Vorwort: Unter Euro-Spiel versteht man die mittlerweile klassischen deutschen Strategiespiele, im englischen auch german-style boardgame genannt. Das sind so Spiele wie El Grande, Cuba, Havanna, Puerto Rico, Agricola, Carcasssonne, Siedler usw., also letztlich Spiele bei denen in der Regel nie ein Spieler ausscheidet, bei denen man Siegpunkte sammelt und durch die Mechanismen in der Regel alle Spieler am Ende relativ nah zusammen sind bei den Siegpunkten. Was diese Spiele insbesondere auszeichnet ist der Faktor das sie zwar meistens nette, funktionierende Mechanismen haben, das Thema das Spiels aber letztlich oftmals vollkommen beliebig ist und meistens ohne Probleme durch ein anderes ersetzt werden könnte. Weitere große Spielegruppen wären noch Abstrakte Spiele, Wargames, thematische Spiele und Partyspiele. Wenn ich mich also auf Euros beziehe, dann sind damit Spiele in der Art wie die anfangs aufgezählten gemeint.
===
Zum Spiel selbst:
### Allgemeines ###
Santiago de Cuba ist der kleiner Bruder des Spieles Cuba. Cuba habe ich selbst leider nie gespielt, allerdings wurde mir gesagt, das es eine Art Puerto Rico in hübsch ist. Santiago de Cuba ist für zwei bis vier Spieler geeignet und dauert in der Regel ca. eine Stunde. In dem Spiel geht es darum Siegpunkte zu sammeln. Die gibt es in erster Linie dafür wenn man Waren auf ein Schiff liefert, das im Hafen von Santiago liegt. Allerdings gibt es auch bestimmte Aktionen bzw. Orte die einem Siegpunkte bringen. Jedesmal wenn ein Schiff komplett mit Waren beliefert wurde legt es ab. Sobald sieben Schiffe beliefert wurden bzw. abgelegt haben, ist das Spiel zu ende und die Siegpunkte werden gezählt. Gewinner ist natürlich der mit den meisten Siegpunkten
### Spielablauf ###
Es gibt ein kleines Auto, das man im Kreis über mehrere Stationen über den Spielplan bewegt. Jede Station entspricht einem Charakter den man nutzen kann, wenn das Auto dort angekommen ist. In der Regel bekommt man bei diesen Charakteren Warensteine, kann aber auch Siegpunkte bekommen oder Gebäude kontrollieren. Die Charaktere werden vor jedem Spiel zufällig neu auf den Ablageplätzen ausgelegt. Das Auto kann sich dabei immer für umsonst eine Station weit fortbewegen, möchte man weiter fahren muss man jeweils einen Siegpunkt pro weitere Station bezahlen. Jeder Charakter ist mit drei von zwölf Gebäuden verbunden. Auch diese werden in jeder Partie neu verteilt, so das jeder Charakter in jeder Partie mit anderen Gebäuden verbunden ist.
Wenn ich dran bin, bewege ich das Auto so weit wie ich möchte / kann. Dann nutze ich den Charakter, erhalte also beispielsweise Warensteine. Anschließend darf ich meine Spielfigur auf eines der drei mit diesem Charakter verbundenen Gebäude setzen und auch dieses benutzen.
Die Gebäude haben unterschiedlichste Funktionen. Bei manchen kann ich vereinzelt waren auf das Schiff liefern, bei anderen kann ich einfach so bestimmte Waren in Siepgunkte umwandeln, bei anderen bekommt man Geld, bei anderen kann man Geld in Siegpunkte umwandeln, bei anderen kann man Waren in andere Waren tauschen usw. Im Prinzip nichts neues. Nachdem man dann sein Auto bewegt, den Charakter und das entsprechende Gebäude genutzt hat ist der nächste Spieler an der Reihe.
Der eigentliche Spielablauf ist somit sehr simpel.
