Neue Märchen braucht das Land und die Produktion von und mit Reese Witherspoon hilft diesem Bedürfnis sehr phantasievoll ab. Dabei wird nach beinahe klassischem Erzählmuster die Geschichte eines Fluches erzählt, nur ist der Zauber, der ihn hier bricht ein wenig ungewöhnlich. Die süße Christina Ricci spielt die schweinsnasige Penelope, die nur durch die eheliche Verbindung mit einem "von ihrem Blute" vom Rüssel befreit werden soll. In vielfarbigen Kulissen schleicht die scheue Verunstaltete durch das Hochherrschaftliche Haus und bereitet sich auf den Tag vor, an dem ein Verehrer nicht schreiend vor ihrem Anblick davon läuft, sondern sie trotz Schweinsnase herzlich küsst. Doch schließlich wird ihr es ihr zu viel: Diese aufregende, glitzernde Welt hat schon viel zu lange auf ihren Auftritt gewartet! So marschiert das verzauberte Mädchen vermummt, aber entschlossen durch das heimatliche Tor und entdeckt die große Stadt.
Der Zeitpunkt des Eintritts in das selbstständige Leben ist von Penelope denkbar schlecht gewählt. Denn einer ihrer letzten Hochzeits kanditaten, Edward Vanderman (Simon Woods "
Stolz und Vorurteil"), lief vor ihrem Anblick nicht nur schreiend davon, er entkam auch dem Butler, so das nun keine Geheimhaltungserklärung von dem Mitwisser vorliegt. Und der völlig panische Edward weiß nichts Besseres, als seine Geschichte der Polizei zu erzählen. Die halten ihn zwar für einen Spinner, doch der Journalist, der vor Jahren sein Auge lassen musste, als er einen Blick auf Baby Penelope werfen wollte, sieht nun seine zweite Chance gekommen. Jetzt muss nur ein adliger Spion eingeschleusst werden, der heimlich ein Bild von Penelope in Lebensgröße schießt. In einer Spielhölle sucht der findige Zeitungsschreibling den abgebrannten Max (James McAvoy "
Geliebte Jane") auf, um ihm ein unwiderstehliches Angebot zu machen. Der spielsüchtige junge Mann geht darauf ein. Bevor Max Penelope zu Gesicht bekommt, unterhalten die beiden sich zunächst nur durch einen Spiegel. Die Unterhaltung trägt zur Freude der beiden bei, aber auch die Eltern Penelopes und die Heiratsvermittlerin sind begeistert, was die Videokamera für sie aufzeichnet. Doch als der große Moment kommt, als Penelope sich zu erkennen gibt, scheint auch dieses Date ein völliger Fehlschlag zu sein. Denn Max gesteht Penelope, dass er sie nicht heiraten kann. Als er zu einer Erklärung ansetzt, wendet sich die tief verletzte junge Dame enttäuscht ab und weigert sich, Max anzuhören. Der junge Mann gibt auf und zerstört vor seinem Auftraggeber die Kamera mit den enthüllenden Bildern.
Nach diesem erneuten Desaster beschließt Penelope, sich selbst mehr Freiheit zu gön-nen. In der großen Stadt trinkt sie ihr erstes frisch gezapftes Bier und schlendert unbekümmert durch den Park. Ihre neue Freundin Annie (Mini-Rolle von Reese Witherspoon) scheint ihr die Geschichte von der verpfuschten Nasen-OP abzunehmen. Doch als die suchenden Eltern auf ihre Tochter stoßen, gibt Penelope nach einer schnellen Verfolgungsjagd atemlos um. Besorgt nehmen ihre neuen Bekannten den Schal vom Gesicht und alle Welt blickt auf den Schweinerüssel!
Zum großen Erstaunen Penelopes nehmen die Medien großen Anteil an ihrem Schicksal und bald liebt alle Welt die Schweinsgesichtige! Sogar der vormals angeekelte Edward sucht sie auf und bittet sie um ihre Hand! Die Auflösung des Fluchs scheint nur noch ein "Ja-Wort" entfernt. Doch mittlerweile hat sich Penelope an ihr öffentliches Leben gewöhnt und sich mit ihrem Anblick anrangiert. Außerdem ist da noch eine unbestimmte Sehnsucht nach Max, dem sie in einer Bar zufällig wieder begegnete und der nun das Spielen aufgegeben hat und sich wieder der Musik widmet. Auch Penelope scheint er nicht vergessen zu haben. Soll sie ihm noch eine zweite Chance geben?
Da der Fokus der Kamera hier sehr oft auf die Gesichter der Schauspieler gerichtet hat, lebt die Geschichte sehr stark von der Mimik der Beteiligten. Simon Woods als neurotischer Adelsspross mit dem riesengroßen Ekelfaktor in Bezug auf Schweinsnasen stellt seine Gefühle ebenso auffällig zur Schau, wie uns die liebliche Scheu von der schweinsnasigen Penelope berührt. Mit der Zeit gewöhnt man sich so sehr an die Nase, dass man sich Christina Ricci gar nicht mehr ohne vorstellen kann! Okay, das ist natürlich übertrieben, aber es zeigt den Charme, den die Darstellerin zu entfalten versteht.
Auch James McAvoy geht ganz in seiner Rolle als Fast-Märchenprinz auf. Wie er sich nach einer ziemlich langen Pokerpartie endgültig vom Spieltisch losreißt oder wie er auf den ersten Anblick auf Penelope reagiert, sind große Momente, die ganz von McAvoys Ausdruckskraft leben.
Aber in welcher Stadt soll diese Geschichte spielen, die aus vielen zusammen gewürfelten Orten zu bestehen scheint? Gedreht wurde ja in London. Aber wahrscheinlich sollte das Märchenhafte der Erzählung mit den phantasievollen Eindrücken eines unwirklichen Ortes unterstrichen werden. Damit wurde hier auf jeden Fall nicht gespart und manche Kulisse wirkt es sehr kitschig oder aufgesetzt. Das Haus von den Wilherns ist zum Teil der bunt mit grünen Wänden und Penelope trägt dazu pinke und rote Kleider. Das ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber vielleicht waren die Filmemacher der Ansicht, dass auf diese farbenfrohe Ausstattung nicht verzichtet werden kann.
Auch die Figuren wurden zum Teil überzeichnet dargestellt. Zum Beispiel die furchtbar hysterische Mutter, mit ihrem Schönheitsfimmel oder die adligen Heiratsunwilligen, die vor Schreck durch das geschlossene Fenster springen. Ironie und Übertreibung mögen als Stilmittel nicht unbedingt fehl am Platze sein, aber manchmal ist es dann doch zuviel!
Das Ende des Films ist so märchenhaft und gefühlvoll, dass sich nicht nur der kleinwüch-sige Journalist eine gerührte Träne aus den Augenwickeln wischt und seine Kamera beiseite legt. Fast schon wartet man auf den klassischen Satz "Und wenn sie nicht gestorben sind..." Aber diese Worte kann man sich durchaus heimlich durch den Kopf gehen lassen!