Im Wandel der Zeiten spielt sich zwar wie ein Brettspiel - tatsächlich hat man es jedoch viel mehr mit Karten zu tun. Es gibt ein paar Karten der Antike und danach eine ganze Reihe weiterer Karten aus drei weiteren Zeitaltern. Jedes Zeitalter stellt eine Spielphase dar. Nach und nach kommen Karten der jeweiligen Periode ins Spiel und können von den Spielern durch den Einsatz von Aktionspunkten für den ausbau der eigenen Zivilisation ausgewählt werden. So erhält der Spieler Technologien, Anführer, eine neue Regierungsform, Wunder, einen bestimmten Bonus u.s.w., die aber meistens nicht sofort zur Anwendung kommen. Technologien bspw. bringt man durch den Einsatz von Rohstoffpunkten ins Spiel und kann dann bestimmte Gebäude auf den Karten errichten, die dann selbst neue Punkte und Rohstoffe produzieren. Die errichteten Gebäude werden durch die dort tätigen Arbeiter repräsentiert. Diese müssen glücklich gehalten werden und man muss genügend Nahrung produzieren. Nebenher lassen sich auch Militäreinheiten aufstellen, mit denen man gegenüber dem Mitspieler durch Aggressionen, Kriege und bei Ereignissen recht große aber nicht immer entscheidende Vorteile erlangen kann.
Viele Mechanismen die im Wandel der Zeiten zum Einsatz kommen, sind aus Computerspielen bekannt. Civilisation wird von anderen Spielern immer wieder als geistiger Vater genannt. Im Wandel der Zeiten sehe ich als Versuch die Zusammenhänge eines Computerspiels möglichst umfassend nachzubilden, ohne auch nur den Versuch zu starten, die Vielzahl an kleinen Aufgaben durch einfache zentrale Mechanismen zu ersetzen, so wie es oftmals in anderen spielen der Fall ist. Das führt dazu, dass man während seines Zuges eine Menge Dinge beachten, Steine hin und herschieben und Leisten anpassen muss. Selbst geübten Spielern dürften hier ab und zu mal kleinere Fehler im Mikromanagement passieren. Ein Computer kann das eindeutig besser und komfortabler - bietet aber eben nicht das Brettspielfeeling.
Vor dem Hintergrund des anvisierten Spielprinzip, ist die Umsetzung meines erachtens außerordentlich gut gelungen. Der Aufbau der eigenen Zivilisation bietet sehr viel Spaß und eine sehr hohe strategische Tiefe. Schön ist auch, dass sich sehr genau voraussehen lässt was eine bestimmte Aktion bewirkt, so dass langfristige strategische Planungen möglich werden. Auch das Thema gefällt. Glück ist zwar da, aber beschränkt sich weitgehend auf die Variation des Spielablaufes. Ein ganz großer Pluspunkt des Spiels: Es ist das erste, mir bekannte, nicht-abstrakte Strategiespiel mit großem Tiefgang, dass sich auch zu 2 Spielern sehr gut spielen lässt (Spieldauer für geübte Spieler knapp 3 Stunden im Expertenspiel - im Fortgeschrittenenspiel knapp 2 Stunden)! Zu dritt und viert nehmen die strategischen Interaktionsmöglichkeiten durch Pakte noch gering zu, allerdings verlängert sich aber auch die Spieldauer - evtl. sogar erheblich.
Noch ein Wort zu Anleitung und Material:
Über die Anleitung kann man sich streiten. Um die vielen kleinen Zusammenhänge zu erlernen, teilt sie zunächst in ein Anfänger, Fortgeschrittenen und Expertenspiel. (Die Mechanismen des Spiels machen es auch für erfahrene Spieler notwendig, sich Schritt für Schritt in das Spiel einzufinden. In der ersten Partie gefällt aber auch das Einsteigerspiel.) Was mir an der Anleitung weniger zugesagt hat, ist dass jede Aktion unnötigerweise viel zu ausführlich erklärt wird. So muss man erstmal sehr viel Text durcharbeiten, um die Mechanismen des Spiels in ihrer Gesamtheit erfassen zu können. Trotz der Länge sind die langen Erklärungen und selbst die Beispiele an einigen Stellen leider nicht überall zielgenau geraten und lassen ab und zu Fragen offen - z.B. bei der Erklärung des "Wechselns" eingesetzter Ressourcen.
Das Material ist meiner Meinung nach gut. Für dieses Spiel braucht man viel Platz. Das Spielbrett, auf dem nur die Karten gelagert und die Punkte gezählt werden, ist tatsächlich ein bißchen zu groß geraten. Hier hätte man evtl. etwas Platz sparen können, um die Holzspielsteine und das zusätzliche Brett jedes Mitspielers etwas größer zu machen.