Ist die Rettung der Menschheit schon Routine geworden? Nein. Jedenfalls nicht, wenn die neu auf deutsch erschienene Erweiterung Pandemie - Auf Messers Schneide auf den Spieltisch kommt. Sechs neue Rollen, die Überarbeitung einer bereits existierenden Rolle und acht neue Ereignisse gestalten das Grundspiel nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch anspruchsvoller. Die neue Schwierigkeitsstufe Legendär trägt ihren Namen zu Recht. Da ist die Möglichkeit mit Hilfe der Erweiterung einen fünften Mitstreiter zu integrieren mehr als willkommen. Denn die neuartigen Herausforderungen haben es in sich. Nicht nur, dass eine der Seuchen einen virulenten Stamm bekommen kann, eine fünfte Seuche kann Einzug halten. Und zu schlechter Letzt macht ein Bioterrorist uns Weltenrettern das Leben zusätzlich schwer.
Rufen wir uns doch nochmals das Grundspiel in Erinnerung. Bei Pandemie sind wir hoch spezialisierte Mitglieder eines Seuchenbekämpfungsteams, das einen Kampf gegen vier tödliche Seuchen führt. Der Spielplan zeigt eine Weltkarte, deren Städte durch Linien verbunden sind. Das Team reist rund um den Globus, um die Infektionswelle aufzuhalten und die nötigen Heilmittel zu entwickeln. Alle müssen zusammen arbeiten und dabei, egal ob Arzt oder Einsatzleiter, individuelle Stärken einsetzen, um die Krankheiten zu besiegen, bevor diese die Menschheit ausradieren.
In der Erweiterung stehen dazu jetzt bis zu acht neue Rollen zur Verfügung: die Epidemologin bringt Wissen in Form von Karten in beliebige Städte ein, der Betriebsexperte kann kostenlos Forschungslabore einrichten und von dort aus überall hinfliegen. Der Alleskönner kann pro Runde statt vier sogar fünf Aktionen ausführen. Die Archivarin darf mit acht Karten eine mehr besitzen als andere und der Eindämmungsexperte entfernt automatisch eine Krankheit in einer Stadt mit mehr als einem Würfel derselben Farbe. Der Feldforscher erweist sich als nützlich, indem er geheilte Krankheitswürfel auf seiner Rollenkarte hortet und zur Erforschung eines Gegenmittels nutzen darf. Schlussendlich greift ein Krisenmanager hilfreich ein, da er die oben liegenden Karten des Infektionskartenstapel ansehen kann.
Gemeinsames Ziel ist es, durch die Entwicklung von Heilmitteln für die bis dato vier tödliche Seuchen die Menschheit zu retten. Der Schwierigkeitsgrad jeden Spieles ist dabei leicht zu variieren. Mischt man beim ersten Spiel lediglich vier der Epidemiekarten in den Kartenstapel mit den Spielerkarten, so werden es durch die Erweiterung - Auf Messers Schneide - bis zu sieben Epidemien. Der wichtige Kartenstapel im Spiel ist nach wie vor der bereits erwähnte Infektionskartenstapel. Dieser zeigt ausschließlich Karten mit Städten, die während des Spieles bestimmen, in welchen davon sich die Seuchenwürfel ausbreiten. Das wird mit Infektionsmarkern in Form kleiner Holzwürfel in entsprechender Farbe markiert. Kommen die neuen Herausforderungen ins Spiel können hoffentlich die neuen Ereigniskarten wie der Schnelle Impfstoffeinsatz - entfernt nach Entdeckung eines Heilmittels fünf Würfel in miteinander verbundenen Städten- das Mobile Krankenhaus, wo Spieler bei Ankunft in einer Stadt Infektionsmarker entfernen können oder ein Sonderauftrag, mit dem man andere Spielfiguren bewegen kann, helfen.
Denn bereits die erste der neuen Herausforderungen, der Virulente Stamm, erfordert die ganze Aufmerksamkeit der Spieler. Zusätzlich zu den normalen Effekten einer Epidemie hat hier jede Epidemiekarte noch ihren eigenen Effekt, der nur diese Seuche betrifft und sogar dauerhaft bis zum Ende (der Welt) gelten kann. So kann sich beispielsweise dadurch die Bedingung zur Erforschung eines Gegenmittels verschlechtern, da man dazu ab sofort immer eine Karte mehr sammeln muss. Wahrlich bitter, vor allem wenn diese Epidemie bereits zu Beginn ins Spiel kommt. Die Mutation kann sogar eine fünfte Seuche ins Spiel bringen, die zudem unvorhersehbar ausbricht. Ist sie erst einmal im Spiel, verhält sie sich in jeder Hinsicht (Infektion, Ausbrüche, Behandlung, Heilung und Auslöschung) wie jede andere Seuche und kann über andere Mutationskarten und Überträger weiter verbreitet werden. In Bio-Terrorist schließlich tritt ein Spieler gegen seine Mitspieler an und verbreitet Panik mit einer weiteren, im Labor gezüchteten Seuche. Das Böse wandelt einfach immer überall, aber wer Dungeonlords in seiner Spielgruppe weiß, der hat jetzt eine Möglichkeit diese mit Leichtigkeit an den Pandemie-Tisch zu locken. Der Bio-Terrorist notiert seine Züge in ScotlandYard-Manier im Geheimen, während er sabotiert und die Welt noch weiter an den Abgrund treibt.
FAZIT | Als intelligente und spannende Erweiterung entpuppt sich schnell dieses Machwerk von Matt Leacock. Auch für Skeptiker von Erweiterung ist Pandemie - Auf Messers Schneider uneingeschränkt empfehlenswert. Da ein kooperatives Spiel wie Pandemie im Gegensatz zu anderen Brettspielen nach vielen Spielen weniger Abwechslung bereit hält, kommen die neuen Herausforderungen gerade recht. Sie fordern selbst Pandemie-Profis, ohne dass das Spiel unfair wird. Dabei besticht die Erweiterung wieder durch gute Regeln, deren Vermittlung dank übersichtlicher, ausführlicher und bebilderter Erklärung leicht fällt. Für alle, die Pandemie bereits kennen, ist die Erweiterung ein Muss - die Petrischalen muss man einfach haben - , allen anderen sei dringend ein Probespiel des als Spiel des Jahres nominierten ausgezeichneten Grundspiels
Pegasus Spiele 51325G - Pandemie angeraten. Dieses Brettspiel kann man ohne Einschränkung jedem empfehlen, egal ob Gelegenheits- oder Vielspieler, ob Zockergruppe oder Familienabend. Schwer vorstellbar aber wahr.