Modern Art könnte man als Archetypen des Versteigerungsspiels bezeichnen. In diesem Spiel wird nur und ausschließlich versteigert. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rolle von Kunsthändlern und stehen dabei vor einem realistischen Problem: Welcher Künstler wird den Durchbruch schaffen, welcher kann seinen Marktwert kontinuerlich steigern, wer versinkt in der Bedeutungslosigkeit?
Die Schwierigkeit des Spiels besteht darin, dass man am Anfang nicht weiß, ob das zu ersteigernde Gemälde viel wert sein wird, nur wenig oder gar gar nichts. Hat man den richtigen Riecher? Oder doch auf das falsche Pferd den falschen Pinsel gesetzt?.
Wie geht das ganze?
Es gibt grundsätzlich vier verschiedene Auktionsarten. Jeder Spieler bekommt je nach Spielerzahl eine bestimmte Anzahl Karten auf die Hand, welche die Gemälde der fünf Künstler des Spiels zeigen. Diese Künstler sind unterschiedlich fleißig, der faulste hat nur 12 Gemälde gemalt, der fleißigste 16 Bilder, so dass man weiß, wieviele Gemälde es von jedem Künstler gibt.
Jede Karte zeigt in der oberen Ecke ein Symbol an, welches angibt, auf welche Art das Gemälde versteigert wird. Es wird im Uhrzeigersinn gespielt, wer an der Reihe ist wählt eine seiner Handkarten, legt sie auf den Tisch und handelt die Auktion so ab, wie sie auf der Karte angegeben ist. Gewinnt er selbst seine eigene Auktion kommt das Geld in die Bank und ist somit erstmal aus dem Spiel, ansonsten bekommt er das Geld vom Gewinner und gibt dafür das Bild ab.
Die Auktionen:
Kreuz und quer: Eine klassische Auktion wie man sie kennt. Jeder wirft kreuz und quer ein Gebot in den Raum, der Auktionator kann nach jedem Gebot runterzählen und den Zuschlag erteilen.
Reihum: Beginnend links vom Auktionator gibt jeder Spieler ein Gebot ab. Der folgende Spieler muss entweder ein höheres Gebot abgeben oder passen. Am Ende kann der Auktionator das Gebot annehmen und das Geld bekommen, oder wenn er denkt das Gemälde sei deutlich mehr wert, selbst ein höheres Gebot abgeben und das Bild selbst ersteigern
Preis ansagen: Der Auktionator sagt einen festen Preis an, den er für das Gemälde haben möchte. Wieder beginnend links von ihm kann nun jeder Spieler sagen, ob er diesen Preis zahl möchte oder nicht. Der erste Spieler in der Reihe, der ihn zahlt, erhält den Zuschlag und die Auktion ist vorbei
In die Faust: Jeder Spieler nimmt den Betrag, den er gewillt ist für das Bild zu zahlen in seine Faust (das Geld besteht aus kleinen Pappchips). Haben das alle getan öffnen alle ihre Faust und wer den höchsten Betrag geboten hat, erhält das Bild.
Noch eine Karte: Legt man ein Gemälde mit diesem Symbol, so muss man ein weiteres Bild vom gleichen Künstler mit dazu legen. Beide Gemälde werden dann entsprechend des Symbols des zweiten Gemäldes versteigert, es ist nicht zulässig ein weiteres "Noch eine Karte" Gemälde zu legen.
Die Wertung oder auch: Einkommensphase
Sobald von einem Künstler das fünfte Gemälde auf dem Tisch liegt endet die aktuelle Runde und es kommt zu einer Wertung. Das Gemälde wird nicht mehr versteigert, so dass von einem Künstler maximal vier Gemälde ausliegen können. Nun wird geschaut von welchem Künstler die meisten Gemälde ausliegen, dieser Künstler bekommt auf der Wertungstafel in die Reihe für die erste Runde eine 30 (Künstler A) gelegt. Bei Gleichstand ist der Künstler wertvoller, von dem es weniger Gemälde gibt. Der Zweithäufigste bekommt eine 20 (Künstler B), der dritte eine 10 (Künstler C), die anderen gehen leer aus. Nun bekommen die Spieler Einkommen. Jedes Gemälde ist so viel Wert, wie alle Zahlen unter dem Künstler auf der Wertungstafel addiert ergeben. Wenn Flo 1 Bild von Künslter C und 2 von Künstler A in dieser Runde ersteigert hätte, würde er dementsprechend 70 Geld bekommen. Tim, der zwei Bilder von Künstler B bekommen hat würde 40 Geld bekommen.
