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Perfect Body: Körperkult, Schlankheitswahn und Fitnessrummel
 
 
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Perfect Body: Körperkult, Schlankheitswahn und Fitnessrummel [Taschenbuch]

Hans-Peter Waldrich
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 182 Seiten
  • Verlag: Papyrossa Verlagsges.; Auflage: 1., Aufl. (1. März 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3894382767
  • ISBN-13: 978-3894382766
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 13 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 384.208 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hans-Peter Waldrich
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Körperkult ist »in«. Ganze Geschäftszweige leben davon. Gleichzeitig wurde der Körper aber auch noch nie so sehr gehaßt. Er ist ein zentrales Symbol allgemeiner Selbstdarstellung und zugleich für viele ein Feind, den man unbewußt vernichten möchte. In der Eßstörung Magersucht und Bulimie zeigt sich dieses Paradoxon in deutlicher Zuspitzung. Körperkult und Körperhaß entsprechen einer Lebensweise, in welcher der Markt die Regie über das Verhalten der Menschen übernommen hat. Die Körper sind Produkte dieser Totalisierung des Marktprinzips und repräsentieren durch ihre Zurichtung dessen Imperative. Schlank-sein um jeden Preis ist nicht nur ein betriebswirtschaftliches Konzept, sondern auch eine den Individuen aufgenötigte Devise. Wer nicht mitstrampelt im Diätrummel und der Trimm-Dich-Tretmühle, mindert seine Marktchancen, entgeht aber auch der Gefahr, seinen Körper in eine Ware zu verwandeln und damit letztlich in ein Artefakt.
Hans-Peter Waldrich, Dr. phil., Redakteur, freier Journalist und Gymnasiallehrer. Lehrbeauftragter am Institut für Allgemeine Pädagogik der Uni Karlsruhe. Als ausgebildeter Hypnotherapeut betreibt er eine »Praxis für gezielte Lernförderung«. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen.

Über den Autor

Hans-Peter Waldrich, Dr. phil., Redakteur, freier Journalist und Gymnasiallehrer. Lehrbeauftragter am Institut für Allgemeine Pädagogik der Uni Karlsruhe. Als ausgebildeter Hypnotherapeut betreibt er eine »Praxis für gezielte Lernförderung«. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Enteignung des Körpers, 13. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Perfect Body: Körperkult, Schlankheitswahn und Fitnessrummel (Taschenbuch)
Die Enteignung des Körpers

„Die Enteignung des Körpers" hätte man dieses Buch auch nennen können. Während sich die Psychotherapie darum bemüht, den vielen Menschen zu helfen, die unter allen möglichen Essstörungen leiden, fehlt häufig der Blick für die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Und die zeigen, dass wir uns oft selbst weit weniger gehören, als wir annehmen.
Gehört uns denn wenigstens unser Körper? Gewiss nur insoweit, als wir ihn auch tatsächlich in Besitz genommen haben. Häufig glauben wir aber nur dann „schön" zu sein oder uns wohl zu fühlen, wenn wir die Rollenerwartungen erfüllen, die die Gesellschaft an uns stellt. Und diese Gesellschaft ist eine Marktgesellschaft. In ihr entscheidet weniger das Individuum, was es für sich braucht und will, sondern zunehmend ein anonymer „Apparat" wirtschaftlicher Abläufe und Notwendigkeiten, hinter dem Profiterwartungen stehen.
Diese erweiterte Sicht auf den gesamtgesellschaftlichen Hintergrund von Körperkult und Schlankheitswahn zeichnet Waldrichs Buch aus. Er durchbricht die verengte Perspektive anderer Bücher zu diesem Thema. Sie stellen die bei Frauen wie Männern immer öfter auftauchenden krankhaften Übertreibungen im Umgang mit dem Körper als eher individuelles, vielleicht familiäres Problem dar. Waldrich sieht stattdessen Essstörungen, Body-Building mit Hilfe von Anabolika, Fitnesssucht und Körperkult als soziale Epidemien, an denen unendlich viele verdienen und die genau in eine Zeit passen, die es für jedermann zur Bedingung macht, sich meistbietend „zu verkaufen", will er nicht untergehen.
Wie dabei sehr frühzeitig auch Körperbilder geprägt werden, zeigt Waldrich zum Beispiel an jungen Mädchen. Sie sind heute gar nicht mehr in der Lage, ein natürliches Körpergefühl zu entwickeln. Nach einer Studie er Universität Bremen - so Waldrich - wäre mehr als die Hälfte der 13 - 14jährigen Mädchen gerne schlanker. Über 30 Prozent der 10jährigen haben bereits eine Diät hinter sich. Jede dritte Schülerin leidet an einer Frühform der Essstörung. (S. 112) Um geschlechtsreif zu werden, ist es aber ein ganz normale Entwicklung, dass junge Mädchen mit der Pubertät oft recht plötzlich zunehmen, während die Jungens der gleichen Altersklasse noch ein Zeitlang schlanker bleiben.
Unter dem Dauerbeschuss von Medien und Schlankheitsindustrie sowie dem kollektiven Vorurteil, dass nur „fitte" Menschen überhaupt akzeptiert sind, werden sowohl Körper- wie Selbstbild frühzeitig zerstört. Aber - so Waldrich - es ist ja gerade der Selbsthass, der in der Marktgesellschaft profitabel ausgebeutet werden kann.
Dies gilt auch für die Schönheitsvorstellungen insgesamt. Waldrich zeigt, wie sie entstehen (oder besser: wie sie hergestellt werden) und wie sie den allgemeinen „Körperverdruss" aufrecht erhalten. „Die Schönheitsideale sind stets so beschaffen, dass es unmöglich ist, ihnen zu entsprechen. Sie sind im doppelten Sinne unerreichbar: für denjenigen, der ihnen selbst entsprechen will, aber auch für die meisten, die es gerne sähen, dass ihr Partner diesen Idealen nahe kommt. Diese Unerreichbarkeit ist aber im Sinne der Schönheitsindustrie ein „günstiger" Effekt, denn er erzeugt Unzufriedenheit und hält somit die Nachfrage wach." (S. 135)
Wo der Schönheitsterror dann vollends zuschlägt, treibt er die Betroffenen schlicht in den Wahnsinn. So wie etwa die Teilnehmerinnen der so genannten „Pro-Ana"-Foren im Internet, die ein Kult der Magersucht betreiben, auch wenn er tödlich endet. (S. 150-156) Einer ihrer Wahlsprüche gab Waldrichs Buch den Titel: „I don't care if it hurts/ I want to have control/ I want a perfect body/ I want a perfect soul." (S. 4)
Die hier angestrebte Art der Kontrolle über den „perfect body" ist jedoch das Gegenteil einer freien Lebensentscheidung. Der perfekte Körper in diesem Sinn ist nichts anderes als ein Kunstprodukt und eine Ware zur Selbstvermarktung. Wer sich durch Einsicht in solcherlei Zusammenhänge ein Stück Distanz gegenüber den destruktiven Körperidealen der Zeit zu erwerben vermag, der hat mit Waldrichs Buch eine gute Wahl getroffen. Das Buch ist gut lesbar und gewinnt dem Thema manchen verblüffenden Aspekt ab.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Wie der Kapitalismus unsere Körper prägt, 19. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Perfect Body: Körperkult, Schlankheitswahn und Fitnessrummel (Taschenbuch)
Dass mein eigenes Verhältnis zu meinem Körper bisher möglicherweise in hohem Maße von außen her gesteuert worden ist, das wurde mir durch die Lektüre dieses Buches so richtig bewusst. Diskussionen mit meinem Partner während all meiner Versuche, mein Gewicht zu reduzieren, endeten immer wieder mit meinem „Vorwurf" ihm gegenüber: „Du magst eben eher runde Frauen, aber Attaktivität, das ist etwas ganz anderes."

