Jede Band hätte es schwer gehabt, den hohen Standard eines Albums wie "Cosmo's Factory" zu halten. Mit "Pendulum" (1971) schwang das kreative Pendel von CCR aber zum ersten Mal zurück, was vor allem an John Fogertys Kompositionen lag. Bedeutungsloses wie Chameleon oder Sailor's Lament (mit dem eintönigen "shame, it's a shame"-Chor) hatte die Band seit dem Debütalbum nicht mehr durchgehen lassen (selbst wenn die ganze Band als Backgroundvokalisten beteiligt war). Die Schlussnummer Rude Awakening #2 mit ihren teilweise dissonanten Instrumentalpassagen zeigte, dass der Mut zum Experimentieren allein noch lange kein Garant für Qualität ist.
Zur "zweiten Reihe" (d.h. gute Albumsongs, aber keine Klassiker) gehören fünf Songs, die dann auch entsprechend auf dem Best of-Album "Chronicle Vol. 2" erschienen: Molina, It's just a Thought, das über weite Strecken instrumentale Born to move, (Wish I could) Hideaway und Pagan Baby, das als mutige Eröffnungsnummer leider nicht genauso losdrückte wie Ramble Tamble, die Eröffnungsnummer auf "Cosmo's Factory".
Diesmal gab's auch "nur" zwei CCR-Klassiker (s. "Chronicle Vol. 1"): Have you ever seen the Rain? und Hey tonight, beide auf einer Single veröffentlicht - ich staune immer wieder, wie großzügig CCR ihre Hits auf Single-A- UND -B-Seiten unterbrachten, statt die B-Seiten mit Füllmaterial zu bestücken (erst auf "Mardi Gras" blieb ihnen dann notgedrungen nichts anderes übrig)!
Auffallend am Gesamtsound des Albums war John Fogertys Bemühen um eine Erweiterung des Klangspektrums: zwar hatte er auch vorher schon mal etwas Saxophon gespielt (z.B. Travelin' Band und Long as I can see the Light); aber auf "Pendulum" gibt es kaum einen Song, der nicht von seinem geschmackvollen Orgelspiel und / oder seinen von ihm selbst eingespielten Bläsersätzen profitiert!
Die Remasters auf der "40th Anniversary Edition" von 2008 klingen einfach klasse. Der Aufsatz von Joel Silverstein im Booklet berichtet erstaunlich ehrlich, wie die drei übrigen Bandmitglieder zum ersten Mal gegen John Fogertys Vormachtstellung in der Band meuterten oder wie der Versuch, die Band durch ein TV-Special auf ein Bekanntheitslevel mit den ein Jahr zuvor aufgelösten Beatles zu heben, bei der Presse nach hinten losging.
Als Bonustracks gibt es eine live '71 in Hamburg aufgenommene rockige Version von Hey tonight in Trio-Besetzung und die Promotionsingle 45 Revolutions per Minute, Part 1 und Part 2 (bereits auf der 2001er "Holzbox" veröffentlicht), eine alberne - und höchst amüsante! - zehnminütige Tonband-Kollage, in er die Bandmitglieder in einem fiktiven Radiointerview mit dem Radio-DJ Jay Dee (!), gespielt von Doug Clifford, mit rückwärts abgespielten und beschleunigten Tonbändern rumalbern und sich zur Bandgeschichte und zu ihrem Erfolg äußern (es wimmelt nur so von "right on!", "ga-roovy!" und "outa sight, baby!"). Die witzigen Antworten auf die Frage, was sie machen würden, wenn es mal mit der Band aus sein sollte, lassen nicht erahnen, dass Tom Fogerty die Band zwei Monate nach Veröffentlichung von "Pendulum" verlassen und Creedence Clearwater Revival bereits im nächsten Jahr Geschichte sein würden.