Hi,
ich hab zum ersten mal von Junta durch einen Freund (der leider rund 1000 Kilometer südlich wohnt) gehört, der mich prompt auch zu einem Junta-Abend eingeladen hat. Das Spiel hat mir da so gut gefallen, dass ich mir ein eigenes gekauft habe und dieses jetzt ein paar Mal mit meinen Freunden gespielt habe. Bisher habe ich es nicht bereut und ich glaube auch nicht, dass sich das noch ändern wird.
Junta ist ein Spiel für 5-7 Spieler. Es gibt zwar auch Varianten mit weniger Spielern, die aber nehmen dem Spiel einen wesentlichen Punkt seiner Dynamik. Meiner Meinung nach, macht es am meißten Spaß mit 7 Leuten. Im Spiel selbst übernehmen die einzelnen Mitspieler die Rollen von Oberhäuptern einer der großen Familien der Republica de las Bananas. Der kleine Inselstaat wird durch eine nett gemachte Karte (auf der sich sogar künstliche Fettflecken befinden) dargestellt, die allerdings nur für einen kleinen Teil des Spiels gebraucht wird, edoch die Athmosphäre ungemein unterstützt. Die Republica de las Bananas wird von einer Supermacht "die keine Fragen stellt" mit Entwicklungshilfe unterstützt. Ziel eines jeden Spielers ist es das Geld zu veruntreuen und auf sein Schweizer Bankkonto zu schaffen. Dbaei soll er (steht in den Regeln) seine Mitspieler hintergehen und betrügen.
Am Anfang wählen die Spieler aus ihrer Mitte einen Präsidenten. Dabei stellen sich die potentiellen Kandidaten mit flammenden Reden vor und werben um die Unterstützung der anderen Mitspieler. Der folgende Präsident kann nämlich zunächst einmal die Ämter verteilen. Da wäre der Innenminister, der die Polizei kommandiert und gratis Attentate ausführen kann, drei Brigardegeneräle die die Bodenstreitkräfte kontrollieren und der eher nutzlose Chef der Luftwaffe, der drei Luftangriffe und eine Einheit Falschrimjäger unter sich hat. Nicht zu vergessen natürlich der Admiral der Marine, ebenfalls eher nutzlos.
Nachdem die Ämter verteilt sind gehts ans Verteilen der Entwicklungshilfe. Der Präsident zeiht dabei 8 Scheine verdeckt vom Entwicklungshilfe-Pott. Auf den Scheinen befinden sich Summen von 1-3, das heißt er kann von 8 Millionen Pesos bis zu 24 Millionen Pesos erhalten haben. Nun wird das Geld verteilt. Der Innenminister kommt meistens gut weg (gratis Attentate auf den Präsidenten sind auch eher unangenehm), auch die Generäle gehen selten Leer aus. Ganz anders der Luftwaffengeneral und der Admiral. Nachdme der Präsident das Geld verteilt hat, stimmen die Spieler darüber ab. (D.h. alle Spieler haben durch ihr Amt eine Stimme + entwäige Unterstützungskarten wie Gewerkschafter, Sozialisten, Studenten, Konservative, Kirche). Ist der Haushalt angenommen, geht alles klar und es wird normal weitergespielt. Lehnt das Parlament den Haushalt ab (was bei 7 Spielern oft vorkommt), so kann der Innenminister das Parlament besetzen und den Haushalt durchsetzen auch dann gehts halbwegs normal weiter. Wenn nicht, dann behält der Präsident das gesamte Geld für sich allein.
Nun wählen die Spieler ihre Aufenthaltsorte für die laufende Runde. Dazu gehören Orte wie Freundin, Zuhause, Hauptquartier und natürlich die Bank. Außer der Bank haben die Orte keine Funktion, sind aber wichtig für die Attentate. Die Spieler die nämlich einen Attentäter gezogen haben können ihn auf einen anderen Spieler hetzen, müssen aber den Ort richtig raten. Beliebt ist dabei die Bank, denn wenn man die lebend erreicht kann man sein Geld aufs sichere Schweizer Konto bringen. Wird man getötet, so kriegt der Auftragsgeber des Attentäters nämich den ganzen Besitz und man verliert dazu noch alle Politikkarten.
Ist auch die Attentäter Phase ausgespielt kann das Putschspiel anfangen. Dazu muss es einen Putschvorwand geben. Entweder durch eine Ablehnung des Haushaltes, oder durch eine politische Karte die einen Putschvorwand entstehen lässt. Nun entscheiden sich die Spieler ob sie für oder gegen den Präsidenten sind und kämpfen in Risikoähnlicher Manier um die wichtigen Zentren auf der Karte.
Gewinnen die Rebellen. wählen sie aus ihrer Mitte einen neuen Präsidenten, der daraufhin einen belieben Mitspieler vor ein erschießungskommando stellen darf (und dabei sein ganzes Geld erhält). Gewinnt der Präsident darf er einen der Aufständischen hinrichten lassen und sich widerum sein ganzes Geld geben lassen :)
Wenn das Putschspiel, sofern es denn stattfindet, zu Ende ist, fängt eine neue Runde an. Die Spieler ziehen je 2 Politikkarten und der Präsident vergibt die Ämter neu (oder belässt alles beim alten) usw.
Zuletzt will ich nochmal sagen, dass Junta zwar ein umfangreiches Regelwerk enthält, jedoch unter Anderem davon lebt, dass man miteinander kommuniziert. Wer einen Putsch starten will, sollte das nicht aus dem Bauch heraus machen, sondern vorher mit jemandem "dem man zufällig in der Küche getroffen hat" eine Abmachung starten sich zu unterstützen. Entsprechend erhöht es den Fun-Faktor auch, wenn man nebenbei grillt und das Spielfeld mal für eine halbe Stunde verlässt. Außerdem ist es wichtig das Spiel mit kreativen Mitspielern zu spielen. Wer auf Monopoly steht wird sich mit Junta schwer tun. Es lebt davon, dass die Mitspieler es entsprechend ausgestalten. Die Regeln kann man dabei gerne auch beliebig verändern oder erweitern, zumal das Regelwerk bei Junta auch eher undeutig ist. Alles in allem kann ich dieses Spiel nur empfehlen, es ist mit großem Abstand das beste was ich bisher gespielt habe.