In Rachels Leben hat sich einiges getan - der Bann durch den Hexenzirkel ist aufgehoben, sie ist nach Cincinnati in ihre Kirche zurückgekehrt. Nur leider hat sich für sie überhaupt nichts zum Besseren gewendet: für tot erklärt und als Dämon geoutet, kann sie nicht einmal einfache Behördengänge selbst erledigen und hat keinerlei zivile Rechte mehr. Als wäre dies nicht schlimm genug, sind die offiziellen Stellen hinter ihr her und machen ihr Druck, ihre sämtlichen magischen Fähigkeiten offenzulegen. Als dann noch Todesopfer von dämonisch wirkenden Riten auftauchen, wird es für Rachel ganz eng, und langsam hat sie auch die Nase voll von allen, die sie unter Druck setzen wollen...
Die Fortsetzung von A PALE DEMON kehrt nach Cincinnati zurück, wo einige sehr stimmungsvolle Szenen in Rachels ungewöhnlicher Kirchen-WG mit Ivy stattfinden, auf die man als Fan der Serie schon geradezu wartet. In der Kirche ist mehr los denn je, außer Ivy und Rachel und dem Pixie-Clan, der Katze Rex und dem Teenager-Gargoyle Bis hat sich nun auch noch Wayde, Rachels zähneknirschend geduldeter Werwolf-Bodyguard, im Glockenturm häuslich eingerichtet. Wenn Rachel nicht gerade sauer auf ihn ist, muß sie zugeben, daß er so schlecht nicht aussieht, allerdings geht es ihr auf die Nerven, daß er sie zu bevormunden sucht und dabei manchmal übers Ziel hinausschießt. Wie sich die beiden aneinander reiben und was Rachel so alles anstellt, um ihm zu zeigen, wo es langgeht, läßt einen beim Lesen immer wieder grinsen; es gibt eine Motorrad-Szene, die einfach umwerfend ist; eine weitere in einem Tattoo-Shop ist ähnlich stark gemacht.
Überhaupt geht es in dieser Folge trotz vieler spannender und actiongeballter Szenen sehr stark um Rachel und ihre Freunde, die sie immer wieder davon abhalten, den Kopf in den Sand zu stecken und damit zu vermeiden, sich mit ihrer ungewohnten Rolle als geouteter Dämon auseinanderzusetzen. Mit dem Silberarmband, das ihren Kontakt zu den Leylinien unterbindet, und sie vor den anderen Dämonen verbirgt, scheint alles so einfach: sie hat sich mehr oder weniger selbst entmachtet und will damit vor den Menschen, die sie fürchten, ungefährlicher erscheinen. Daß sie damit ihre eigene Sicherheit und die ihrer Freunde aufs Spiel setzt und sich davor drückt, sich weiterzuentwickeln und ihrer neuen Rolle zu stellen, ist eine unliebsame Erkenntnis und ein schmerzhafter Prozeß, umso mehr, als sich um sie herum alle weiterzubewegen scheinen: Ivy flirtet mit Glenn, Jenks mit der Faerie, ihre Mom ist wieder mit Takata zusammen...
Rachel kämpft mit ihren Gefühlen, mit einem Schuß Selbstmitleid und ihrer immer noch nicht abgelegten Trauer um Kisten. Ihre Weiterentwicklung stellt ein zentrales Element der Geschichte dar und ist wirklich lesenswert, zeigt es doch, wie sie sich von der braven Hexe immer weiter entfernt, die pflichtschuldigst nur weiße Magie praktiziert und von IS und dem Zirkel kleingehalten werden kann. Sie wächst zu einem Charakter heran, der seine eigenen moralischen Regeln entwickelt und auch seine dunkleren Seiten verantwortunsvoll einsetzt. In dieser Hinsicht ist die Folge sehr stimmig ausgelegt und läßt Rachel die Reifung durchlaufen, vor der sie lange zurückgescheut war. Zu dieser Entwicklung paßt auch ihr sich wandelndes Verhältnis zu Trent, in dem sie immer mehr sieht als einen Drogenbaron und ruchlosen Geschäftsmann und Politiker.
Diese Entwicklung ist eingebaut in einen spannenden politischen Plot um eine fanatische Gruppe, die vor keinem Mittel zurückschreckt, um die Inderlander endlich auszurotten. Das Tempo ist hoch, und Rachel zeigt sich mehr als einmal von ihrer überaus schlagfertigen Seite. Wer allerdings auf eine entscheidende Entwicklung in Herzensangelegenheiten gehofft hat oder einen Hinweis darauf, wie die Serie endet, wird sich hier noch weiter gedulden müssen.
Fans der Serie dürfte es eher freuen, daß Rachel immer noch reichlich Schwung hat und mit ihren Freunden (und ihren romantischen Interessen) noch lange nicht am Ende ihres Weges angekommen scheint und noch für einige Fortsetzungen gut sein dürfte.