Waldrich zeigt, wie der „Schlankheitsterror" nicht zuletzt die Schönheitsmaßstäbe ins Absurde verkehrt hat: Wie wissenschaftliche Tests gezeigt haben, finden die meisten Männer die typische überschlanke Model-Figur überhaupt nicht attraktiv. Dennoch wird in Werbung und Medien nahezu ausschließlich dieser Frauentyp als nachahmenswertes Idol vorgeführt. Weshalb?

Waldrich geht davon aus, dass die kapitalistische Marktgesellschaft längst unser Bewusstsein und damit auch unsere Körper erobert hat. „So wie das Bewusstsein überhaupt zum Anhängsel des Marktes zu werden droht, so ist der Körperkult in seiner gegenwärtigen Ausprägung ohne den Dauerbeschuss durch die Marktbotschaften nicht zu verstehen. Das ausgebeutete Bewusstsein ist das enteignete Bewusstsein, und wie tief diese Enteignung wurzelt, zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir unseren Körper nur noch mit Stirnerunzeln betrachten können.(...) Es gehört viel Distanz und Kraft dazu, sich als das dumme Zeug über Attraktivität, Diäten, Idealgewicht und so weiter aus dem Kopf zu schlagen." (S. 100)

Viele Behauptungen dieses „dummen Zeugs" widerlegt Waldrich gründlich. So zum Beispiel, dass jedes Gramm Körperfett gesundheitsschädlich sei. „Gegenwärtig sieht es so aus, als könne man folgende „Faustregel" aufstellen: Mäßiges Übergewicht ist am gesündesten! (...) Der Schlankheitswahn hat keine wissenschaftliche Basis!" (S. 84)
Aber dafür eine ökonomische. Denn an Schlankheitswahn und Körperkult wird immens verdient. Zu welchen Exzessen das führt, schildert Waldrich auf anschauliche und manchmal amüsante Weise. Er skizziert z. B. den kurzen Weg des „Sex-Göttin" Lolo Ferrari, die frühzeitig an ihrer künstlich aufgeblähten Oberweite starb oder des ebenso kurzlebigen Bodybuilders Andreas Münzer, der sich dermaßen mit Anabolika voll pumpte, dass er schon mit 31 Jahren nicht mehr lebensfähig war. Wichtig scheint mir die von Waldrich immer wieder hervorgehobene Beziehung des marktwirtschaftlichen Körperrummels zur Essstörung und Magersucht. Wie viele Diäten enden unfreiwillig in dieser gefährlichen psychischen Erkrankung?

„Perfect Body" ist flott geschrieben, wenn auch da und dort ein bisschen theoretisch. Manchmal hat man auch den Eindruck, man habe das gerade Gelesene ein paar Seiten vorher schon mal so ähnlich gehört. Davon abgesehen eine sehr anregende und hintergründige Lektüre!

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