Wer diese von Sony herausgegebene Box mit 25 CDs ersteht, spart gegenüber dem Kauf als Einzeltitel eine Menge Geld. Alle CDs sind remastered und in Stereo (nur die frühen Aufnahmen zeitbedingt in Mono), viele Silberlinge enthalten rare Bonustracks. Ein vierfarbiges Booklet listet die Erscheinungsdaten der Original-LPs, die Bandmitglieder samt ihrer Instrumente sowie die Komponisten auf. Die Box selbst wurde aus solider Hartpappe gefertigt (Deckel kann abgenommen werden). Die Papersleeves wurden etwas größer gefertigt als üblicherweise, sodass die CDs beim Herausnehmen nicht verkratzen.
Inhaltlich versammelt die Box Meilensteine der Jazzgeschichte im Zeitraum von 1929 bis 1990, darunter Charles Mingus' »Mingus Ah Um«, Jim Halls »Concierto«, George Bensons »Beyond The Blue Horizon« und Wayne Shorters »Native Dancer«. Einen Schwerpunkt der Box bilden Jazz-Rock und funkige Rhythmen, etwa die Aufnahmen von Freddie Hubbard (»Straight Life«), Mahavishnu Orchestra (»Birds Of Fire«), George Benson (»Beyond The Blue Horizon«), Return To Forever (»Romantic Warrior«) und Weather Report (»8:30«). - Das muss man mögen!
Dave Brubeck wurde bereits in Box 1 und in Sonys »Original Album Classics« abgefeiert, sodass hier lediglich »Jazz Goes To College« vorgestellt wird (eine der schwächeren Aufnahmen Brubecks). Duke Ellingtons »Uptown« gilt als Comeback-Aufnahme nach Ellingtons kreativen Tief Ende der 40er-Jahre. »Meets Coleman Hawkins« oder »And John Coltrane« wären wünschenswerter gewesen, aber die wurden in 2011 schon bei Universal Impulse veröffentlicht. Nicht unbedingt nötig - aber das ist Geschmackssache - finde ich Clifford Browns »The Beginning And The End«, und auch bei Nina Simone hatte man mit »Silk & Soul« kein glückliches Händchen - von ihr gibt's Besseres. Dafür entschädigt jedoch Stanley Clarkes »School Days« mit der locker-melodiösen Basslaufarbeit und dem wuchtigen Drummen von Billy Cobham. Ein echtes Fundstück ist »The Sound Of Jazz«, eingespielt von Interpreten wie Billie Holiday, The Count Basie All-Stars, Mal Waldron und dem Jimmy Giuffre Trio.
Der besseren Übersicht wegen liste ich im Folgenden alle Interpreten und Alben-Titel auf:
Duke Ellington: Ellington Uptown (1951, mono) (8 Bonustracks)
Dave Brubeck: Jazz Goes To College (1954, mono)
Louis Armstrong: Satch Plays Fats (1955, mono) (11 Bonustracks)
Miles Davis: Round About Midnight (1956, mono) (4 Bonustracks)
Various Artists: The Sound Of Jazz (1958) (1 Bonustrack)
Charles Mingus: Mingus Ah Um (1959) (3 Bonustracks)
Paul Desmond: Desmond Blue (1962) (7 Bonustracks)
Sonny Rollins: The Bridge (1962)
Aretha Franklin: The Electrifying Aretha (1962) (8 Bonustracks)
Nina Simone: Silk & Soul (1967)
Thelonious Monk: Underground (1968) (2 Bonustracks)
Freddie Hubbard: Straight Life (1970)
Mahavishnu Orchestra: Birds Of Fire (1972)
George Benson: Beyond The Blue Horizon (1971)
Clifford Brown: The Beginning And The End (1955/1973, mono)
Chet Baker: She Was Too Good To Me (1974, mono) (1 Bonustrack)
Gerry Mulligan & Chet Baker: Carnegie Hall (1974)
Wayne Shorter: Native Dancer (1974)
Jim Hall: Concierto (1975) (5 Bonustracks)
Return To Forever: Romantic Warrior (1976)
Stanley Clarke: School Days (1976)
Weather Report: 8:30 (1979)
Dexter Gordon: Round Midnight (Soundtrack) (1986) (1 Bonustrack)
Carmen McRae: Carmen Sings Monk (1988) (4 Bonustracks)
Wynton Marsalis: Standard Times Vol. 3 (1990)