Bereits ein Jahr nach Erscheinen des gleichnamigen Romans ''
Ein blendender Spion. Roman'' (''
A Perfect Spy.'') von John le Carré entstand 1987 diese Fernsehadaption in sieben Teilen. Athur Hopcraft, der 1979 schon für das Drehbuch der Fernsehfassung von ''
Tinker, Tailor, Soldier, Spy [2 DVDs] [UK Import]'' verantwortlich war, schrieb auch hierfür das Drehbuch.
Der Roman schildert die Lebensgeschichte von Richard Thomas Pym und die von seinem Sohn Magnus. Erster ein Blender und Hochstapler, der Sohn schließlich ein Spion, der England und die Tschechoslowakei gegeneinander ausspioniert. Hierbei handelt es sich nicht um einen Spionageroman im üblichen Sinne; das Besondere an diesem Roman ist, dass le Carré sehr viel (Auto-) Biografisches einfließen ließ. So ist Richard Thomas Pym nach Charakterzügen seines Vater gezeichnet, in Magnus mag man Einiges von le Carré selbst wiedererkennen. Der Autor bezeichnete dieses Buch als sein schwierigstes Werk, betrieb hier in Teilen sowohl die Aufarbeitung von Teilen seines eigenen Lebens wie auch eine Reflektion über das Verhältnis zu seinem Vater. Wenn der Autor hierbei wohl für sich selbst in einem hohen Maß auch eine Art Selbstentblößung betrieb, so bleibt für den Leser bei all dem aber nicht erkennbar, wo wirklich die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion verlaufen.
Der Roman ist dabei ein überaus komplexes Gebilde, mit verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen, durchsetzt von den Reflexionen Magnus Pyms, der seine Lebensbilanz zieht. All dies zu einer Filmhandlung zu adaptieren, stellt in jedem Fall eine Herausforderung dar. Zugleich verbindet sich damit aber auch die Frage, ob dieser Roman überhaupt verfilmbar ist. Hopcraft versuchte der Komplexität der Vorlage dadurch Herr zu werden, in dem er sie in das Korsett einer Chronologie zwang. Dies funktioniert in den ersten Teilen, wo es um die Kindheit von Magnus geht. Hier gelingt noch eine eindringliche und weitgehend in sich geschlossene Schilderung der Verhältnisse: die Darstellung des Lebemanns Richard Thomas Pym, der sich mit windigen Geschäften seinen noch großzügigen Lebensunterhalt verdient und sich dabei auch gern mal ungeniert mit anderen Frauen vergnügt. Daneben vereinsamend, leidend und schließlich psychisch erkrankend die Mutter von Magnus. Die Verkörperung des jungen Magnus durch die talentierten Zwillinge Jonathan und Nicholas Haley machen diese Episoden zu einem atmosphärisch dichten und auch anrührenden Ereignis.
Der Roman beschreibt im weiteren Verlauf, wie schon erwähnt, die Lebensgeschichten der beiden Pyms. Doch je weiter Magnus in Alter und beruflicher Karriere voranschreitet, desto mehr verliert die Verfilmung den Vater aus den Augen. Dieser tritt schließlich nur noch in wenigen Einzelszenen in Erscheinung, zumeist in für Magnus unpassenden Momenten, bei denen zwischen den beiden vorwiegend Banalitäten ausgetauscht werden. Das Wechselspiel hinsichtlich der Schilderung der Lebenswege der beiden wie im Roman dargelegt findet hier nicht statt. Schlimmer noch: Zuschauer in Unkenntnis der Vorlage werden möglicherweise große Schwierigkeiten haben, die personellen wie auch die inhaltlichen Zusammenhänge überhaupt zu verstehen. Der schleichende materielle und gesellschaftliche Niedergang von Pym Senior etwa verkommt zur Marginale. Sein Tod erweist sich für Magnus als ein einschneidendes Ereignis von erheblicher Tragweite, was in der dargestellten Art und Weise vom Zuschauer so aber überhaupt nicht nachvollzogen werden kann.
