Ich habe das Buch für eine einwöchige Städtereise nach Peking erworben.
Mein Urteil: zwiespältig.
Positiv ist der m.E. sehr fundierte historische Überblick und die Hintergrundinformationen zu allen Sehenswürdigkeiten - ein dickes Lob dafür. Jedoch wird das Buch dem auf der Titelseite aufgedruckten Anspruch „ideal für indivduelle Entdecker" bei weitem nicht gerecht - für den praktischen Einsatz als Städteführer außerhalb der Sehenswürdigkeiten zeigt das Buch trotz der hohen Aktualität erhebliche Schwächen, die es für den Einsatz vor Ort eigentlich sinnlos machen.
Für Menschen jedoch, die längere Zeit in der Stadt verweilen wollen, stellt der Führer eine Flut an Einkaufs- und anderen Tipps zur Verfügung, die ein ‚normaler' Tourist niemals wird ausschöpfen können.
Beispiele für die nur eingeschränkte Alltagstauglichkeit: die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel wird vom Autor so geschildert, dass man förmlich Angst hat, einen Bus oder die U-Bahn zu besteigen. Für letztere fehlen nahezu sämtliche Angaben zur „Bedienungsanleitung" (daher hole ich das hier nach: Tickets vor Fahrtantritt und beim Umsteigen neu erwerben, Stationen sind in lateinischen Buchstaben angeschlagen und die Stationsansage erfolgt in den Zügen in perfektem Englisch) - also kein Problem für Entdecker. Ärgerlich ist zudem, dass der abgebildete U-Bahn-Netzplan im Buch stark vom offiziellen Plan abweicht und im Zentrum die Ringbahnstationen sogar in der falschen Himmelsrichtung abbildet - wer sich danach so wie wir orientiert, verläuft sich garantiert.
Die öffentlichen Busse sind entgegen den Schilderungen klar und deutlich beschildert, stellen also auch (fast) kein Problem dar.
Besonders leidet das Buch unter dem miserablen Stadtplan, der nur schematisch die Magistralen zeigt - für die Orientierung zu Fuß oder zur Kontrolle des Taxifahrers ist das schlichtweg ungeeignet.
Wer wie wir dann abends im Restaurant versucht, sein Essen zu bestellen, vermisst schmerzlichst den nicht vorhandenen Chinesisch-Deutschen Sprachteil - was m.E. den größen Schwachpunkt (v.a. angesichts des Preises) darstellt.
Erwähnt sei noch, dass es mit Hilfe des Buches ein aussichtsloses Unterfangen darstellt, auch nur eine der ausschließlich in lateinischen Buchstaben geschriebenen Straßennamen einem Taxifahrer begreiflich zu machen. Eigentlich schade, denn die Adressen zeigen, dass Herr Nadler offensichtlich wirklich ein intimer Pekingkenner ist und als solcher sehr fleißig recherchiert und hunderte von Adressen zusammengetragen hat - und wer fließend chinesisch sprechen kann oder einen Übersetzer an der Hand hat, wird sich damit bestimmt leicht zurechtfinden.
Fazit: Dieser Reiseführer aus der Iwanowski's Reisebuchverlagsreihe hat mich nicht so ganz überzeugt und erreicht nicht das sonst übliche Niveau dieser Reihe. Wenn man ihn jedoch mit einem kompakten Reiseführer (z.B. von Marco Polo) kombiniert, hat man einen Informationsschatz an der Hand, der einem auch ohne menschlichen Reiseführer die Stadt erschließt. - Daher nur 3 Sterne für das Buch. Eigentlich schade!