Viva el Presidente ist ein Familienspiel für bis zu 5 Personen von deutschen Pegasus-Verlag, die Idee stammt von amerikanischen satirischen Strategiespiel der 70-Jahren: Junta - Republica de las Bananas. In Viva el Presidente haben die früheren Junta-Midglieder damals angesammelte Entwicklungshilfe jeweils in ein Anwesen investiert, bekämpfen einander mithilfe von privaten Milizen und versuchen dabei, ihr Anwesen soweit wie möglich auszubauen und zwar schneller, als die Konkurenz.
Ich und meine Freunde mögen die Originalversion von Junta sehr. Einziges Manko von Original war für mich immer, dass wir in 3-4 Stunden oft nicht geschafft haben, das Spiel zu Ende zu spielen. Als ich diese neue, vereinfachte Version gesehen habe, habe ich mir sofot ein Exemplar geholt und wir haben eine Runde gespielt. Meine Freunde, Junta-Liebhaber, waren von dieser Runde sehr enttäuscht, da man in Viva el Presidente nur ein kleines Bruchteil von dem wiederfindet, was man an grossen Junta so gemocht hat: Es gibt nur 45 Spielkarten, Geld ist in dieser Menge auch dabei! Dementsprechend arm ist die Auswahl an verschiedenen Ereigniskarten (etwa die Hälfte von dieser Menge). Es gibt in dieser Version auch gar nicht so viel Kommunikation zwischen den Spielern. Und das schönste am Original, die satirische Komponente, ist hier praktisch vollständig verschwunden. Es gibt weder Wahlen, Ämtervergabe oder Haushaltabstimmung, noch eine Attentatphase. Dafür aber sind die Regeln klar und sehr gut verständlich und man kann quasi sofort einsteigern. Sehr hilfreich sind auch die kleinen Miniregeln, die 5x, also für alle Spieler, zur Verfügung stehen. Man kann endlich auch vernünftig zu dritt spielen. Aus einem recht bösen und sehr, sehr satirischen Originaljunta mit kaum durchschaubaren Regeln und 4-5 Stunden Spielzeit ist ein echt deutsches gutbürgerliches Familienspiel geworden, das man zu dritt in 45 Minuten spielen kann.
Kurz zum Spielmaterial:
Es gibt 5 Anwesen, 20 Milizwürfel, 45 Spielkarten, 25 Gebäudeplättchen, 5 Sichtschirme, 5 Miniregeln und 1 Presidentenbrille.
Qualität und Haltbarkeit von Spielmaterial würde ich als sehr gut einschätzen. Die Idee mit Presidentenbrillen fand ich, als Brillenträger, aber gar nicht so schön. Man kann aber die Brille auch ganz gut beiseite legen.
Kurz zum Spielablauf:
Zuerst wird das Amt des Presidenten gewürfelt.
Es wird dann in Runden gespielt:
Zuerst kriegen alle Spieler 1 Spielkarte (in erster Runde 2) und der President 2 + 1 pro Spieler, also bei 5 Spielern 7 Karten.
Dann verteilt der President sogenannte Versprechungen: Mindestens eine Karte pro Spieler.
Dann entscheiden sich die Spieler, ob sie jemanden mithilfe eigener Milizen angreifen wollen oder lieber sich selbst oder den Presidenten verteidigen wollen. Die Milizen werden mit Sichtschutz verdeckt, damit die Spieler nicht die Pläne von anderen durchschauen. President darf niemanden angreifen, nur sich selbst verteidigen.
Danach werden die Kämpfe ausgetragen: Man spielt (die recht wenigen) Kampf-Spielkarten und würfelt dann. Wenn eigener Kampfwert, also die Summen von eigenen Würfeln und ggf. Spielkarten, sowie bei Verteidiger auch von Gebäuden, grösser (bei Verteidigung auch gleich) als die von Gegner ist, hat man gewonnen. Wenn man als Angreifer gewonnen hat, darf man eine Spielkarte von Verteidiger verdeckt ziehen. Gab es mehrere Angreifer, wird der Reihe nach gezogen, abhängig von eigenen Kampfwert. Die Milizen von President haben immer den Kampfwert 1, da ist der President recht benachteiligt, was ihm dazu bringen soll, bessere Versprechungen zu machen. :) Hat man den Presidenten besiegt, wird der Angreifer mit höhsten Kampfwert automatisch zum Presidenten erklärt. Hat man den Presidenten angegriffen, verliert man automatisch die ihm gegebene Versprechung. Wurde der President besiegt, verlieren alle ihre Versprechnungen. Erst am Ende der Kampfphase darf man die Versprechungen zu eigenen Handkarten addieren.
In letzter Phase gibt man das Geld aus, bzw spielt die vorhandenen Spielkarten. Ziel ist es, so schnell wie möglich 5 Spielpunkte zu erreichen. Spielpunkte gibt es für alle Gebäuden auf eigenen Anwesen, sowie für 2 Spielkarten - Jacht und Luxuskarosse. Es lohnt sich dementsprechend, so schnell wie möglich Gebäude (kostet 4 Millionen) zu kaufen. Man kann aber auch neue Milizen (2 Millionen) oder 1 neue Spielkarte (1 Million, nur einmal pro Runde) kaufen. Da es kein Wechselgeld gibt, ist man oft gezwungen, neue Milizen oder Spielkarten zu kaufen, obwohl man eigentlich lieber sparen würde. :)
Man spielt Viva el Presidente ziemlich schnell, abhängig von Spielerzahl 45-70 Minuten. Kann man also auch mal zwischendurch spielen. Wie schon angemerkt, ist der Spielspass aber mit Originaljunta überhaupt nicht vegleichbar. Dennoch eignet sich dieses Spiel auch für jungere Spieler sehr gut. Mein 7-järiger Sohn konnte ohne weiteres mitspielen, die Einteilung als Familienspiel kann ich also sehr gut nachvollziehen.
Was ich gut und was ich nicht so gut an Viva el Presidente finde:
+ Sehr verständliche Regeln
+ Sehr guter Spielmaterial
+ Für Kinder ab etwa 7 geeignet (Laut Verlag ab 10)
+ 50-70 Minuten reichen, um das Spiel zu Ende zu spielen
+ Sehr gut für Junta-Einsteiger
- Viel zu wenig Spielkarten (die 45 Karten werden im Laufe des Spiels mehrmals neu gemischt)
- Wenig Abwechlung bei Spielkarten
- Weniger Kommunikation zwischen Mitspielern als bei Originaljunta
- Kaum Satire und Flair von Originaljunta. Frust bei Juntaliebhabern fast vorpogrammiert
Fazit: Ich kann dieses Spiel an alle empfehlen, die es mit jungeren Kindern zu spielen plannen. Auch als ein Spiel für zwischendurch eignet sich Viva el Presidente. Wenn man aber ernsthaft in das turbulente Leben von Republica de las Bananas tauchen möchte und Wert an Kommunikation und Satiere legt, der sollte lieber über den Kauf von Original nachdenken. Übrigens, diese Version würde ich als einen leichten Einstieg ins Original bezeichnen. Liebhaber von Original sollten zuerst die Anleitung (gibt es auf Pegasus-Webseite) lesen, um sich unnötige Überaschungen zu ersparen. Ich persönlich habe den Kauf nicht bereut, weil ich ja endlich Junta auch mit meinem Sohn spielen kann. Deswegen gibt es 4 Sterne, sonst hätte ich 3 vergeben.