Die Aufnahmen dieser CD wurden bereits im Jahr 2003 eingespielt. Es handelt sich dabei um Live-Mitschnitte, die in der Suntory Hall in Tokio entstanden sind. Von Publikumsgeräuschen, geschweige denn Applaus, ist allerdings nichts zu hören. Die Tonqualität entspricht dem hohen Standard der Studioaufnahmen der Deutschen Grammophon.
Beide Werke, das Tristan-Vorspiel sowie Pelleas und Melisande, sind mitreißende und berauschende Kompositionen, Klangorgien im besten Sinne. Pierre Boulez allerdings, der bekannt ist für seine analytisch-präzisen Interpretationen, geht diese Werke sehr gemäßigt und kontrolliert an. Selbst die wildesten Ausbrüche lässt er nicht aus dem Ruder laufen. Dadurch wirkt die Musik, besonders im Vergleich zu anderen Dirigenten, durchaus ein wenig kühl und zurückhaltend. Das steht dem (spät-)romantischen Überschwang dieser Stücke einerseits entgegen, bringt sie aber vielleicht gerade dadurch ins Gleichgewicht. Die gewählten Tempi vermitteln den Eindruck ewiger Wahrheit. Für einen so radikalen Musiktheoretiker und Komponisten wie Boulez sind seine Aufnahmen, diese eingeschlossen, von erstaunlicher Referenz-Qualität. Keine exzentrischen Kapriolen, sondern objektiv-allgemeingültige Interpretationen wie in Stein gemeißelt.