Dann findet wieder eine Versteigerungsrunde statt, an deren Ende es zu einer Wertung kommt. Nehmen wir an Künstler A ist nur noch am dritthäufigsten Versteigert worden, so bekommt er jetzt in die Reihe für Runde 2 eine 10, Künstler C wurde besonders oft versteigert und erhält eine 30 und ganz neu dazugekommen ist Künstler E der es in dieser Runde auf Platz zwei geschafft hat und eine 20 erhält.
In dieser Runde konnte manche Künstler ihren Wert deutlich steigern, denn die Werte in allen Spalten werden jeweils zusammen gezählt
Die Werte wären:
Künstler A : Runde 1 30 + Runde 2 10 = Wert von 40
Künstler B: Runde 1 20 + Runde 2 0 = Wert von 20
Künstler C: Runde 1 10 + Runde 3 30 = Wert von 40
Künstler D: Runde 1 0 + Runde 2 0 = Wert von 0
Künstler E: Runde 1 0 + Runde 2 20 = Wert von 20
und so steigern in jeder Runde die Künstler ihren Wert und man erhält mehr Einkommen für die ersteigerten Bilder (übrigens nur die der aktuellen Runde, die alten erworbenen Werke kommen vom Tisch). Nach vier Versteigerungsrunden und der finalen Einkommensphase gewinnt der Spieler, der die meisten Reichtäumer durch seine Geschäfte anhäufen konnte.
Meinung:
Das Spiel ist im Grunde ein klassischer Knizia und sehr mathematisch. Wenn man es mit Grüblern spielt, können diese wohl schonmal ein wenig länger Rechnen. Aber obwohl es so mathematisch ist, hat es bisher in jeder Spielrunde wo ich es vorgeschlagen habe Anklang und Zuspruch gefunden. Denn im Grunde ist es mehr ein Zockerspiel, da man viele Faktoren selbst nicht in der Hand hat. Ein kritisches Element ist das man nicht weiß wann eine Runde endet. Der von mir eben teuer erworbene Künstler kann rapide im Wert verlieren, wenn die anderen Spieler die Runde nicht beenden, sondern selbst noch andere Künstler ins Spiel bringen und meiner somit vom ersten auf den zweiten Platz rutscht, oder gar komplett aus der Wertung für diese Runde fliegt. In späteren Runden bekommt man zwar immer noch Geld, wenn der Künstler in den vorherigen Runden in der Wertung gelandet ist, aber ärgerlich ist es trotzdem wenn man sich mehr ausgemalt hat. Andererseits freut man sich natürlich wenn man selbst ein Bild zu einem hohen Betrag losgeworden ist. Hat man die richtigen Karten auf der Hand kann man durch die eigenen Auktionen mehr Geld machen, als man durch die Gemälde in der Wertungsphase verdient. Optimal ist es, wenn man es schafft aus beidem den größtmöglichen Profit rauszuschlagen.
Modern Art spielt man am besten zu fünft, der Maximalbesetzung, zu viert ist es auch noch möglich, für weniger Spieler gibt es andere Spiele. Das Spiel spielt sich relativ flott, wenn es jeder kennt, dürfte eine Partie in 45 - 60 Minuten absolviert sein. Das Spiel ist mittlerweile ein wahrer Klassiker geworden, ich habe noch die ältere Version, deren Grafiken für heutige Augen sehr, sehr hässlich sind. Dafür sind die Beträge höher, jeder startet mit einem Startkapital von 100.000 und nicht von 100, die Bilder sind 30.000 Wert und nicht 30. Ich weiß nicht wieso das in der neuen Version geändert wurde, mit 426.000 zu gewinnen ist viel cooler als mit 426. Dafür sind die neuen Grafiken ein echter Pluspunkt, das Spiel ist visuell viel ansehnlicher geworden. Am Regelwerk hat sich nichts geändert, das Spiel wurde nur ein wenig auf modern getrimmt.
Fazit
Wer Modern Art noch nicht kennt sollte es zumindest einmal gespielt haben, besser zwei oder dreimal. Trotz seiner fast 20 Jahre ist es kein altbackenes Spiel, das heute nicht mehr zeitgemäß wäre, da es sich lediglich auf den Grundmechanismus der Versteigerung beschränkt, was Zocken bedeutet und Zocken immer beliebt ist. Ein Spiel das definitiv einen Platz in der Hall of Fame der Brettspiele hat, aber trotz seiner relativ simpel erscheinenden Mechaniken auf jeden Fall eine Herausforderung darstellt. Viele Menschen mit denen ich es gespielt habe bezeichnen es als "richtig gut, aber auch sehr schwer". Ich persönlich finde das Spiel mit jeder Partie besser und besser.