Das 35/2,8 Makro ist das ideale Upgrade zum Kit-Objektiv. Es ist noch einmal ein Quantensprung gegenüber dem sehr guten Kit-Objektiv 18-55mm. Der größte Vorteil ist die Lichtstärke und damit die höhere Unschärfe in den nicht fokussierten Bildbereichen. Erst mit lichtstarken Objektiven kommen aus einer DSLR auch Bilder wie aus einer DSLR und nicht wie aus einer Pocket-Kamera. Wer sich dieses Objektiv als Immer-Drauf-Objektiv kauft, wird sehr zufrieden sein und plötzlich die Dinge ganz nah vor seiner Kamera entdecken. Obwohl man automatisch fokussieren kann, steigt man bald auf den manuellen Fokus um und denkt ernsthaft über eine Wechselmattscheibe mit Fokussierhilfe nach. Hierfür hat man jetzt aber auch die "Zoom-Hand" frei. Irgendwie praktisch.
Pro:
- Schärfe: An der K200d mit 10 Mega-Pixeln sind entgegen der Tests alle Bildbereiche (Ecken, Rand, Mitte) schon bei Blende 2,8 bis auf den Pixel scharf! Das Objektiv ist besser als der Kamerasensor - also optimal für diese Kamera.
- Unschärfe (Bookeh): Wahnsinn! Auch hier liegen die Tests daneben. Der unscharfe Bereich im Bild ist wunderschön und weich. Die gelegentlich in Tests gefundenen unruhigen "Halos" konnte ich noch nicht beobachten. Setzt man das Objektiv seinem Sweet-Spot entsprechend ein, wird man begeistert sein.
- Kontrast: Sehr gut. Die Bilder wirken (ob Makro oder "normale" Aufnahme) sehr knackig und kontrastreich. Die Farben werden sehr schön und natürlich wiedergegeben. Auf Fotos mit diesem Objektiv konnte ich zum ersten Mal wirklich wahrnehmen, dass meine Freunde alle recht unterschiedliche Hauttöne haben...
- Farbsäume: Sie sind viel schwächer als beim Kitobjektiv und fallen kaum auf. Je nach gewählter Blende und Kontrast sind sie aber per Bildschirmlupe zu finden.
Etwas zwischen Pro und Kontra:
...ist die Sonnenblende. Sie ist im Objektiv integriert herausziehbar. So hat man sie immer dabei und braucht nur kurz daran zu ziehen. Andererseits ist sie unpraktisch: Bei Makros ist sie im Weg, ebenso beim Einsatz von Filtern. In diesem Fall muss man seitlich ins Objektiv einfallendes Licht anders verhindern.
Kontra:
- Preis: Er steigt und steigt. Woran das liegt, kann man nur spekulieren: Seit Pentax die k-7 herausgebracht und seine Zentrale in Deutschland aufgelöst hat, sind die Preise, auch für die anderen Limited-Objektive, sprunghaft angestiegen. Nach Pentax' schwierigem Start in den DSLR-Markt versuchen sie wohl jetzt in die Gewinnzone zu kommen.
- sichtbare Vignetierung bei Blende 2,8: In Tests wird von 0,8 EV gesprochen. Bei kleineren Blenden verschwindet das Problem. Die Vignetierung ist typisch für lichtstarke Objektive und kann in Photosoftware leicht entfernt werden. Gleichzeitig verleiht sie Aufnahmen bei wenig Licht einen eigenen "Charakter"; der Bildinhalt in der Mitte wird so deutlich hervorgehoben.
- Langer Fokusweg: Eine typische Eigenschaft von Makro-Objektiven. So kann man genauer auf sehr nahe Objekte fokussieren. Andererseits ist eine Fokussierung mit dem Autofokus manchmal schwierig. Die Kamera neigt dazu, den Fokus zu jagen. Am einfachsten ist es, manuell zu fokussieren (eventuell die Kamera mit einer neuen Mattscheibe umrüsten).
- Etwas schwierig ist das Urteil über den Objektivdeckel: Einerseits ist er sehr wertig aus Alu mit Samt auf der Innenseite. Andererseits sitzt er recht locker und löst sich schon mal in der Kameratasche oder beim Ein-/Auspacken...
- 35mm und Makro: Wer Insekten fotografieren möchte, sollte lieber eine längere Brennweite wählen. Für eine 1:1-Abbildung muss man fast bis zur Linse ans Objekt. Insekten, die flüchten wollen, haben dies getan, bevor man die Kamera so nah heranführt. Ebenso wirft die Kamera bei dieser Nähe schon Schatten aufs Motiv. Tote Fliegen wirken dafür sehr lebendig.
- 35mm und "Normalobjektiv": Unser Auge sieht etwa so wie eine Vollformatkamera mit 50mm! Bilder mit 35mm wirken immer wie Weitwinkelaufnahmen. An einer APS-C Kamera gibt es eigentlich kein Normalobjektiv. Bei 50mm bekommt man nicht so viel Weite ins Bild und darunter kommt es zur Volumenanamorphose (die Nase wird beim Portrait zu groß). Wer realistische Normalaufnahmen machen möchte, sollte eine Vollformatkamera kaufen - und diese will Pentax nicht herstellen.
Fazit:
Ein Objektiv zum Verlieben! Es ist praktischer im Alltag als ein langes 50mm oder 70mm Objektiv und bietet noch eine Makrofunktion. 35mm an einer APS-Kamera brauchen eine genauere/engere Ausschnittswahl als mit Film/Vollformat. Der Cropp-Faktor zwingt den Fotografen quasi, besser zu werden. Abmessung, Bildqualität und Verarbeitung sind praktisch für den Alltag oder auf Reisen. Man kann die Kamera in die Manteltasche stecken und die Bilder am Ende an ein Reise-Magazin verkaufen, so gut werden sie.
Wer Pentax kauft, weiß was er will (und zahlt auch dafür). Für genau diese Menschen ist dieses Objektiv gemacht. Die Alternative wäre ein vollmanuelles Zeiss und damit sinnvoller Weise auch ein Wechsel zu einer Vollformatkamera.