Als dieses Bilderbuch 1912 erstmals erschien, lebten die Menschen noch in einer anderen Zeit. Den damaligen Kindern war wohl gleich klar, dass mit einem Schaf Pelles „Grundversorgung" gesichert ist:
Er hat Wolle und Milch, also Nahrung und Kleidung.
Heute leben die Kinder hier in Europa im Überfluss - Elementares wird leicht übersehen.
Umso mehr freue ich mich über dieses Buch, was die menschlichen inneren Werte mit der Harmonie der Natur in Verbindung bringt.
Und Pelle muss auch Gegenleistungen erbringen für seine neuen Kleider. So übernimmt er Verantwortung und es verbindet ihn Freundschaft zu seinem Schaf. Beide wachsen gemeinsam auf:
Die Wolle des Lammes wurde lang und länger - Pelles Jacke jedoch immer kürzer. Dieses schöne Bild verdeutlicht die Einheit von Mensch und Natur, die wir gern belächeln und die uns doch so sehr fehlt.
Es ist diese agrarische Gesellschaft - diese heile Welt der schwedischen Vergangenheit, in der auch Astrid Lindgrens Geschichten von Bullerbü und Lönneberga spielen.
Heutige Kinder erfahren im Verlauf des Buches, welche Schritte nötig sind und wie viel Arbeit dahinter steckt, wenn aus Schafwolle neue Kleider entstehen. Pelle kann das nicht allein, nein, er schert nur sein Schaf und später färbt er das Garn. Mit der so demütigen wie fröhlichen Grundhaltung, der schlichten Sprache und Gestaltung, den blassfarbigen, klaren Bildern ist das Buch ein kleines Gesamtkunstwerk, dem in der heutigen Wegwerfgesellschaft ein zentraler Platz gebührt. Absolut ohne pädagogischen Zeigefinger weist es das Füreinander als funktionierendes Gesellschaftsmodell aus
Ein wundervolles Kinderbuch, das auch heute noch nicht altmodisch ist.