalb gibt es eigentlich keine wirklich schlechten Alben.
Doch wer einmal von Songs wie "Hamburg Song" oder "Crystal Ball" verzaubert wurde, der muss ganz einfach Ernüchterung spüren, wenn er dann - nach monatelangem Warten - Disco-Pop ala "Spiralling" angeboten bekommt. Schade. Mir bleibt, meine Hoffnungen auf das nächste Album sowie darauf zu setzen, dass Tom Chaplin und seine Kameraden hoffentlich nicht zwingend eine handfeste Depression und Drogenprobleme brauchen,um derart traurig-schöne Balladen zu verfassen, wie sie auf den ersten beiden Alben zu hören waren.