Gabriel Fauré, der von sich selbst behauptete, deswegen nie so berühmt wie seine Zeitgenossen Debussy und Ravel geworden zu sein, da er ein Komponist der leisen, sanften Töne sei, zählt wegen derselben unlängst zu meinen Lieblingskomponisten. Den Hauptteil seines Oeuvres machen Klavierwerke und -lieder aus. Weiterhin schrieb er einige Kammermusiken - herausragend vor allen Dingen das zweite Klavierquintett, das Streichquartett und die beiden Violinsonaten.
Auf dieser herrlichen CD werden exemplarisch die bekanntesten Orchesterwerke Faurés zusammengestellt, mit Ausnahme des Requiems. Seine Bühnenmusik zum Ballett Pelléas et Mélisande, über welche Claude Debussy zuvor bereits eine Oper komponiert hatte, ist schwelgerisch und träumend und insbesondere durch das Sicilienne bekannt geworden, ein zartes, pittoreskes Allegretto, dessen solistische Flötensequenzen bezaubern. Aber auch sonst ist diese Ballettsuite mehr als hörenswert: Das einleitende Prélude sowie das intermezzoartige Molto adagio wissen zu überzeugen. Der Gesang der Mélisande ist bezaubernd und anmutig.
Die Ballettsuite Dolly erinnert in ihrer Konzeption gewissermaßen an Maurice Ravels Ballett Ma Mere l'Oye. Aus einigen Gelegenheitswerken für Klavier solo orchestrierte Fauré ein zusammenhängendes Ganzes und fügte noch einige Stücke an. Es handelt hierbei um ein freilich zartes und liebevolles, aber auch etwas einfaches und effektloses Werk.
Weiterhin finden sich drei kleinere Orchesterstücke auf der CD. Après un Rêve ist genauso wie die Elegie ein tief appassioniertes und eindrucksstarkes Stück für Violoncello und Orchester. Das bekannteste Werk Gabriel Faurés ist die Pavane fis moll op. 50 für Chor und Orchester. Es handelt sich hierbei um eines der großen Werke für Orchester und Gesang: tief empfunden, leidenschaftlich und sich dennoch in moderaten Bahnen bewegend.
Das Boston Symphony Orchestra unter dem großartigen Seiji Ozawa leistet zusammen mit dem Tanglewood Festival Chorus, Jules Eskin am Violoncello und Lorraine Hunt (Was für eine Stimme!) als Sopranistin Immenses. Sie bestreiten mit ihrem energischen, vorwärts strebenden Spiel geradezu eine Vorreiterrolle bei der Verfechtung der wundervollen Musik Gabriel Faurés, für den zu hoffen bleibt, dass seine Werke im Laufe der Zeit die Beachtung finden, die sie verdienen.