Immer wenn das Auto im Hafen ankommt werden die Waren auf das Schiff geliefert. Für jedes Schiff wird nachdem das letzte abgelegt hat mit fünf Würfeln in den Farben der Warensteine gewürfelt, die zahlen können dabei von 0 - 4 gehen. So viele Waren der entsprechende Farbe kann das Schiff aufnehmen. Liefert man eine Ware, dreht man den Würfel einfach auf die niedrigere Zahl, bis irgendwann überall die Null steht, dann legt das Schiff ab. Es gibt allerdings auch ein Gebäude bei dem man einen Würfel auf Null drehen kann. Man muss also im Auge behalten, welche Waren die Mitspieler so haben, die sie allerdings hinter einem Sichtschirm verbergen dürfen. Normalerweise bekommt man für eine gelieferte Ware zwei Punkte, dies kann aber durch verschiedene Spielmechanismen auf drei oder vier Punkte ansteigen, es kann sogar passieren das ein Schiff ablegt, ohne das es komplett gefüllt ist.
So verläuft das Spiel dann solange, bis das letzte Schiff abgelegt und ein Spieler somit gewonnen hat. Ich habe hier nicht alle Mechanismen im Detail erklärt, weil dies zum generellen Spielverständnis meiner Meinung nach nicht wichtig ist.
====
### Meine Meinung ###
Santiago de Cuba ist ein absolut klassisches Euro-Game. Und zwar durch und durch. Eines das wunderbar funktioniert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten an Siegpunkte zu kommen, man kann sogar seine Mitspieler ärgern, in dem an Besitz an bestimmten Gebäuden erwirbt und somit Siegpunkte erhält wenn sie es nutzen oder aber man kann auch bestimmte Charaktere eine Runde lang sperren. Es ist also durchaus sogar Interaktion vorhanden, etwas was ich bei Spielen generell sehr schätze. Doch leider muss ich sagen ist Santiago de Cuba eben wirklich durch und durch ein klassisches Eurogame. Die Mechanismen sind nicht neu, es ist ein klassisches Warensteine-sammeln-und-zu-Siegpunkten-umwandeln-Spiel. Sowas hat es schon zu Hauf gegeben und sowas wird es auch immer wieder geben. Das ist natürlich einerseits gut so, aber ich frage mich langsam wirklich wer so etwas noch braucht. Hat man zwei, drei Spiele aus dieser Richtung, benötigt man meiner Meinung nach nicht unbedingt noch zig Spiele, die alle den gleichen Kern haben. Bitte nicht falsch verstehen: Santiago de Cuba ist ein schönes Spiel. Es funktioniert, macht Spass, man grübelt, man benötigt einen Plan und eine Strategie sonst sieht man keine Sonne. Ich selbst habe auch schon über 500 verschiedene Spiele gespielt, daher ist es klar, das einem vieles bekannt vorkommt. Aber dennoch gibt es immer wieder Spiele die mich begeistern können, weil sie irgendwas neues haben, irgendwas besonderes, irgendwas was gerade dieses Spiel von anderen unterscheidet. Santiago de Cuba hat so etwas leider nicht.
### Fazit ###
Zusammenfassend kann man sagen das Santiago de Cuba ein schönes Spiel für alle diejenigen ist, die gerne klassische Strategiespiele mögen. Egal ob im Freundeskreis oder als schönes Familienspiel macht es eine sehr gute Figur. Die Regeln sind leicht zu verstehen, dennoch bietet das Spiel eine gewisse Herausforderung. Gerade auch der Zeitfaktor ist positiv hervorzuheben, da man hier ein vollwertiges Strategiespiel bekommt, welches tatsächlich gut in 45 bis maximal 60 Minuten zu spielen ist. Somit sind auch mehrere Partien hintereinander, oder eine kurze Partie mit der Familie bevor die Kinder ins Bett müssen sehr gut möglich und auch für alle die nach einem langen Arbeitstag nicht mehrere Stunden vor einem Strategieoberhammer sitzen wollen ist es wunderbar geeignet. Für Leute die allerdings schon relativ viele Spiele kennen und auch schon viele aus diesem Genre besitzen bietet Santiago de Cuba meiner Meinung nach allerdings nichts wirklich neues, besonderes was mich dazu verleiten würde, einem vielspieler dieses Spiel ans Herz zu legen. Letztlich bleibt das Gefühl, das man das alles irgendwo schonmal gesehen hat. Zu welcher Gruppe von Spieler man gehört, muss dann letztlich jeder selbst entscheiden.
Festzuhalten bleibt: Santiago de Cuba ist ein schönes Spiel, aber kein außergewöhnliches.