Viel Inhaltliches und Reflektives entfiel bei dieser Umsetzung in ein anderes Medium. Obwohl Ray McAnally Magnus' Vater mit großer Verve verkörpert, erschließt sich dessen Charakter nie in einer individuellen charakterlichen Differenziertheit, verbleibt eigentlich immer im Klischee des hochstaplerischen Lebemanns. Als eine wirklich eklatante Fehlbesetzung aber erweist sich meines Erachtens Peter Egan mit seiner Darstellung des Magnus. Dessen glanzvolle Fähigkeiten werden von Außenstehenden zwar fortwährend behauptet und gelobt, erschließen taten sich mir diese durch Egans Darstellung aber nicht. Weder den „blendenden Spion“ noch den Charismatiker bei Frauen, Kollegen oder Freunden vermochte ich in ihm erkennen. Stattdessen erlebt man das Bild eines eher introvertieren, über weite Strecken farblosen Melancholikers, dessen Handlungsweisen oder Reaktionen sich häufig weder inhaltlich noch in psychologischer Hinsicht erschließen.
Wesentliche Figuren im Handlungsgeflecht des Roman sind neben den beiden Pyms selbst Magnus' Jugendfreund Axel wie auch seine zweite Frau Mary und sein direkter Vorgesetzter Jack Brotherhood. All die genannten Figuren sind wichtige Bezugspunkte in Magnus' Geschichte. Gerade im Fall von Axel wird sowohl durch die fragmentarische Erzählweise wie auch durch die hölzerne Darstellung Rüdiger Weigangs nie das Besondere dieser Freundschaft ersichtlich - wenn auch fortwährend erwähnt und beschworen. Daneben in Nebenrollen viele wenig charismatisch wirkende Darsteller, bei denen die Dialoge häufig wie aufgesagt wirken. Und auch Jane Booker (Mary) und Alan Howard (Brotherhood) bleiben gerade in den bedeutungsvollen gemeinsamen Szenen zum Ende hin darstellerisch eintönig und blaß, in langatmig überdehnten Einstellungen ohne Gegenschnitte, sodass auch hier keine eindringliche Atmosphäre entstehen will.
So erlebt der Zuschauer eine sehr bedächtige Bebilderung von Pyms Leben, über weite Stellen fast so teilnahmslos vermittelt, dass man den Eindruck entwickelt, dass selbst noch die schwächsten und fadesten "Inspector Barnaby"-Episoden mehr Thrill und inhaltliche Geschlossenheit besitzen. Trotz des Versuchs einer chronologisch gestalteten Erzählweise mangelt es an einem linearen Handlungsbogen, vor allem aber an einem roten Faden. Immer wieder werden Zeitabschnitte übersprungen, sodass sich dem Zuschauer selten oder gar nicht auch nur die notwendigsten Kontexte vermitteln. Maßgebliche Details werden bisweilen als Anmerkung in einer Textzeile nachgereicht. Allein die Dekors sind aufwendig gestaltet, die darin stattfindenden Handlungsabläufe aber wurden zumeist langweilig, bisweilen so hilflos wie fantasielos abgefilmt. Pyms unrühmliches Ende kann auf diese Weise fast schon als exemplarisch für die gesamte Verfilmung stehen.
Zur Ausstattung der DVDs: Englischsprachig, mit ebensolchen Untertiteln. Es gibt keine Extras. - Der zugrundeliegende Roman ist komplex, zum Teil auch überbordend, sich bisweilen zu sehr in Details verlierend. Dennoch würde ich Interessierten eher dazu raten, das Buch in die Hand zu nehmen – wenn auch in der Gewissheit, dass die Lektüre eine anspruchsvolle Herausforderung darstellt, die möglicherweise auch ein Scheitern beinhalten kann. Wer aber die Vorlage kennt, wird dieser Adaption - so fürchte ich - wenig abgewinnen.